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Dienstag, 20. April
© dpa/Hofer Filmtage Lupe
Der marokkanische Schauspieler Abdessamad Achouba durfte nicht nach Hof, weil er bis Freitag kein Visum bekam.
Bericht von den 46. Internationalen Hofer Filmtagen
Am Sonntag sind die 46. Filmtage in Hof zu Ende gegangen, und neben vielen außergewöhnlichen Filmen des deutschen Regienachwuchses gab es für die Schauspielerin Jessica Schwarz den Hofer Filmpreis. Das kleine aber renommierte Filmfest in der fränkischen Provinz zeigte so manchen wegweisenden Film.
Keinen Kommentar vom Auswärtigen Amt
In Vorfeld der Filmtage gab es dieses Jahr ungewöhnliche Probleme. Der Jungschauspieler Abdessamad Achouba aus Marokko, der die Hauptrolle in dem Beitrag "Aladin - Weg ins Paradies" spielt, durfte nicht einreisen. Die Botschaft und das Auswärtige Amt gaben dem 18-jährigen, offiziell eingeladenen "Ehrengast" der Filmtage bis Freitag (19.10.2012) kein Visum. Der Streifen des Regisseurs Simon Bischoff soll in Hof seine Premiere feiern. Das Auswärtige Amt wollte den Vorgang nicht kommentieren. In Hof reagierte man mit Unverständnis: Unprofessionell und dilettantisch sei das Verhalten der Behörden, so sahen es die Besucher und Teilnehmer der Filmtage, und Regisseur Bischoff nannte es schlicht einen Skandal.

Jessica Schwarz erhält Filmpreis der Stadt Hof
© dpa Lupe
Wim Wenders
Der junge Achouba konnte nicht kommen, doch Wim Wenders und Rosa von Praunheim waren selbstverständlich wie immer da. Auch Jessica Schwarz gehört zu den treusten Besuchern der Filmtage und wurde für ihre Darstellungskunst mit dem Filmpreis der Stadt Hof geehrt. Im Moment ist sie in dem eindrücklichen Krebsdrama "Heiter bis Wolkig" in den Kinos zu sehen. Ebenfalls am Donnerstagabend bekamen Juan Sarmiento G. (Kamera) und David J. Rauschning (Schnitt) einen Förderpreis für den Film "Am Himmel der Tag". Dieser erzählt die ebenso lockere wie tragische Geschichte einer feierwütigen Studentin, die ungewollt schwanger wird und schließlich eine Totgeburt verkraften muss.

Filme über Arbeit und Einsamkeit
Eröffnet wurden die Filmtage am Dienstag, den 23.10. mit dem Film "Eastalgia" von Daria Onyshchenko, der eine Nacht in Europa in drei Städten - München, Kiew und Belgrad - zeigt und dabei drei parallele Geschichten von Heimatlosigkeit und Einsamkeit erzählt. Daneben waren die vielen, selten positiven Aspekte des Arbeitslebens ein Hauptthema des Festivals. Der Dokumentarfilm "FREIgestellt - Die Zukunft der Arbeit in Zeiten des Überflusses" von Claus Strigel erzählt, wie Arbeit in einigen Jahren aussehen könnte. Der Spielfilm "Mobbing" der Grimme-Preis-Trägerin Nicole Weegmann mit Tobias Moretti in den Hauptrollen erzählt von den Folgen von Ausgrenzung am Arbeitsplatz: Als Jo von seiner neuen Vorgesetzten immer wieder schikaniert und schließlich sogar gekündigt wird, leidet darunter auch seine Ehe. Doch so leicht gibt sich das Mobbingopfer nicht geschlagen.

Lupe
Auch die 400 Fabrikarbeiter in Stefan Herings "Abseitsfalle" weigern sich, ihren Job kampflos aufzugeben. Einer von ihnen ist Mike. Er verliebt sich ausgerechnet in die Managerin Karin, die ihn und seine Kollegen wegrationalisieren soll. Hering ist einer der jungen Filmemacher, die Festivalleiter Heinz Badewitz dieses Jahr mit ihren Debütfilmen nach Hof eingeladen hat. Traditionell bieten die Filmtage eine Plattform für den Nachwuchs. Der Festivalchef spricht aus 46 Jahren Erfahrung, wenn er sagt: "Es gibt unglaublich viele Talente zu entdecken." Für ihn haben Filmfestivals wie Hof die Aufgabe, auf sie hinzuweisen. Gezeigt wurden außerdem auch internationale Festivalhits wie Olivier Assayas' "Après Mai" oder Andrew Dominiks "Killing them softly" mit Brad Pitt in der Hauptrolle.

Rosa von Praunheim schenkt 70 Filme
© dpa Lupe
Regisseur Rosa von Praunheim (l.) und Festivalleiter Heinz Badewitz
Ein weiterer Fokus lag auf dem Schaffen des Regisseurs und schwulen Aktivisten Rosa von Praunheim. Aus Anlass seines 70. Geburtstags beschenkt er seine Fans mit 70 (!) Filmen. Bei den Filmtagen in Hof präsentierte er sensible Porträts mit heiteren und traurigen Momenten. Praunheims Schaffen geht weiter über die Filmwelt hinaus. Der Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", löste 1971 großen Wirbel aus. Nach Praunheims Film wurden in der Bundesrepublik über 50 Schwulengruppen gebildet.

Hof war auch dieses Jahr etwas Besonderes: In familiärer Atmosphäre wurden sechs Tage lang Arbeiten des deutschen Filmnachwuchses gezeigt, Bratwurst gegessen und Fußball gespielt. Ein Filmfest, wie eine Wohnküche. Wer meint Fußball und Bratwurst mit Film gehören nicht zusammen, der war noch nie in Hof. Das 47.000 Einwohner zählende Städtchen beherbergt ein überaus angesehenes Filmfest, das einige Eigenheiten besitzt: Die Würstchenbude vor dem Veranstaltungskino gehört dazu, genauso wie das traditionsreiche Fußballspiel zwischen dem FC Filmwelt und dem FC Hofer Filmtage. Sehen Sie am Sonntag, 28. Oktober 2012, 19.10 Uhr einen Film von aus der ARD-Reihe "Kino Kino extra" über eines der traditionsreichsten deutschen Festivals.


Sendedaten
Sonntag, 28. Oktober 2012, 19.10 Uhr
Kultuzeit
Jessica Schwarz erhält Hofer Filmpreis
Hof interaktiv
Auf den Hofer Filmtagen - Finde die Super-8-Kultregisseure! Interaktives Special von Arte und on3
Rückblick 2011
Bericht von den 45. Hofer Filmtagen
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