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Mittwoch, 24. Juni
© BR/Gröning Lupe
Den größten Teil des Tages verbringen die Mönche in ihrer Zelle beim Beten und Studieren.
Die große Stille
"Grande Chartreuse" ist das Mutterkloster des strengen Kartäuserordens in einer einsamen Gebirgsgegend bei Grenoble gelegen. Die emeritisch lebenden Mönche sehen ihre Berufung darin, im Schweigen und in der Einsamkeit Gott zu finden.
Zwei bis drei Stunden Beten in der Nacht
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Ein langes Leben in Ruhe und Abgeschiedenheit hat der Mönch in der Grande Chartreuse verbracht.
Umgeben vom Felsmassiv der französischen Alpen leben seit 1084 die Mönche des Einsiedlerordens der Karthäuser nach strengen Regeln. Der Tag der Mönche wird durch die acht Gebetszeiten gegliedert: Vom ersten Gebet um 23.30 Uhr, bis zum letzten vor der Nachtruhe um 19.30 Uhr wechseln sich Gebete von zusammengenommen etwa acht Stunden länge, Studium und Arbeit ab. Es soll so wenig wie möglich gesprochen werden. Kommuniziert wird hauptsächlich über einen Zettelkasten, in dem jeder Mönch Nachrichten hinterlassen kann. Ihr Schweigen wird nur an Sonn- und Festtagen und beim gemeinsamen wöchentlichen Spaziergang unterbrochen.

Beten, Gotteslob und stille Arbeit
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Betender Mönch in seiner Zelle.
Neben der Arbeit und dem Beten ist auch das Fasten ein wichtiger Bestandteil des Lebens der Mönche: Vom Feiertag der Wiederauffindung des Kreuzes Christi (14. September) bis Ostern wird täglich nur eine Mahlzeit gereicht. Darüber hinaus wird einmal in der Woche nur Wasser und Brot gegessen. Ein Frühstück gibt es nicht und gegen 17 Uhr essen die Mönche von Ostern bis September zu Abend. Das Kloster lebt weitgehend autark von seiner Umwelt und stellt viele Gebrauchsgegenstände selbst her. Besuchen kann man das Kloster nicht, es ist eine eigene von der Umwelt abgeschottete Gemeinschaft.

Seit mehr als 1000 Jahren unveränderte Lebensform
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Essensausgabe. Wortlos wird das Tablett durch eine Öffnung in der Tür geschoben.
Die verschiedenen Klöster sind auch wirtschaftlich selbständig und sollen grundsätzlich selbst für ihren Unterhalt aufkommen können. So sind die Mönche in der Landwirtschaft und im Handwerk tätig. Auf der Ordensebene gibt es ein Ausgleichssystem, über das ärmere Häuser unterstützt werden – vorwiegend dank der Produktion des berühmten Likörs. Bis heute hat sich die Lebensform der Eremiten, die aus Gebeten, Studien, aber auch körperlicher Arbeit besteht, kaum verändert.

15 Jahre warten auf die Drehgenehmigung
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Ein Blick auf das Kloster Grande Chartreuse in den französischen Alpen.
Philip Gröning hatte 1984 die Idee über diesen Orden einen Film zu machen, bekam aber keine Dreherlaubnis. Die erhielt er erst 15 Jahre später. Fast zwanzig Jahre hat es am Ende gedauert, bis aus der Idee der Film wurde. Gröning war der erste Filmemacher, der in dem Kloster auch die Gesichter der Mönche filmen durfte. Um in den Arbeitsrhythmus der Mönche einzutauchen, nahm Gröning am Leben der religiösen Gemeinschaft teil. Er dokumentiert den Alltag der Mönche im Kloster im Wechsel der Jahreszeiten, die Gebete, die Gesichter bis hin zur Zubereitung des Essens in der Klosterküche.

162 Minuten ohne Dialoge aber kein Stummfilm
Lupe
Das Essen für alle Mönche wird in der alten, großen Küche zubereitet.
Der Filmemacher erlebt ihre Existenz zwischen Einsiedlertum und starkem Gemeinschaftsgefühl hautnah. Das Kloster verbot aber künstliches Licht, zusätzliche Musik und Kommentare des Filmemachers und er musste alle Aufnahmen ohne Crew bewerkstelligen. Insgesamt sechs Monate lang hatte sich Gröning in die Einsamkeit des Klosters "La Grande Chartreuse" zurückgezogen, um das Leben der Karthäuser-Mönche zu dokumentieren, das vom strikten Gebot des Schweigens und weltlicher Abgeschiedenheit geprägt ist. 162 Filmminuten ohne Dialoge und trotzdem kein Stummfilm.

Preisgekrönter Dokumentarfilm
Lupe
Ein Mönch auf der Suche nach spiritueller Erfahrung.
Der Film, den Sie am Sonntag, 14. April 2013, 21.45 Uhr sehen können, erhielt u. a. den europäischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm, einen Bayerischen Filmpreis, den Preis der deutschen Filmkritik, den Spezialpreis der Jury in Sundance, den Preis der Jury für den besten Dokumentarfilm im internationalen Wettbewerb des Festivals von São Paulo/Rio de Janeiro, den Deutschen Kamerapreis, die Flaiano-Preise in Pescara für die beste Kamera und als bester Film sowie den Europäischen Filmpreis.

Kritik:
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Selbst wenn sie zusammensitzen, üben sich die Mönche in größtmöglichem Schweigen.
Der Regisseur "rafft die Klosterzeit und bremst die Kinozeit, bis beide synchron laufen. Die Suche nach Wahrheit bedingt eine Wahrhaftigkeit der Form. (…) In solchen Momenten verschmelzen das dunkle Kirchenschiff und der dunkle Kinosaal zu gemeinsamem Empfinden" (Hanns-Georg Rodek, Die Welt, 09.11.2005)

Sendedaten
Sonntag, 14. April 2013, 21.45 Uhr
Trailer
VideoTrailer zum Film
Dokumentarfilm von Philip Gröning, Deutschland 2005
Link
Internetseite zum Film
Themenwoche
Hauptsache Konsum?
Unsere moderne Lebensweise bedeutet für viele Menschen ein Leben im materiellen Überfluss: Sie konsumieren andauernd. Nur wenige suchen nach Gegenentwürfen. Vom 8. bis 14. April 2013 geht es bei uns um das Thema "Hauptsache Konsum?"
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