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Mittwoch, 24. Juni
© BR/GFF/Triluna Film AG Lupe
Maximilian Schell als Regierungsrat Isaak Kohler
Justiz
Mit "Justiz" erinnert 3sat an den großen Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler Friedrich Dürrenmatt, der am 5. Januar seinen 95. Geburtstag gefeiert hätte. Aus demselben Anlass folgt um 22.00 Uhr die innovative Hommage "Friedrich Dürrenmatt - Im Labyrinth".
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Der Regisseur Hans W. Geißendörfer (Mitte) mit den Darstellern Anna Thalbach und Thomas Heinze
Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne: Friedrich Dürrenmatt behandelte in seinen Werken so existentielle wie zeitlose Themen, formte Figuren, die gleichermaßen zwischen Tragik und Groteske changieren. 1921 im Schweizer Kanton Bern geboren, entdeckte Dürrenmatt früh die Kunst und Literatur für sich. Mit dem Bühnenstück "Die Ehe des Herrn Mississippi" konnte er 1952 die ersten größeren Erfolge für sich verzeichnen. Der endgültige Durchbruch als Schriftsteller und Dramatiker gelang Dürrenmatt jedoch mit der Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" vier Jahre später.

Der Kriminalroman "Justiz" gehört zu den späten Werken Dürrenmatts. Ursprünglich befasste er sich bereits 1957 mit dem Stoff, seine Aufzeichnungen blieben jedoch durch die vorrangige Arbeit an anderen Stücken skizzenhaft. Erst 1980 holte Dürrenmatt seine Notizen wieder hervor, und es dauerte noch einmal fünf Jahre, bevor er die Arbeit an dem Roman, mit völlig überarbeiteter Handlung, abschloss. Friedrich Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in seinem Haus im schweizerischen Neuenburg. Am 5. Januar 2016 hätte er seinen 95. Geburtstag gefeiert.


Ein Mord ohne Motiv?
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Isaak Kohler begeht einen Mord in einem voll besetzten Restaurant.
Juraprofessor Winter (Hark Bohm) diniert mit seinem ehemaligen Studenten Felix Spät (Thomas Heinz) im ehrwürdigen Zürcher Restaurant Du Théâtre. An den Nebentischen sitzen viele Bekannte, unter anderen ein Staatsanwalt und der Zürcher Polizeichef (Mathias Gnädinger). Dann betritt der bekannte Regierungsrat Isaak Kohler (Maximilian Schell) das Restaurant, tritt an Winters Tisch, zieht eine Pistole und erschießt ihn, bevor er seelenruhig das Lokal wieder verlässt. Es ist überhaupt kein Motiv für die Tat auszumachen, doch die zahlreichen Augenzeugen reichen natürlich für eine Verurteilung Doktor Kohlers.

"Die Wirklichkeit ist nur ein Teil des Möglichen"
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Anwalt Spät (Thomas Heinze) im Gerichtssaal
Noch im Gerichtssaal wird der junge Anwalt Spät von Kohlers Tochter Helene (Anna Thalbach) angesprochen, die ihren Vater für unschuldig hält. Wenig später macht sie dem mittellosen Juristen ein Angebot: Er soll den Fall ihres Vaters neu aufrollen. Bei seinen Ermittlungen solle er von der Annahme ausgehen, nicht Kohler, sondern ein anderer sei der Mörder gewesen. Obwohl er als Zeuge von Kohlers Schuld überzeugt ist, nimmt Spät den dubiosen Auftrag an. Durch seine Nachforschungen taucht er ein in die schmutzigen Geheimnisse der Zürcher Oberschicht. Als gemunkelt wird, er könne den Fall tatsächlich gewinnen, bricht Panik aus. Der junge Anwalt aber beginnt, immer mehr am Rechtssystem zu zweifeln, und merkt viel zu spät, dass er zum Akteur in einer ausgeklügelten, perfiden Racheaktion geworden ist.

Frage nach Recht, Gerechtigkeit und Moral
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Regisseur Hans W. Geißendörfer
Wie man es aus den Kriminalromanen von Friedrich Dürrenmatt kennt, ist auch "Justiz" kein einfacher Whodunit, sondern ein komplexer Kriminalfall, der existenzielle Fragen nach Recht, Gerechtigkeit und Moral stellt. Der in Zürich aufgewachsene Oscarpreisträger Maximilian Schell spielt den zwielichtigen Spielmeister Isaak Kohler mit Gusto. Schell hatte sich ein paar Jahre zuvor bereits mit dem Schweizer Schriftsteller beschäftigt, als er als Regisseur dessen "Der Richter und sein Henker" verfilmte. Auch die weitere Besetzung von "Justiz" - einer deutsch-schweizerischen Koproduktion, die ganz in Zürich spielt - ist ein Glücksfall: Neben Schell sind Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger und Suzanne von Borsody mit von Partie.

Inszeniert wurde "Justiz" von Hans W. Geißendörfer, der durch gepflegte Literaturverfilmungen wie "Die gläserne Zelle" und "Der Zauberberg" bekannt wurde, bevor er 1985 mit "Lindenstraße" die langlebigste deutsche Soap ins Leben rief. Kritiker wie Hans Messias im Film-Dienst waren begeistert von seinem Schweizer Krimi "Justiz": "Geißendörfer hat diesen großen moralischen Disput als ein faszinierendes intellektuelles Spiel angelegt, dessen gediegene Inszenierung auf ein Ende zuläuft, das mehrere Seiten hat - wie die meisten Dinge in einer Welt, die immer schwerer zu durchschauen ist."


Im Anschluss um 22.00 Uhr folgt die innovative Hommage "Friedrich Dürrenmatt - Im Labyrinth". Im Stil einer "imaginierten Autobiografie" führt der Schweizer Autor selbst mittels originaler Ton- und Filmaufnahmen durch seine Biografie, seinen Alltag, sein Denken und sein Schaffen.

Sendedaten
Samstag, 9. Januar 2016, 20.15 Uhr
Credits
Fernsehfilm, Deutschland/Schweiz 1993, 103 Minuten
Buch und Regie: Hans W. Geißendörfer
Mit: Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger, Norbert Schwientek, Ulrike Kriener, Suzanne von Borsody, Hark Bohm u. a.
Porträt
Mehr als Marias Bruder
Markante Gesichtszüge, gebildet, charmant: Maximilian Schell hatte Format. Und er war einer der wenigen deutschsprachigen Weltstars. Am 1. Februar 2014 starb er im Alter von 83 Jahren, am 8. Dezember 2015 wäre er 85 Jahre alt geworden.