© HRmakido film Produktion
Reinhold Messner wurde spätestens durch seine Erstbesteigung des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff im Jahr 1978 weltberühmt.
Reinhold Messner wurde spätestens durch seine Erstbesteigung des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff im Jahr 1978 weltberühmt.
Reinhold Messner - Der "Eroberer des Nutzlosen"
Er hat als erster Mensch alle Achttausender dieser Welt bestiegen, die Grenzen des Menschenmöglichen ausgelotet und den modernen Alpinismus revolutioniert: Reinhold Messner ist der berühmteste Bergsteiger und Extremsportler unserer Zeit.
Wie kein anderer Extrembergsteiger verkörpert Reinhold Messner den unbedingten Willen, Grenzen zu überschreiten und ans Limit zu gehen. Am 17. September 1944 in Brixen geboren und im abgelegenen Südtiroler Villnößtal als zweites von neun Kindern aufgewachsen, stand Reinhold Messner schon mit fünf Jahren auf einem Dreitausender in den Dolomiten.

In den 1970er und 1980er Jahren hat der Südtiroler zusammen mit anderen Alpinisten das Höhenbergsteigen revolutioniert. Auch höchste Berge bis hin zu Achttausendern werden in kleinen Seilschaften, in einem Zug und ohne Fremdhilfe bzw. ohne vorher präparierte Route bestiegen. So konstatierte "Der Spiegel" schon 1979: "Reinhold Messner gehörte zur ersten Reihe junger Alpinisten, die gegen Kommißbetrieb, Kameradschaftskult und heldische Phrasen rebellierten und die den neuen Geist der Zeit auch auf den Bergen wehen ließen - freilich auch neue Phrasen, die nun psychologisch waren statt heroisch und von 'Motivation' und von 'natural highs' tönten statt von Ehre und Mannesmut. Messner machte sich ein Vergnügen daraus, die geheiligten Tabus der Kletterwelt zu brechen."


Messner macht den Bergsport populär
© HRmakido film Produktion Messner bei Dreharbeiten
Messner bei Dreharbeiten
Reinhold Messner hat immer wieder die Öffentlichkeit beschäftigt und spektakuläre Rekorde gesetzt: 1978 bestieg er zusammen mit Peter Habeler als Erster den Gipfel des Mount Everest ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff. Zudem stand er als erster Mensch auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender dieser Welt. Seinen ersten, 8.125 Meter hohen Nanga Parbat, bezwang er bereits im Jahr 1970. Immer wieder erprobt er neue Routen an den schwierigsten Bergen der Erde. Doch nicht nur durch seine spektakulären Gipfelbesteigungen macht er von sich reden. 1989/1990 durchquerte er mit Arved Fuchs zu Fuß die Antarktis, 1993 Grönland und 2004 die Wüste Gobi.

Er selbst sieht sich zwar als "Eroberer des Nutzlosen", wie er immer wieder gerne in Vorträgen betont. Am Berg tue sich nichts, sondern nur in uns. Es gehe letztlich um Selbsterfahrung. Doch er sei sich auch bewusst, dass er diese Expeditionen auch stellvertretend für diejenigen Menschen unternommen habe, die von solchen Grenzerfahrungen nur träumen könnten. Der Extrembergsteiger verstand sich auch immer auf Vermarktung seiner Abenteuer und hat bis heute mehr als 80 Bücher veröffentlicht. Nicht selten polarisieren seine Äußerungen zum Bergsteigen, zum Massentourismus und zu umweltpolitischen Fragen. Durch sein medienwirksames Auftreten hat Messner den Bergsport populär gemacht und Massen von Menschen auf die Berge gelockt. Seine Zähigkeit und der unbändige Willen, seine Ziele zu erreichen, hat ihn für viele zum Vorbild werden lassen. Vielleicht auch, weil er es gelernt hat, neben zahlreichen Erfolgen auch immer wieder mit Rückschlägen umzugehen.


Das Wichtigste: wieder lebend unten ankommen
© HRmakido film Produktion Reinhold Messner
Reinhold Messner
Den schwersten Schicksalsschlag traf Messner sicher im Jahr 1970, als beim gemeinsamen Abstieg vom Nanga Parbat sein Bruder Günther ums Leben kam. Er selbst erlitt schwere Erfrierungen. Der Südtiroler wurde, völlig entkräftet und dem Tod nahe, von pakistanischen Bergbauern durch das Karakorum-Gebirge zurück ins Leben geschleppt. "Da stellt man natürlich alles in Frage. Aber der Verzicht auf die eigenen Ziele hätte ihn nicht wieder lebendig gemacht", erinnert sich Messner anlässlich eines Vortrags im österreichischen Linz. Doch solche Grenzerfahrungen ließen ihn die Zerbrechlichkeit des Lebens spüren. Denn Nicht der Gipfelsieg sei das Entscheidende, sondern lebend wieder unten anzukommen, wie Messner in seiner 2009 erschienenen Biografie "Westwand" erklärt. "Ich glaube, die stärkste Motivation, diese Touren und Expeditionen immer wieder zu machen, ist im Grunde das Zurückkommen. Zurückkommend erfahre ich ein Gefühl des Wiedergeborenseins. Und dieses Wiedergeborensein zeigt mir, dass das Leben das Großartigste ist, was ich zur Verfügung habe.“

Neben all den abenteuerlichen Unternehmungen ist der Südtiroler Extrembergsteiger und Grenzgänger auch ein Vorreiter in Sachen Ökologie und nachhaltigem Bergtourismus. Seit den 1980er-Jahren engagiert sich Reinhold Messner für den Umweltschutz. Von 1999 bis 2004 vertrat er als parteiloser Kandidat die italienischen Grünen im Europaparlament. Zudem ist es ihm schon lange ein Anliegen, den Menschen die einzigartige Natur der Bergwelt nahezubringen. Seit 2003 betreibt Messner das Bergmuseumsprojekt "Messner Mountain Museum". Im Juli 2015 eröffnete er das sechste und letzte Museum. Der spektakuläre Bau von der irakischen Star-Architektin Zaha Hadid wurde auf dem 2.275 Metern hohen Gipfelplateau des Kronplatzes im südtiroler Pustertal errichtet. Mit dem eindrucksvoll gelegenen Museum über den traditionellen Alpinismus will Messner "einen Ort der Stille, der Entschleunigung und unvergessener Ausblicke" schaffen, wie der damals 70-Jährige anlässlich der Eröffnung erklärte.


Drei Filme von und über Messner
© HRmakido film Produktion Reinhold Messner
Reinhold Messner
Wir zeigen am Dienstag, 21. März 2017, 17.00 Uhr den Zweiteiler "Abenteuer Alpen", in dem Reinhold Messner auf 150 Jahre Alpengeschichte zurückblickt. Der Bergsteiger, der die Alpen kennt wie kaum ein anderer, führt darin zu grandiosen Schauplätzen von Dramen und Heldentaten, Verbrechen und Mutproben. Er trifft Zeitzeugen und Fachleute, zeigt historische Ausrüstungen und stellt Orte vor, an denen Alpen- und Zeitgeschichte geschrieben wurde.

Sendedaten
Abenteuer Alpen - Mit Reinhold Messner auf historischer Bergtour

Dienstag, 21. März 2017, 17.00 Uhr und 17.45 Uhr
Abenteuer Alpen, Teil 1
VideoDienstag, 21.03.2017, 17.00 Uhr
Im ersten Teil der zweiteiligen Dokumentation erzählt Reinhold Messner unter anderem von der legendären Erstbesteigung des Matterhorns. Gemeinsam mit Alexander Huber, einem der besten Freeclimber der Welt, folgt Messner außerdem den Spuren von Paul Preuß, dessen Leistungen in den 1930er Jahren aus den Gipfelbüchern getilgt wurden, weil er Jude war.
Abenteuer Alpen, Teil 2
VideoDienstag, 21.03.2017, 17.45 Uhr
Im zweiten Teil der historischen Tour steht unter dem Titel "Falsche Kameraden und starke Frauen" zunächst die Eiger Nordwand im Mittelpunkt. Zahlreiche Versuche der Besteigung endeten tödlich, ehe Heinrich Harrer 1938 die Durchsteigung der eisigen Wetterseite des Eiger gelingt. In Zermatt findet Messner Zeugnisse für eine bisher eher unbekannte Eroberung. Schon sechs Jahre nach der Erstbesteigung steht 1871 eine Frau auf dem Gipfel des Matterhorns.
Geschichte des Alpinismus
Abrüstung am Berg: von Hippies und Profis
Fast alle Bergsteiger und Mediziner hielten es für vollkommen unmöglich und vermuteten, dass der Mensch in einer solchen Höhe ersticken würde. Doch am 8. Mai 1978 standen Reinhold Messner und Peter Habeler auf dem höchsten Gipfel der Erde ...
Geschichte des Alpinismus
Aufrüstung: Der Weg auf die höchsten Gipfel
Was treibt den Menschen auf die Berge ...
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