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Dienstag, 20. April
© WDR/TAC Presse Lupe
Aus einem Tarnzelt schoss Antonio Zappadu auf Silvio Berlusconi - und traf.
Die Skandalmacher
Die ungeheure Welt der Paparazzi
Sie hören Telefone ab, bestechen ihre Informanten, verwanzen ihre Opfer und geraten nicht selten auf illegalen Wegen an ihre Informationen: Paparazzi, immer auf der Suche nach dem nächsten Coup, dem nächsten Skandal.
95 Prozent "Schnüffeln" - fünf Prozent "Abschuss"
Hans Paul sieht aus wie ein netter Onkel von nebenan. Nur wenn er darüber berichtet, wie er arbeitet, dann kommt der Zuhörer ins Grübeln: Hans Paul ist der bekannteste deutsche Paparazzo. Verkleidet mit einem harmlosen Briefträgeroutfit hört er sich in den Promivierteln der Großstätte um, welches bekannte Gesicht wo zuletzt gesehen wurde. Einem Briefträger erzähle man gerne etwas, entschuldigt er seine Verkleidung. 95 Prozent seiner Arbeit sei "Schnüffeln" - nur fünf Prozent "Abschuss". "Abschuss" - so nennt er es, wenn er ein prominentes Gesicht beim Einkaufen, ohne deren Zustimmung, abgelichtet hat. Die meiste Zeit beobachtet er aber nur. Dann schläft er sogar in seinem Kombi, in dem auch ein Motorrad und ein motorgetriebener Gleitschirm einsatzbereit sind. Für ein Bild eines A-Promi bekommt der Fotograf bis zu 20.000 Euro. Geld sei für ihn allerdings kein Anreiz - er nennt es eine Passion. Auch Oliver Pocher habe er schon auf der Straße "abgeschossen" - in genauem Wissen, das Bild nie verkaufen zu können. Pocher soll gegen jegliche Veröffentlichung eines "Abschusses" klagen – in Deutschland sein gutes Recht. Seine Bilder seinen deswegen unverkäuflich.

Eglands Revolverblätter: enthemmte "Recherchen"
Andere Paparazzi sind da weniger zimperlich, und in vielen europäischen Ländern sind die Gesetze nicht so streng. Fast jedes auf der Straße geschossene Bild darf in vielen europäischen Ländern veröffentlicht werden. Vor allem in England durften die Boulevardblätter fast alles - bis die "News Corporation" von Rupert Murdoch und die zu dem Konzern gehörenden Zeitung "News of the World" zu weit gingen. Mitarbeiter hörten mit einem simplen Trick Mobilfunk-Mailboxen von Prominenten, Soldatenwitwen und Verbrechensopfern ab und gelangten so zu einmaligen Informationen. Zuerst sah es so aus, als seien nur der Reporter Clive Goodman, wie auch der Privatdetektiv Glenn Mulcaire in diese Affäre verwickelt. Später stellte sich aber heraus, dass es gängige Praxis in der inzwischen eingestellten Zeitung war, auf illegale Methoden an Infos und Bilder - selbst aus dem englischen Königshaus - zu gelangen.

Viele Verhaftungen und Entlassungen
© dpa/Kerim Okten Lupe
Andy Coulson - Plötzlich selber von den Medien belagert: der ehemalige Berater von Premierminister David Cameron auf dem Weg zum Untersuchungsausschuss
Auf einer Liste fanden sich 4.000 Namen und Telefonnummern potenzieller Abhöropfer. Die Reporter stehen auch im Verdacht, Polizeibeamte bestochen zu haben. Angestellte der Presseabteilung der Londoner Polizei bezogen sogar ein Gehalt von den Medienunternehmen. Die Welle der Empörung, die über die Praktiken der Presse durchs Land ging, spülten sogar Andy Coulson, den Kommunikationsberater des britischen Premierministers David Cameron, von seinem Posten. Er war zur fraglichen Zeit der verantwortliche Herausgeber der "News of the World". Im Februar dieses Jahres wurden fünf führende Redakteure der ebenfalls zur "News International" gehörenden "Sun" wegen des Verdachts der Bestechung von Polizisten und Beamten zeitweise festgenommen. Doch der eigentliche Skandal - so Tom Watson, der englische Abgeordnete der Labor-Fraktion - sei, dass kein Politiker dem Treiben der mächtigen "News Corporation" ein Ende bereitet habe. Die Mediengruppe sei so mächtig gewesen, dass sich niemand mit ihr habe anlegen wollen. Auch die Polizei habe nicht ermitteln wollen. Das kostete mittlerweile auch den Chef von Scotland Yard den Kopf.

Bunga-Bunga-Fotos aus dem Tarnzelt
© dpa Lupe
Berlusconis Certosa-Villa auf Sardinien
Auch in Italien ging der Paparazzo Antonello Zappadu im Sommer 2009 weit – zu weit? Er fotografierte den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Pool der Luxusvilla Certosa auf Sardinien in weiblicher, sehr junger Begleitung. Weitere Fotos zeigen halb nackte Mädchen an einem Whirlpool und einen Mann mit erigiertem Penis, der sich einer Frau im Sonnenstuhl nähert. Dieser Mann soll der tschechische Ex-Ministerpräsident Topolanek sein, und bei einigen der Frauen soll es sich um Prostituierte gehandelt haben, so der Fotograf. Geschossen hat Zappadu die Party-Fotos per Teleobjektiv aus einem Tarnzelt. Der 72-jährige Berlusconi hatte die Bilder in Italien zunächst beschlagnahmen lassen, weil er dadurch seine Privatsphäre verletzt sah. Sie durften nicht veröffentlicht werden.

© dpa Lupe
der italienische Fotojournalist Antonello Zappadu
Die spanische Zeitung El País druckte dennoch eine kleine Auswahl der angeblich 500 Fotos. Die Gesichter der Beteiligten waren vom Fotografen selbst unkenntlich gemacht worden, bis auf das von Berlusconi. Er ist auf zwei Bildern zu sehen - jeweils in Begleitung von jungen Frauen. Ging der Paparazzo zu weit? Oder besitzen solche Fotos auch eine politische Dimension, die ihre Veröffentlichung rechtfertigen? Dem Ministerpräsidenten wurde schon zuvor vorgeworfen, eine Beziehung zu einer Minderjährigen gepflegt zu haben und Bunga-Bunga-Partys in zweifelhafter Begleitung gefeiert zu haben. Ein nicht akzeptables Eindringen in die Intimsphäre Berlusconis oder hatte die Welt das Recht zu erfahren, was da vor sich ging?

Sehen Sie am Freitag, 31. August 2012, 20.15 Uhr einen Film von Romain Bolzinger, der Paparazzi bei ihrem Geschäft begleitet und Einblicke in die Methoden ihrer Arbeit gibt. Darunter ist auch Antonello Zappadu.


Sendedaten
Freitag, 31. August 2012, 20.15 Uhr
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