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Dienstag, 20. April
© dpa/EUNAVFOR Video
400 Seemeilen vor der Küste Somalias: Eine französische Einheit der EUNAVFOR hat ein verdächtiges Schnellboot aufgebracht. Zuvor war ein Tanker im selben Seegebiet von Piraten attackiert worden. -> Sendung ansehen (43 Minuten)
Im Land der Piraten - Terror vor Somalias Küsten
Im Indischen Ozean, vor der Küste Somalias haben deutsche Marinesoldaten der Fregatte Lübeck ein Fischerboot im Visier. Sie haben den Verdacht, es könnte sich um das Mutterschiff von Piraten handeln.
Die Hauptschlagader des Welthandels vor Somalia
© SWR/Ashwin Raman Lupe
Ashwin Raman (M.): Gruppenbild mit Bodyguards
Das Seegebiet vor der Küste Somalias ist berüchtigt: wenige Tage zuvor hatte es einen Angriff auf ein Handelsschiff gegeben. Die Marinesoldaten sind auf der Suche nach den Piraten. Die deutsche Fregatte soll im Rahmen des europäischen "Atalanta"-Einsatzes für die Sicherung der weltweiten Handelsrouten am Horn von Afrika sorgen. Kapitän Martin Ruchay schickt ein Boarding-Team - einen Einsatztrupp - auf das Fischerboot um nach Waffen zu suchen. Doch das Boot aus Dubai scheint tatsächlich nur ein Fischerboot zu sein. Das Meer vor Somalia ist wieder sehr fischreich und wegen Raubfischerei belangt zu werden, müssen die Fischer aus Dubai nicht fürchten. Diesen Verstoß zu ahnden gehört nicht zum Auftrag der Soldaten.

Seit 20 Jahren herrscht in Somalia Bürgerkrieg, der mindestens eine Million Todesopfer gefordert hat und weitere Millionen Menschen flüchten ließ. Das Machtvakuum nutzen lokale Warlords, um professionell Piraterie zu betreiben. Am Horn von Afrika ist diese zum größten Problem der internationalen Schifffahrt geworden. Die Route durch den Golf von Aden und den Suez-Kanal ist so etwas wie eine Hauptschlagader des Welthandels.


 Per Hubschrauber wird das Seegebiet vor Somalia von der "Lübeck" aus inspiziert. © SWR/Ashwin RamanLupeMarinehubschrauber
ARD Reporter Ashwin Raman: "Eine Reise durch Somalia ohne Schwerbewaffnete Bodyguards: undenkbar." © SWR/Ashwin RamanLupeBodyguards
Die deutsche Fregatte "Lübeck" ist im Rahmen des Atalanta-Einsatzes zur Sicherung der Handelswege am Horn von Afrika im Einsatz. © SWR/Ashwin RamanLupeFregatte "Lübeck"

Piraterie ist ein Big Business
Tausende von Tankern und Frachtschiffen verkehren hier, der größte Teil des Güterverkehrs zwischen Afrika, Asien und Europa nimmt diesen Weg. Und ist willkommenes Ziel für Piratenangriffe: Etwa 40 Schiffe und mehr als 1000 Geiseln sind Anfang 2012 in der Hand von Entführern. Der Schaden ist immens: Etwa 160 Millionen Dollar Lösegeld haben die Piraten im Jahr 2011 von Reedereien und Regierungen erpresst. Piraterie ist also ein Big Business.

Die gefährlichste Reise seines Lebens
© SWR/Ashwin Raman Lupe
"Technicals", Jeeps oder Kleinlaster mit montiertem Maschinengewehr gehören zum Alltag in Somalia.
Im Frühjahr 2012 reiste der vielfach ausgezeichnete ARD-Reporter Ashwin Raman nach Somalia. Er wollte mehr erfahren über das Geschäft mit dem Terror am Horn von Afrika. Obwohl der Journalist schon viele Krisengebiete, wie den Irak oder Afghanistan besuchte, wurde Somalia die gefährlichste Reise seines Lebens. Entführungen von Ausländern sind hier an der Tagesordnung und Raman selbst entgeht nur knapp diesem Schicksal. Somalia ist ein Staat ohne Gesetz, ohne Ordnung und ohne Sicherheiten. Hunger, Kriminalität und vor allem ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg haben das Land zermürbt.

Ursache der Piraterie wird nicht bekämpft
© dpa Lupe
Bilder des US-Verteidigungsministeriums vom März 2010: Der Zerstörer USS Farragut hat ein kleines Boot versenkt
Die europäischen "Atalanta"-Einsätze haben mittlerweile zu einem Rückgang der Piraterie geführt, deren Ursachen bekämpfen die Europäer aber mitnichten. Nur wenige Menschen in Somalia sind Piraten oder Mitglieder bewaffneter Gruppen. Die Zivilisten allerdings sind bettelarm und können nur mit umgerechnet einem Dollar am Tag wirtschaften. Davon eine Familie zu ernähren ist fast unmöglich. Geld lässt sich am Horn von Afrika nur mit Piraterie oder dem Krieg verdienen.

Dem ARD-Reporter Ashwin Raman wurde berichtet, dass früher etwa 70 Prozent der Bevölkerung an den Küsten Somalias ihren Lebensunterhalt als Fischer bestreiten konnten. Heute jedoch seien es lediglich noch fünf Prozent. Das läge vor allem daran, dass die Gewässer verseucht und leergefischt seien. In der Tat sind Fälle bekannt, in denen Giftmüll vor der Küste verklappt wurde. Täglich werden in manchen Gegenden verendete oder verkrüppelte Fische angespült, genauso wie Fässer mit unbekanntem Inhalt. Es scheint zudem eine Häufung von Missbildungen bei Kindern zu geben, sowie typische Anzeichen von Vergiftungen bei Erwachsenen. Was tatsächlich vor der Küste in den 1990er Jahren geschah, lässt sich kaum feststellen. Fakt ist, seit dem Sturz der Regierung Siad Barre im Jahre 1991 wurden die Hoheitsgewässer Somalias nicht mehr überwacht.


Raubfischerei vor Somalia rief Piraten auf den Plan
Ein Auslöser für die Piraterie war sicherlich auch die einstige Überfischung der Region durch ausländische Trawler von 1992 - ca. 2002. In den einst extrem fischreichen Gewässern seien danach kaum noch Fänge zu machen gewesen, berichten die Fischer. Die Anfänge der Piraterie haben nach Einschätzung von Experten mit dem Erpressen von Fanggebühren von den ausländischen Großtrawlern zu tun. Inzwischen hat sich der Fischbestand aufgrund der prekären Sicherheitslage erholt.

Sehen Sie am Freitag, 8. Februar 2013, 20.15 Uhr eine mehrfach preisgekrönte Dokumentation von Ashwin Raman. Der ARD-Journalist besuchte Mogadischu und flog auch in die noch gefährlichere Stadt Galkayo, einem Piratennest im somalischen Hinterland und reiste von dort aus an die Küste. Seine Spurensuche führte ihn in Flüchtlingslager, somalische Gefängnisse, zu entführten Schiffen. Er begegnet Fischern, die am Existenzminimum leben sowie Clanchefs und Piratenbossen, die ihre Aktionen als Notwehr im Überlebenskampf rechtfertigen. Seine Fernsehdokumentation zeigt aber auch Besatzungen entführter Schiffe, die in Todesangst und unter erbärmlichen Umständen auf die Zahlung von Lösegeldern warten.

Ausländische Journalisten kommen kaum noch hier her. Und so ist das Land und seine grauenvolle Lage aus der öffentlichen Wahrnehmung fast vollständig verschwunden. Parallel zu diesen Recherchen auf dem somalischen Festland, begleitet der Film die Piratenproblematik aus der Perspektive der deutschen Marinesoldaten, die im Meer vor Somalia patrouillieren. Ein Einsatz, der vor allem westliche Interessen im Auge hat. Ramans Dokumentationen sind vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem internationalen CNN-Rory-Peck-Award, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Robert ­Geisendörfer Preis.


Sendedaten
Freitag, 8. Februar 2013, 20.15 Uhr
makro:
Die "Piraten AG" - 21.00 Uhr
Die Piraten sind zurück. 5000 Angriffe gab es weltweit seit 1984. Damit erlebt ein lukratives Verbrechen Renaissance, das längst als überwunden galt. Mit erheblichen ökonomischen Folgen. Freie Beute statt freier Handel!
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