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Mittwoch, 24. Juni
© SWR/Peter Kirchberg/Eberhard Reuß Video
Der siegreiche Mercedes-Benz W25 von Manfred von Brauchitsch nach dem Eifelrennen auf dem Nürburgring am 3. Juni 1934. Sehen Sie den Trailer
Hitlers Rennschlachten
Wie die Silberpfeile siegen lernten
Sie wurden als große Erfolge deutscher Ingenieurskunst gefeiert. Ihre Akteure waren Volkshelden. Und doch war der deutsche Rennsport der Dreißiger Jahre auf die Unterstützung durch ihren prominentesten Fan angewiesen: Adolf Hitler.
© SWR Lupe
Titelblatt des Programmheftes für den "Großen Preis von Deutschland 1936" auf dem Nürburgring.
Vor 80 Jahren begannen die silbernen Rennwagen von Auto Union und Mercedes-Benz ihren Siegeszug im Grand-Prix-Sport. Über die sportlichen und technischen Einzelheiten ist von den einstigen Akteuren sehr viel berichtet worden. Doch die politischen Hintergründe dieser deutschen Rennerfolge sind nach 1945 allzu rasch verdrängt, vergessen und klein geredet worden.

Der Rennsport hatte für das Dritte Reich nicht nur eine Funktion zur Propaganda. Auch für die angeschlagenen Automobilkonzerne bedeutete er wirtschaftliche Vorteile. Die Produktionsmethoden waren vor 1932 veraltet, die Autos viel zu teuer, die Weltwirtschaftskrise hatte den Absatz einbrechen lassen. Die Daimler-Benz AG stellte aus Kostengründen ihre Rennsportaktivitäten ein.

Hitler selbst war fasziniert von Automobiltechnik. Technik, die auch eine militärische Verwendung haben sollte. Um die Fortentwicklung des Automobils zu fördern, subventionierte das Dritte Reich die am Rennsport beteiligten Autokonzerne großzügig. Mit Auto Union und Daimler Benz traten zwei Hauptkonkurrenten gegeneinander an im Rennen um die Gunst der NS-Führung.


Hitlers Plan: "nationale Motorisierung"
© SWR/Peter Kirchberg Lupe
Empfang im Auto Union Werk Horch in Zwickau nach dem Sieg im "Großen Preis von Deutschland 1936".
Die ausländische Konkurrenz gerät gegen die deutschen "Silberpfeile" endgültig ins Hintertreffen. Für die beiden deutschen Konzerne sind die Erfolge im Grand-Prix-Sport ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Autofirmen verschaffen mit ihren Siegen dem NS-Staat sportlichen Glanz, liefern die Kraftwagen für Hitlers Programm der "nationalen Motorisierung" und stellen den NS-Organisationen Fahrzeuge für ihre Veranstaltungen zur Verfügung. Die Machthaber revanchieren sich mit Dienstwagenbestellungen und Rüstungsaufträgen.

Viele Rennfahrer lassen sich einspannen
© SWR/Peter Kirchberg Lupe
Siegerehrung auf dem Nürburgring beim Eifelrennen 1937: Bernd Rosemeyer (li.) und NSKK-Führer Adolf Hühnlein (re.).
Die Fahrer der "Silberpfeile" werden zu "Helden der Rennschlacht" stilisiert. Kaum ein kleiner Junge, der ihre Namen nicht kennt: Hans Stuck, Manfred von Brauchitsch, Rudolf Caracciola und vor allem Bernd Rosemeyer. Viele lassen sich vom NS-Regime vereinnahmen. Bernd Rosemeyer, groß, blond, kämpferisch, SS-Mitglied schon lange vor seinen Erfolgen im Auto Union-Rennwagen, verkörpert wie kein anderer die von Staats wegen propagierten "deutschen Tugenden". Doch ausgerechnet das größte Sportidol der Nation wird 1938 einem Rekordversuch zum Opfer fallen.

Nahtloser Übergang zur Kriegsproduktion
© SWR/Peter Kirchberg Lupe
Empfang bei Hitler (li.) Ende 1935: Die Auto Union-Werksrennfahrer Hans Stuck (Mitte) und Bernd Rosemeyer (re.).
Der Rennzirkus zur Bespaßung des Regimes geht bis 1939 weiter. Erst der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges setzt dem Spektakel ein Ende: Am 3. September 1939, drei Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, rollen die "Silberpfeile" von Auto Union und Mercedes-Benz beim "Großen Preis von Belgrad" zum letzten Mal an den Start. Danach stellen die Automobilfirmen ihre Produktion auf Rüstungsgüter um.

Mit den Legende aufräumen
©  SWR/Daimler AG Heritage Lupe
Adolf Hitler, Hans Nibel (Chefkonstrukteur der Daimler-Benz AG), Jakob Werlin (Vorstandsmitglied der Daimler-Benz AG und "autopolitischer Berater des Führers") und Joseph Goebbels.
In seinem Film "Hitlers Rennschlachten - Wie die Silberpfeile siegen lernten" beleuchtet der Journalist und Buchautor Eberhard Reuß das enge Verhältnis zwischen NS-Regime und Rennsport. Zu Wort kommen Experten wie Professor Peter Kirchberg und Zeitzeugen wie Ex-Rennfahrer und Verleger Paul Pietsch. Zu sehen gibt es auch seltene, wiederentdeckte Film-Aufnahmen, die mit so mancher Legende aufräumen.

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