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Mittwoch, 24. Juni
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Am 2. August 1980 verübten rechte Terroristen einen Anschlag auf den Bahnhof in Bologna. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Anschlag von rechtsradikalen Mitgliedern der Geheimarmee Gladio verübt wurde.
Gladio - Geheimarmeen in Europa
Während des Kalten Krieges unterhielten NATO, CIA, der britische MI6 und andere westeuropäische Geheimdienste eine paramilitärische Geheimorganisation. Diese sollten im Falle einer sowjetischen Besatzung einen Guerillakrieg führen - doch Mitglieder der Geheimorganisation verübten anscheinend rechtsgerichtete Terrorakte.
Militärischer Sprengstoff weist die Spur
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Die "Wehrsportgruppe Hoffmann" besaß einen Panzer, eine Zwei-Zentner-Flack, Waffen, Munition, Uniformen und Stahlhelme. 18 Lastwagenladungen Material wurden im Januar 1980 beschlagnahmt.
Eine Serie von brutalen Bombenanschlägen erschüttert Italien von den 1960er bis in die 1980er Jahre. 1969 sterben z.B. in Mailand 16 Menschen bei einem Bombenanschlag. Im August 1980 detoniert eine versteckte Bombe mit Zeitzünder im Wartesaal des Bahnhof Central in Bologna. Dabei werden 85 Menschen getötet unter ihnen viele Frauen und Kinder. Im September des gleichen Jahres gibt es auch in Deutschland Bombenopfer: beim Münchner Oktoberfestattentat, dem schwersten Anschlag in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, sterben 13 Menschen und über 200 werden zum Teil schwer verletzt.

Im Laufe der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem möglichen Zusammenhang stehen. Alle Täter kommen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen. Mehrfach wird militärischer Sprengstoff benutzt. Die Spuren führen zu einer westeuropäischen geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten - ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: "Stay behind", später auch "Gladio". Was verbirgt sich hinter "Gladio"?


Geheime Waffendepots für Guerillaoperationen
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Frühzeitig wurde die Presse mit Polizeiinternas versorgt, was eine Ermittlung möglicher weiterer Tatbeteiligter erheblich behinderte.
Im Juni 1948 hatte der amerikanische Präsident Truman ein mehrere Millionen Dollar teures Programm des Nationalen Sicherheitsrates zur Finanzierung von "verdeckten Operationen" gebilligt. Geheime Waffendepots wurden in Europa angelegt, Agenten angeworben und ausgebildet. Im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sollten sie sich von den gegnerischen Truppen überrollen lassen und in deren Rücken Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen, so genannte "Stay-Behind-Operationen". Ende der 1950er Jahre war der Aufbau von Gladio abgeschlossen, doch der sowjetische Angriff blieb aus. Was aus den geheimen Strukturen wurde, ist weitgehend unbekannt.

Spuren von Gladio gibt es in Italien. Auch dort wurden solche geheime Strukturen aufgebaut, und es gibt Anzeichen dafür, dass sie seit den 60er Jahren benutzt wurden, um mit Bomben, Attentaten und Morden die amtierende Regierung an der Macht zu halten. Trotz massiver Behinderung der italienischen Justiz durch Geheimdienste und Behörden gelang es, die Existenz von Gladio nachzuweisen. 1990 räumte der damalige italienische Ministerpräsident Guilio Adreotti öffentlich ein, dass Gladio nicht nur in Italien, sondern in allen europäischen Ländern existierte. Europaweit wurde jetzt umfassende Aufklärung gefordert - geschehen ist nichts. Auch nicht in der Bundesrepublik. Obwohl es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Gladio und dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest von 1980 gibt.


War der Oktoberfestattentäter Köhler alleine?
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Viele Indizien weisen darauf hin, dass Gundolf Köhler den Anschlag in München nicht allein begangen hat.
Im Oktober 1981 zum Beispiel führte der aktenkundige Rechtsextremist und mögliche Gladio-Agent Heinz Lembke die Polizei zu mehreren Waffendepots in der Lüneburger Heide. Dort lagerten automatische Waffen, Munition, Sprengstoff, Handgranaten und chemische Kampfstoffe - ein Gladiolager? Lembke hatte Kontakt zur rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann, zu der auch der Oktoberfestattentäter Gundolf Köhler gehörte. Möglich also, dass der Sprengstoff für den Münchner Anschlag von Lemke stammte. Doch diese Frage spielte bei den Ermittlungen der Bundesstaatsanwaltschaft keine Rolle. Sie wurden eingestellt. Eine nachträgliche Aufklärung ist unwahrscheinlich, denn die Asservate, die dank neuer, kriminaltechnischer Methoden Hinweise geben könnten, sind mittlerweile vernichtet - ein Skandal!

Haben Rechtsextremisten Gladio-Strukturen auch in Deutschland benutzt, um ihre politischen Ziele zu verfolgen? Die Wahrheit über Gladio findet sich in den Archiven - unter Verschluss. Nur deren Öffnung könnte Klarheit bringen.


Bis zu 30.000 geheime Soldaten in Deutschland?
Auch die Bundesregierung hatte sich Anfang Dezember 1990 mit dem Thema befasst: Lutz Stavenhagen, Staatsminister im Bundeskanzleramt, hatte einen Bericht "über die Stay-behind-Organisation des Bundesnachrichtendienstes" (BND) vorlegt. Klarheit geht aus dem nur wenige Seiten langen Bericht nicht hervor: Welche Rolle spielte der deutsche Geheimdienst BND und wie viele "Soldaten" umfasste diese Geheimarmee? Der nicht unumstrittene Schweizer Historiker Daniele Ganser geht für die frühen fünfziger Jahre von einer "Stay-behind-Armeen" in Divisionsstärke (10.000 bis 30.000 Soldaten) aus. Andere Quellen sprechen für die sechziger Jahre von weniger als 100 hauptamtlichen BND-Mitarbeitern und etwa 500 Helfern.

Wie viele Mitglieder es auch waren, die Verbindungen dieser, nicht legitimierten und nicht zu kontrollierenden "Armee" zu Neonazis, Bombenlegern und Terroristen ist ein Skandal, der seit Jahren unter den Teppich des Kalten Krieges gekehrt wird. Eine umfassende Aufarbeitung und eine Öffnung aller Archive müsste eigentlich selbstverständlich sein. Doch der politische Wille ist schwach. Es ist zu vermuten, dass die damalige Führung sowohl CDU/CSU wie auch SPD von der Armee wussten und tolerierten. Sehen Sie am Montag, 22.September 2014, 21.00 Uhr einen Film von Frank Gutermuth und Wolfgang Schoen über eine Geheimorganisation in Europa: mordende Paramilitärs, erschaffen NATO und CIA.


Literatur:
Daniele Ganser: NATO- Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. Orell Füssli, Zürich 2008, ISBN 978-3-280-06106-0.

Sendedaten
Montag, 22. September 2014, 21.00 Uhr
Dokumentation
Anschlag auf die Republik?
Am 26. September 1980 erschütterte gegen 22.20 Uhr eine Bombe das Münchner Oktoberfest. Konnte der Täter Gundolf Köhler diesen Anschlag alleine Durchführen?
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