Übersicht
TV-Programm
Mittwoch, 24. Juni
© SWR/Stefan Schaaf Lupe
Luis Caripe mit zwei seiner Söhne bei der Feldarbeit
Expedition Humboldt - Teil 1
Ein deutsches Genie in Lateinamerika
Er war ein Star seiner Zeit: Alexander von Humboldt (1769 - 1859), Forschungsreisender, Universalgelehrter und Denker. Am 16. Juli 1799 begann er in Cumaná, Venezuela, eine fünfjährige epochale Forschungsreise durch Süd- und Mittelamerika, wo er bis heute verehrt wird.
© SWR/Humboldt Gesellschaft Lupe
Portrait Alexander von Humboldts
Zusammen mit seinem französischen Reisegefährten Aimé Bonpland legte Alexander von Humboldt wilde Flussfahrten zurück, durchquerte gefährliche Dschungelgebiete und bestieg schwindelerregende Vulkane. Ein Wissenschaftler immer am Limit: Experimente unternahm er gerne so lange im Selbstversuch, bis er ohnmächtig wurde. Seine Reisen würden heute unter die Kategorie "Extremsport" fallen. In Lateinamerika ist "Alejandro" bis heute allgegenwärtig und wird tief verehrt.

Im Humboldtjahr 2009 mit den drei Jubiläen - 240. Geburtstag, 150. Todestag, 210. Landungstag - hatten sich die beiden Lateinamerika-Korrespondenten Thomas Aders und Stefan Schaaf mit ihren Teams zu einer abenteuerlichen Reise auf den Spuren des Genies aufgemacht. Wissenschaftlich beraten wurden sie dabei vom Humboldt-Experten Prof. Dr. Ottmar Ette von der Universität Potsdam.


Humboldt hat sich für die Ureinwohner eingesetzt
© SWR/Stefan Schaaf Lupe
Der Indio Luis Caripe erinnert sich, dass seine Vorfahren noch von dem Deutschen Humboldt gesprochen haben.
Die Expedition begann in Venezuela, in Cumaná. Vor der Höhle der Guacharo-Vögel, die nur nachts diesen "ungeheuren Schlund der Hölle" verlassen, liegt heute ein Parkplatz mit Kassenhäuschen. Humboldt schreibt vom "widrig kreischenden Geschrei der Vögel", gut zweihundert Jahre später ist der Lärm dieser Tiere genau so ohrenbetäubend.

Der Begleiter des Filmteams, Luis Caripe, ein Chaima-Indianer, ist ein echter Humboldt-Fan: "Humboldt hat sich immer für uns Chaima eingesetzt. Er hat gezeigt, dass wir für unser Land und unsere Rechte kämpfen und dass wir uns gegen Misshandlung wehren müssen", so Caripe. Für die Chaima liegt die wahre Bedeutung dieses Deutschen in seiner Humanität. Die bewies er auch am Orinoko, wo er die Missionare für ihre Verachtung der einheimischen Kultur heftig kritisierte.


Auf dem Orinoko - Humboldts Höllenfahrt
© SWR/Stefan Schaaf Lupe
Unterricht bei Indio-Kindern in der Chaima-Sprache
Das Filmteam folgte der Route, die Humboldt auf dem Orinoko mit dem Kanu zurücklegte, bedroht vom "ungeheuren Toben des Wassers in den Katarakten" und anderen Gefahren: "Vier Monate hindurch schliefen wir in Wäldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Jaguaren". Sie ernährten sich "von Reis, Ameisen, Orinoko-Wasser und bisweilen Affen."

In Cartagena, Kolumbien, tauchte das Team mit Unterwasser-Archäologen hinunter in die Bucht. Auf einem Schiffsfriedhof mit über tausend alten Wracks werden auch Briefe aus der Feder Alexander von Humboldts vermutet. Und wieder ging es auf einen Fluss, den Rio Magdalena. Für Humboldt war es eine Höllenfahrt, auf der er acht seiner Ruderer verlor. Heute ist der Rio Magdalena ein Beispiel für Umweltzerstörung: Abholzung am Ufer, Schwermetalle im Wasser.

In Kuba wird Alexander von Humboldt als Nationalheiliger verehrt, gewissermaßen als Pate der Revolution von Fidel Castro und Che Guevara. Humboldt prangerte den damals grassierenden Menschenhandel an. "Die Sklaverei ist das größte Übel, welche die Menschheit bisher gepeinigt hat."


Sendedaten
Dienstag, 29. März 2016, 14.15 Uhr
Navigation
© dpaDer letzte Universalgelehrte
zur Übersicht
Teil 2
©  SWR Stefan SchaafExpedition Humboldt - Ein deutsches Genie in Lateinamerika
Montag, 9. Februar 2015, 21.00 Uhr
Links
Expedition Humboldt
Blog bei swr.de
Kulturzeit
Das große Ganze
Die Reisetagebücher Alexander von Humboldts gehören zu den wissenschaftlich ergiebigsten Dokumenten des 19. Jahrhunderts. Nun sind sie erstmals öffentlich präsentiert worden...
mehr zum Thema