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Mittwoch, 24. Juni
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Richard Deacon: Werk im Sprengel Museum Hannover Sehen Sie die ganze Sendung als Video (87 Min.)
Richard Deacon - In Between
Er habe nie gedacht, dass er von seiner Arbeit würde leben können, sagt Richard Deacon - einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart. Seine Objekte und Installationen werden für Millionenbeträge verkauft. Wer einen Deacon erwerben möchte, braucht nicht nur viel Geld, sondern auch Platz. Seine Skulpturen sind bis zu 15 Meter groß.
Wer die Werke der "Young British Artists" betrachtet, der könnte Richard Deacon als Langweiler schmähen: Während Damien Hirst in Formaldehyd eingelegte Tierkörper zeigt oder mit Diamanten besetzte menschliche Schädel zur Schau stellt, und Tracey Emin ihr zerwühltes Bett mit benutzten Kondomen und blutverschmierter Unterwäsche zeigt, wendet sich der Brite Deacon nur verdrehtem Holz zu.

Losgelöst vom hysterischen Zeitgeist
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Richard Deacon: Werk im Sprengel Museum Hannover
Doch langweilig sind die Objekte Deacons auf keinen Fall, auch wenn sein Werk im besten Sinne wie aus der Zeit gefallen wirkt - wenn man den Gegensatz zu den "Young British Artists" betrachtet. Deacon läuft nicht dem hysterischen - dem Kunstmarkt oft innewohnenden - modischen Zeitgeist nach. Interessant und sehenswert sind die Objekte allemal: Ob Holz, Stahl, Keramik, Glas, Stoff oder Leder - Deacons fast schwerelos anmutenden Arbeiten belegen sein ausgeprägtes Gespür für die spezifische Beschaffenheit und Manipulierbarkeit der unterschiedlichen Materialien.

Richard Deacon beschäftigt sich mit Raum, Verformung, Volumen und Innen und Außen - wie die Skulptur vor 50 Jahren. Er will nichts über sich erzählen, so wie das ungemachte Bett von Emin von vergangenem Sex kündet. Er will nicht schockieren oder prahlen, keine Politik oder Gesellschaftskritik in das Werk einfließen lassen.


Auseinandersetzung mit Raum und Form
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Richard Deacon
Deacon gehört neben Richard Serra und Richard Long zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwartskunst. Seine existenzielle Auseinandersetzung mit Raum und Form ermöglicht eine grundlegend neue Blickweise. Entscheidend ist sein physischer Umgang mit den verschiedensten Materialien. Seine wellenförmig geschwungenen Skulpturen mit ihren rhythmischen Verflechtungen oder die biomorph anmutenden Raumkörper zählen zu den vielschichtigsten Werken der modernen Bildhauerei. Seine Arbeiten sind aufgrund ihrer Größe oft nicht in Privaträumen unterzubringen: Da bleiben nur Museen, wie die Staatsgalerie Stuttgart. Oder private Käufer, wie Firmen, die Eingangshallen ihrer Niederlassungen repräsentativ füllen wollen.

Veränderung des Materialcharakters
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Richard Deacon: Werk im Sprengel Museum Hannover
Lange Zeit beschäftigte er sich mit ausdrucksstarken Holzverschlingungen: "Normalerweise ist Eichenholz ein sehr hartes Material", erklärte er dazu in einem Interview. "Damit sich die Holzplanken formen ließen, mussten wir sie erst mit heißem Wasserdampf biegsam machen. Nach kurzer Zeit ist das Holz dann wieder hart, wie bei Plastik. Diese kurzzeitige Veränderung des Materialcharakters ist eine enorme Bereicherung."

Richard Deacons Aufstieg in den Olymp der Bildhauer begann mit dem Turner-Preis 1987 und der Documenta IX im Jahr 1992 in Kassel. Seit Ende 2009 bekleidet er eine Professur für Bildhauerei in Düsseldorf, und seit 2010 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.


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Richard Deacon: Werk im Sprengel Museum Hannover
Claudia Schmid begleitet den Künstler über einen längeren Zeitraum während verschiedener Phasen seines Schaffensprozesses - sowohl in seinen Ateliers in London und New York bei der Herstellung seiner Modelle für Holz- Stahl- oder Kunststoffskulpturen, als auch bei der Realisierung seiner großformatigen Arbeiten. In der Verbindung von filmischer Beobachtung und Gesprächen über Kunst, Philosophie, Politik und Gesellschaft entsteht ein dichtes Porträt über einen der spannendsten Künstler der Moderne.

Sendedaten
Samstag, 26. Juli 2014, 22.05 Uhr
Kulturzeit:
Damien Hirst: Spektakulär, teuer, umstritten
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