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Mittwoch, 24. Juni
© Andre Zacher/Jane-Goodall-Institut Video
Die Verhaltensforscherin Jane Goodall. Sehen Sie die ganze Sendung (103 Minuten) sieben Tage in unserer Mediathek
Jane's Journey
Die Lebensreise der Jane Goodall
"Es macht keinen Sinn, auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen an unbegrenztes Wachstum zu glauben." Es sind Sätze wie diese, die Jane Goodall berühmt gemacht haben. Die Umweltaktivistin, Schimpansenforscherin und UN-Friedensbotschafterin ist eine der außergewöhnlichsten Frauen unserer Zeit.
© SWR/Andre Zacher Lupe
Jane Goodall mit tansanischen Mitarbeitern
"Eine junge englische Sekretärin will uns etwas über Schimpansen erzählen? Und ihren Affen gibt sie keine Nummern, sondern Namen?" Das dachte die Fachwelt der Primatenforschung in den 1960er Jahren, als Jane Goodall eine Feldstudie über Schimpansen in Tansania veröffentlichte. Sie lebte mehrere Monate in den Wäldern Tansanias unter diesen Menschenaffen und entdeckte, dass sie Werkzeuge verwenden: Mit Zweigen angeln sie Termiten aus den Löchern ihrer Bauten und sie verwenden Steine als Hammer und Amboss, um Nussschalen zu sprengen.

Werkzeuge waren dem Menschen vorbehalten
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Schimpansen sind die nächsten lebenden Verwandten des Menschen
Die Fachwelt war zunächst skeptisch: Affen und Werkzeuge? Nur der Mensch baut und verwendet Werkzeuge, so die damalige Meinung. Und Goodalls Qualifikation bestand in der Tat nur in einer Ausbildung zur Sekretärin, und dass sie ihren Affen zu Persönlichkeiten mit Namen machte, anstatt ihnen Nummern zu geben, war für die damalige Primatenforschung unwissenschaftlich. Doch ihre Entdeckung vom Werkzeuggebrauch bei Tieren war eine echte Sensation, und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer um den Erdball. 1965 wurde sie ohne Studium zur Promotion in an der Universität in Cambridge zugelassen und Leiterin des Gombe Research Center in Tansania. Die wissenschaftlichen Arbeiten der Affenforscherin zählen inzwischen zu den wichtigsten des 20. Jahrhunderts.

Goodall bei der Feldforschung  © Hugo Van Lawick/Jane Goodall InstituteLupeGoodall bei der Feldforschung
Goodall in den 1960ern © Hugo Van Lawick/Jane Goodall InstituteLupeGoodall in den 1960ern
Mit dem Affen David Greybeard © Hugo Van Lawick/Jane Goodall InstituteLupeMit dem Affen David Greybeard
Goodall mit ihrem Sohn  © Hugo Van Lawick/Jane Goodall InstituteLupeGoodall mit ihrem Sohn

Für mich sind Schimpansen eigentlich keine Tiere
© SWR/Andre Zacher Lupe
Jane Goodall zusammen mit den Schimpansen im Wald.
Viele Jahre lebte sie in Tansania und verbrachte ihre Tage und Nächte im Urwald bei den Affen: "Ich hatte mindestens 30-mal Malaria, einmal vermutlich auch Denguefieber, und da war ich zum Teil nahe dran zu sterben. Ich hatte aber keine Angst. Ich glaube, dass der Tod ein großes Abenteuer ist. Ich will nicht sterben, aber ich bin total neugierig," sagte sie in einem Interview. Sie studierte weiter das Sozialleben der Schimpansen und kam zu dem Schluss, das es sich gar nicht so gravierend von dem der Menschen unterscheidet. Heute ist bekannt, das der genetische Unterschied zwischen Schimpansen und Menschen nur minimal ist: Die Übereinstimmung liegt bei 98,7 Prozent. Rechtfertigen die 1,2 Prozent Unterschied, dass wir uns zum Herrn über Leben und Tod der Menschenaffen aufspielen? Das sind die Fragen, die uns Goodall aufdrängt.

Schimpansen stehen auf der Roten Liste
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Jane Goodall und Dorfeinwohner erzählen.
In den Urwälder Afrikas bekam die Forscherin hautnah mit, wie ein Lebensraum nach dem anderen durch Menschen ausgeplündert und zerstört wurde. Heute leben nur noch wenige Schimpansen in den Urwäldern Afrikas und die Weltnaturschutzorganisation hat ihn auf die Rote Liste der bedrohen Arten gesetzt.

Goodall beschloss ihre Forschungen einzustellen und sich fortan als Tierschutz- und Umwelt-Aktivistin zu betätigen. Aus der engagierten Wissenschaftlerin wurde eine resolute Umweltaktivistin - und das bis heute. Jeane Goodall merkte, dass sie die Verfolgung der Schimpansen und die Zerstörung ihres Lebensraums nicht nur vor Ort bekämpfen musste. Die Quellen für die Umweltzerstörung in Afrika sind auch in den Industrienationen zu suchen.


"Eigentlich verrückt, aber ich habe viel Energie"
Lupe
Jane Goodall und neu gepflanzte Bäume
1977 gründete sie das Jane Goodall Institute, das sich im Arten- und Naturschutz engagiert und heute Büros in 27 Ländern unterhält. Seit den 1980er Jahren wandte sich Goodall den westlichen Öffentlichkeiten zu, um für Umweltschutz, Aufforstungen und Tierschutz zu werben. Seitdem tourt sie durch die Welt. In den letzen Jahren war sie 300 von 365 Tagen auf Vortragsreisen unterwegs. Darauf angesprochen ist sie wie immer bescheiden: "Eigentlich verrückt, aber ich habe viel Energie." Goodall initiiert und begleitet Hilfsprojekte und seit 2002 ist sie zusätzlich in der Rolle einer UN-Friedensbotschafterin auf Achse. Dabei ist es nicht nur ihr Ziel, den Menschen klarzumachen, dass wir absolut keine Zeit mehr zu verlieren haben, sondern auch zu erklären, wie genau wir hier und jetzt positive Veränderungen bewirken können: "Wir müssen lernen, in Frieden und Harmonie zu leben, nicht nur miteinander, sondern auch mit der Natur."

2007 veröffentlichte die UN einen Report, der die letzten Zweifel ausräumte, dass die Menschheit für die rapide Beschleunigung des verheerenden Klimawandels selbst verantwortlich ist. Mehr als 20 Jahre zuvor hatte Jane Goodall bereits damit begonnen, ihr Leben der Rettung unseres bedrohten Planeten zu widmen. Sie wurde deshalb - und wegen ihrer ruhigen und überaus bescheidenen Art - schon mit Mahatma Gandhi verglichen.

Sehen Sie am Sonntag, 6. April 2014, 21.55 Uhr den Dokumentarfilm "Jane's Journey" von Lorenz Knauer über eine außergewöhnliche Frau. Die Dokumentation gewährt Einblicke in das bewegte private Leben der Aktivistin. Der Zuschauer sieht die Welt aus "Dr. Janes" Perspektive - teilt ihre Erfolge, Freuden, Hoffnungen und Lieben, aber auch ihre Rückschläge und Sorgen. Prominente Zeitgenossen wie Angelina Jolie und Pierce Brosnan erzählen von ihren Begegnungen mit Jane Goodall und ihrem Einfluss auf sie.


Sendedaten
Sonntag,6. April 2014, 21.55 Uhr
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© RichardLadkaniSeite zum Film "Jane's Journey"
nano
"Ich gab als erste den Tieren Namen statt Nummern"
Jane Goodall hat nicht studiert und brachte neue Methoden in die Anthropologie ein
nano
Die Kultur der Affen
Nicht nur Menschen pflegen gewisse Traditionen
Kulturzeit Buch
Weiblicher Forschergeist
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