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Mittwoch, 24. Juni
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Julia trägt Brille und Kontaktlinsen. Kommt sie für eine Laser-OP in Frage?
Weg mit der Brille
Chancen und Risiken des Augenlaserns
Julia ist 22 und hat einen Traum: Sie wünscht sich ein Leben ohne Brille. Deswegen entscheidet sie sich zu einer Laser-Operation am Auge. Wie sie lassen jedes Jahr ungefähr 100.000 Deutsche sich die Augen lasern. Doch wie sicher sind solche Eingriffe?
Schnell, sicher und preiswert?
Julia reicht es. Sie will nie wieder ihre Kontaktlinsen einsetzen müssen und schon gar nicht ihre Brille tragen. Sie ist eine von 100.000 Menschen, die sich in Deutschland jedes Jahr lasern lassen. Für viele Brillenträger ist es eine Erleichterung, mit einer einfachen Operation ihr Sehvermögen nahezu vollständig wieder herstellen zu lassen. 60 Prozent der Deutschen tragen eine Brille: Das ist ein riesiger Markt für viele Augenärzte mit Millionen potenziellen Kunden. Dementsprechend vielversprechend ist die Werbung und dementsprechend hart ist der Wettbewerb. Schnell, sicher und preiswert - das versprechen viele Augenkliniken.

Augen-OP als Schäppchen im Urlaub?
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Prof. Dr. Michael Knorz aus Mannheim an der Spaltlampe. Bevor gelasert wird, müssen die Augen genau untersucht werden.
4.800 Euro kostet die Operation für Julia - die Krankenkasse zahlt davon keinen Cent. Diese halten eine Brille in der Regel für zumutbar und ordnen die OP unter "kosmetisch" ein. Im Prinzip darf jeder in Deutschland zugelassene Augenarzt die OP durchführen. Doch Julia hat sich entschieden einen der rennomiertesten deutschen Ärzte auf diesem Gebiet aufzusuchen. Andere Angebote für die Augen-OP sind deutlich billiger - in der Türkei und Osteuropa soll es Schnäppchen für 1000 Euro geben. Doch Julia will, dass ein ausgewiesener Fachmann an ihren Augen operiert.

Das hat seine Gründe. Zum einen ist das fehlsichtige Auge ein gesundes Organ. Nur bei der Schärfe benötigt es eine Korrektur durch Brille oder Kontaktlinse. Doch "krank" ist das Sehorgan deswegen nicht. Es kann passieren, dass beim oder nach dem Lasern der Augen Folgeschäden bleiben. Im sehr seltenen aber schlimmsten Fall könnte das Auge dann fast blind sein.


Keine OP ohne Nebenwirkung
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Sind die Optiker bald arbeitslos?
Die Methode, für die sich Julia entschieden hat, ist die LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis). Dabei wird die Hornhaut, die das Auge nach außen abschließt, mit einem Hobel lamellenförmig geöffnet und nach oben geklappt. Danach wird mit dem Laser so viel Gewebe abgetragen, dass sich die Lichtbrechung in der Hornhaut ändert. Nun wird der hochgeklappte Teil der Hornhaut wieder glatt gestrichen. Dieser wächst auch in den nächsten Jahren nicht fest, sondern hält nur dank der starken Adhäsions- oder Anhangskraft - was aber meist keine Probleme verursacht. Die LASIK ist eine der am meisten angewendeten Verfahren bei Fehlsichtigkeitskorrekturen - meist erfolgt sie ohne Komplikationen oder "Kunstfehler".

Doch es sind Fälle dokumentiert, bei denen es zu einer Infektion am Auge kam, die - zu spät erkannt - nicht mehr beherrscht werden konnte. Auch wenn sich das Auge während einer OP nur minimal bewegt und der Arzt das nicht korrigieren kann, wird der falsche Bereich am Auge weggelasert. Auf die Erfahrung des Operateurs kommt es hierbei entscheidend an. Eine Studie aus dem Jahr 1998 kam zu dem Ergebnis: Ist der behandelnde Arzt unerfahren, kommt es in fast fünf Prozent der Fälle zu Komplikationen (!). Hat er schon über 200 dieser OPs absolviert, so sinkt die Quote auf unter ein Prozent.


Strukturelle Schwächung der Hornhaut
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Bei Julias Voruntersuchung wird geprüft, ob eine Erkrankung vorliegt
Doch nicht nur wegen möglicher Kunstfehler sollten interessierte Brillenträger vorsichtig sein. Die Patienten der LASIK haben durch den Eingriff lebenslang eine strukturelle Schwächung der Hornhaut an der Stelle des Schnittes. Der ständig auf die Hornhaut einwirkende Augeninnendruck kann zu einer Vorwölbung der Hornhaut führen (Keratektasie). Das Risiko dafür steigt mit abnehmender Restdicke der Hornhaut nach der Behandlung. Auch mechanische Einwirkung, wie ein Sportunfall oder ein aufgehender Airbag können eine Vorwölbung oder ein erneutes Aufklappen des Hornhautlappens bewirken.


Sehen bei Nacht ist fast immer beeinträchtigt
Fast in fast allen Fällen der LASIK kommt es zu einer Beeinträchtigung des Sehens bei Nacht. Je größer die einstige Fehlsichtigkeit, desto stärker ist das Nachtsehen von Halos (Lichthöfen) beeinträchtigt. Diese werden durch das Missverhältnis zwischen der Größe des gelaserten Bereichs auf der Hornhaut und dem Durchmesser der Pupille bei Nacht verursacht. Des Weiteren kommen in 15 bis 20 Prozent aller Operationen Probleme mit trockenen Augen dazu. Dann muss der Patient mehrmals am Tag künstlich mit Augentropfen nachhelfen. Grund für die Austrocknung ist, das Hornhautnerven durchtrennt wurden, die nun nicht mehr das Austrocknen der Oberfläche erkennen.

Verantwortungsvolle und erfahrene Operateure klären vor einer Operation die individuellen Risiken für eine LASIK und raten im Zweifelsfall von dem Eingriff ab. Wenn die Hornhaut anormal gekrümmt oder zu dünn ist - oder sie eine Trübung aufweist, darf nicht gelasert werden. Auch eine Vorschädigung des Sehnervs oder der Sehzellen ist ein klarer Grund die OP nicht durchzuführen. Auch sollten nur Fehlsichtigkeiten von bis zu -8 Dioptrien oder +3 Dioptrien gelasert werden. Wichtig ist: 14 Tage vor der Voruntersuchung dürfen keine Kontaktlinsen getragen werden. Diese können die Messergebnis verfälschen. Bei Julia wurden alle diese Punkte überprüft und kein Befund sprach gegen den Laser. Wird sie - wie 95 Prozent der Operierten - mit dem Ergebnis der LASIK zufrieden sein?


Begleiten Sie Julia auf ihrem Weg zur Brillenlosigkeit in einer Reportage am Freitag den 14. September 2012, 20.15 Uhr. In "Weg mit der Brille" zeigt der Journalist und Augenarzt Lothar Zimmermann, wie gut eine Laser-Operationen am Auge ist? Wer überhaupt für eine solche Operation in Frage kommt? Wann sollte eine Linsenoperation durchgeführt werden? Wie ergeht es den Menschen, die nach der OP mit Komplikationen kämpfen müssen? Was kann schief gehen und welche Therapiemöglichkeiten gibt es dann noch? Der Film fragt nach und zeigt, welche Chancen, aber auch Risiken eine Laser-OP am Auge haben kann.

Sendedaten
Freitag, 14. September 2012, 20.15 Uhr
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