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Mittwoch, 24. Juni
© SWR/Filmak. BW/Jörg Rambaum Lupe
Kartentrick im Magic Castle, Los Angeles
John Mulholland - Zauberer im Kalten Krieg
Das Telefon läutet und am anderen Ende ist der KGB. Mit einem Gedicht des US-amerikanischen Lyrikers Robert Frost aktivieren die Sowjets einen "Schläfer". Mittels eines vorher eingeimpften hypnotischen Befehls werden vermeintliche US-Normalbürger darauf "programmiert", Selbstmordanschläge auf militärische Einrichtungen zu begehen. Was sich nach einem schlechten Agentenfilm anhört, ist auch einer.
"Telefon", so heißt der Film aus dem Jahre 1977, skizziert allerdings auch recht gut, wovor sich der Amerikanische Geheimdienst CIA Mitte der 1950er Jahre fürchtete: Die UdSSR könnte mittels Gehirnwäsche Personen umprogrammieren und sie so zu einer gefährlichen Waffe machen.

Angst vor kommunistischer Gehirnwäsche
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Mentaltrick
Die vielen Sektenbewegungen der Zeit, von Hare Krishna bis zur Moon-Sekte, schienen über solche Techniken zu verfügen, Menschen umzukrempeln und für eine Idee einzuspannen. Schon 1959 erscheint der Politthriller "The Manchurian Candidate". Durch eine Gehirnwäsche in chinesischer Gefangenschaft wird ein amerikanischer Soldat zum "Schläfer", zum willenlosen Automaten eines Staatsstreichs, der bewusstlos mörderische Befehle ausführt.

Neben der Angst vor einem Atomkrieg fühlte sich die amerikanische Regierung in den frühen Jahren des Kalten Krieges auch dieser existentiellen Bedrohung ausgesetzt: Ist es möglich, Menschen so umzupolen? Der 1947 gegründete amerikanische Geheimdienst CIA hegte den Verdacht, dass die sowjetischen Länder über solche Möglichkeiten der Bewusstseinskontrolle verfügen. Dieses Wissen wollten die Amerikaner nun auch besitzen. "Brainwashing" (Gehirnwäsche) wurde das neue Schlagwort. Die CIA holte sich Rat von verschiedenen Experten. Und so wandte sich die Agency auch an den New Yorker Zauberkünstler John Mulholland (1898-1970).


Mulholland entlarvte Hellseher und Spiritisten
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John Mulholland galt zu jener Zeit mit seinen weltweiten Auftritten als einer der angesehensten Zauberkünstler der Welt und er brachte die Kunst der Zauberei auf ein neues, intellektuelles Niveau, indem er als erster umfassende Bücher für angehende Magier schreibt, eine Zeitschrift verlegt und Schriften seiner Kollegen archiviert. Gelernt hatte der extrem talentierte Mulholland bei ebenso brillanten Zauberer Houdini. Dieser hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, der seit den 1920ern in den USA wütenden Spiritismus-Bewegung den Garaus zu machen. Betrügerische Hochstapler gaben sich als Medien aus, die mit Toten in Kontakt treten könnten, und selbst angesehene US-Politiker vertrauten auf den Rat von Hellsehern und Magiern. Nach Houdinis Tod trat Mulholland in diese Fußstapfen - so wurde auch die CIA auf ihn aufmerksam.

Bizarres Projekt zur Ausforschung der Psyche
1953 initiierte die CIA ein geheimes Forschungsprogramm über Verhörtechniken, Gehirnwäsche und Folter, das später unter dem Namen MKULTRA bekannt werden sollte. CIA-Chef Allen Welsh Dulles hielt dieses umfangreiche Forschungsvorhaben mit 130 Untergruppen sogar vor dem Weißen Haus geheim. Das unrühmliche Projekt erkundete, inwieweit sich das Verhalten und Denken von Probanden durch psychologische Techniken und Drogen wie LSD, Mescalin, Amphetaminen und anderen nicht ungefährlichen Substanzen manipulieren ließ. Das Ethische Problem dabei: Die Probanden hatten dem nicht immer zugestimmt. Auch amerikanische Krankenhäuser, Universitäten und militärische Einrichtungen waren an dem berüchtigten Projekt beteiligt. Es sind Fälle dokumentiert, in denen die Versuchspersonen anhaltende gesundheitliche Schäden erlitten und 1988 nach einem Prozessmarathon von der Regierung entschädigt werden mussten.

Verhaltenssteuerung durch Hypnose?
In einem Teil des Projektes wirkte Mulholland mit, der nun Agenten beibrachte, wie sie Gift oder Schlafmittel unentdeckt in ein Getränk schütteten oder einen Gegenstand unerkannt entwendeten. Giftanschläge auf ausländische Politiker, etwa auf den kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba oder den verhassten Kubanischen Diktator Fidel Castro, wurden im CIA des öfteren geplant und manchmal auch ausgeführt.

Wie viele Gegner die CIA dank Mulhollands Methoden tatsächlich zur Strecke brachte, ist nicht bekannt. Mulholland bekam aber auch den Auftrag, Künste wie Telepathie, Hellseherei und Gedankenlesen auf ihre geheimdienstliche Tauglichkeit hin zu überprüfen. Das Urteil des Aufklärers Mulholand war natürlich klar: Keine dieser Methoden eignete sich, um die Kontrolle über einen Menschen zu erlangen, oder in sein Gedächtnis einzubrechen. Alle psychologischen Techniken brauchen die Mithilfe des Probanden. Gegen seinen Willen gab es keine Möglichkeit der Gehirnwäsche oder Umprogrammierung.


"The Secret Book of Secrets"
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Bühne im alten Magic Castle in Los Angeles.
Doch die Taschenspielertricks des Zauberns konnten die Agenten gut gebrauchen, das erkannte Mulholland sofort. So schrieb er ein Handbuch "Zur Kunst der Täuschung" für die CIA. Unter dem Arbeitstitel "The Secret Book of Secrets" entstand ein kleines Handbuch, das auf den ersten Blick keinesfalls den Verdacht erweckt, eine Anleitung zum Töten zu sein. Nur für den internen Gebrauch der CIA bestimmt, zeigt es aber ganz konkret auf, wie flüssige, feste oder gasförmige Substanzen unwissenden Personen zugeführt werden können.

Dabei blieb es aber nicht: Der amerikanische Autor Michael Edwards beschreibt in seinem Buch, dass John Mulhollands nach und nach in die Rolle eines generellen Beraters für die CIA hineinwuchs.


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Edwin Dawes, Zauberhistoriker und Freund von John Mulholland
Zeit seines Lebens bleibt Mulhollands Arbeit für die CIA jedoch geheim. Sein Fall wirft viele Fragen auf. Er lässt tief in die Kunst der Täuschung blicken - und in eine Zeit, in der Amerika im Aufbruch war: Die 1950er Jahre. Auf der einen Seite steht der Kalte Krieg und die "sowjetische Bedrohung". Auf der anderen der amerikanische Traum. Eine Zeit, die bis heute ein faszinierendes Stück Geschichte bleibt. Die Dokumentation "John Mulholland - Zauberer im Kalten Krieg", von Alexander Landsberger folgt den Spuren des rätselhaften amerikanischen Star-Magiers John Mulholland, der in den 1950er Jahren seine Tricks an den US-amerikanischen Geheimdienst "verkauft" hat.

Geschichte
Operation Artischocke
Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 stoßen amerikanische Truppen bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf unzählige Leichen ermordeter oder verhungerter Insassen. Viele der Überlebenden berichten den Befreiern von grausamen Experimenten der KZ-Ärzte mit Krankheitserregern und Drogen.
Dokumentation
Folterexperten
Im Mai 2004 gelangten Berichte und Fotos in die internationalen Medien, die belegen, dass US-amerikanische Militär- und Geheimdienstmitarbeiter Gefangene im Abu-Ghraib-Gefängnis nahe Bagdad gefoltert hatten. Handelte es sich um Gewaltexzesse einzelner Aufseher oder doch um angeordnete und systematische Verhörmethoden?
Wissenschaftsdoku
Musik als Waffe
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