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Impressionen vom hr-Sinfonieorchester beim Rheingau Musik Festival
Rheingau Musik Festival
Ob Kirchen, Weingüter oder Schlösser - das Rheingau Musik Festival ist auch in seiner 30. Auflage wieder Gastgeber an vielen Spielstätten. Das große Musikfestival mit über 40 Spielstätten und 155 Konzerten steht 2017 unter dem Motto "Aufbruch".
Von einer einfachen Idee zu einer der wichtigsten Konzertreihen für klassische Musik: Das Rheingau Musik Festival (RMF) feiert in diesem Jahr 30. Jubiläum.

Das Kloster Eberbach in der Nähe von Eltville im Rheingau
Das Kloster Eberbach in der Nähe von Eltville im Rheingau
Dass jedes Jahr Weltstars in die Region kommen, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Michael Herrmann. Die Idee zum Festival kam ihm bei einem Besuch des Festival "Pablo Casals" im französischen Prades. Die Erstauflage des Rheingau Musik Festivals im Jahr 1987 blieb überschaubar: Bei den 19 Konzerten wurde mehr ausgegeben als eingenommen. Herrmann machte trotzdem weiter und lockt Jahr für Jahr die besten Musiker in den Rheingau und nach Wiesbaden. Wer dabei sein will, muss sich beeilen: Das Festival ist schon in vollem Gange, und von den 155 Konzerten sind laut den Veranstaltern mehr als 85 ausverkauft.

Das Rheingau Musik Festival startete bereits am Samstag den 24.6. im Kloster Eberbach bei Eltville in seine 30. Saison. Beim feierlichen Eröffnungskonzert spielten die Rund 100 Musiker des hr-Sinfonieorchesters vor etwa 1.300 Zuhörern in der Basilika der ehemaligen Zisterzienserabtei, wo einst der Film "Der Name der Rose" gedreht worden war.


©  HR/Werner Kmetitsch Andres Orozco Estrada
Andres Orozco Estrada
Unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada setzten die Musiker ihre eindrucksvolle Wagner-Vorspiel-Reihe mit drei weiteren Ouvertüren des Musikdramatikers fort. Die Helden der beiden romantischen Opern "Lohengrin" und "Der fliegende Holländer" sowie der tragischen Oper "Rienzi" begegneten in dem Programm der "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz.

Mit jenem epochalen Werk setzte sich der junge französische Romantiker einst über traditionelle Grenzen hinweg und erschloss der musikalischen Welt ganz neue Ausdrucksformen. Geradezu wie ein Prototyp des romantischen Künstlertums erscheint der Protagonist der quasi-autobiografischen Sinfonie, die ebenso intensiv wie subjektiv erlebte Empfindungen, Leidenschaften und Träume effektvoll und farbenreich in Szene setzt.


Proteste gegen Fluglärm
© dpa Hauptveranstaltungsort ist das Kloster Eberbach
Hauptveranstaltungsort ist das Kloster Eberbach
An der Zufahrt zum Eröffnungskonzert standen auch dieses Jahr wieder Fluglärmgegner. Sie protestierten gegen Mitglieder des Festival-Kuratoriums und Sponsoren, die den Ausbau des Frankfurter Flughafens durchgesetzt hätten. Damit setzten sie die Rhein-Main-Region täglich 18 Stunden lang "ohrenbetäubendem Fluglärm" und einem CO2-Ausstoß von 900.000 Liter Kerosin aus, kritisierte die Initiative gegen Fluglärm Mainz. Die Aktivisten hatten bereits zuvor mit einer umstrittenen Brief-Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Intendant Michael Herrmann nahm dazu keine Stellung. Er verwies auf einen am 23.6. veröffentlichten offenen Brief teils weltbekannter Musiker gegen den Protest.

Rund 40 Künstler hatten sich in dem Brief Proteste gegen Fluglärm verbeten. In dem Schreiben werfen sie den Fluglärmgegnern vor, die Künstler zu instrumentalisieren und unter Druck zu setzen. Der Zweck dürfe nicht die Mittel heiligen. "Schon gleich nicht in Deutschland, das noch heute von solch falscher Philosophie tief gezeichnet ist", schreiben sie.

Schwerpunkt "Erinnerungen an Prades"
Bis zum 2. September können die Zuschauer noch die Konzerte an besonderen Orten genießen: Kulturdenkmäler wie die Schlösser Johannisberg und Vollrads sowie das Kurhaus Wiesbaden, gehören zu den Spielstätten. Ein thematischer Schwerpunkt der diesjährigen Saison ist das Projekt "Erinnerungen an Prades", eine Hommage an das Kammermusikfestival in den französischen Pyrenäen, von dem RMF-Festivalgründer und Intendant Michael Herrmann 1964 inspiriert wurde.

Die Highlights des RMF 2017
An vier Abenden wird das französische Originalprogramm ausgewählter Konzerte der 1960er Jahre aufgeführt. So erinnern die Brüder Renaud und Gautier Capuçon mit Frank Braley an das Prades-Programm vom 30. Juli 1966: Sie spielen die Bach-Sonate BWV 1015, Beethovens "Kreutzersonate" und das zweite Schubert-Klaviertrio (8. Juli, Schloss Johannisberg). Marc Bouchkov, Pablo Ferrández und Christopher Park interpretieren Mozarts Violinsonate KV 481, die erste Brahms-Violinsonate, Beethovens elf Bagatellen für Klavier und das erste Klaviertrio von Mendelssohn (10. August, Schloss Johannisberg). Es ist das Original-Programm vom 31. Juli 1964.

Die Geschwister Christian und Tanja Tetzlaff widmen sich mit Lars Vogt dem Programm vom 6. August 1964 mit Sonaten von Haydn, Mozart und Beethoven sowie dem ersten Brahms-Klaviertrio (20. August, Schloss Johannisberg). Im Kurhaus Wiesbaden tritt als besonderes Kammermusik-Highlight der Kanadier Chilly Gonzales zusammen mit dem Hamburger Kaiser Quartett (19. August) auf.


Programm des Eröffnungskonzerts vom 24.6.
- Richard Wagner: Vorspiel 1. Akt aus "Lohengrin" WWV 75
- Ouvertüre zu "Rienzi" WWV 49
- Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" WWV 63
- Hector Berlioz: "Symphonie fantastique" op. 14
Orchester: hr-Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Andrés Orozco-Estrada

Sendedaten
Samstag, 8. Juli 2017, 20.15 Uhr
Schwerpunkt
Festspielsommer 2017
Von Mai bis September reist 3sat in seinem Festspielsommer zu den großen Festivals in den 3sat-Ländern.
Multimedia
© pa_dpa30 Jahre - Rheingau Musik Festival
Wie aus einer Tennishalle ein Konzertsaal wurde: Webspecial der Hessenschau