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Baktrische Kamele in der Wüste Gobi auf einem Teil der Seidenstraße.
Baktrische Kamele in der Wüste Gobi auf einem Teil der Seidenstraße.
Die Marco Polo-Fährte
Vierteilige Dokumentation über eine Reise auf der Seidenstraße
Der Mann ist mehr als eine Legende: Von 1271 bis 1295 reiste der junge venezianische Händler von Venedig bis Peking, wo er das Vertrauen des Kaisers von China gewann. Sein Buch "Die Wunder der Welt" ließ Europa im Mittelalter staunen.
Sendedaten
Mittwoch, 19. Juli 2017, 14.50 Uhr - 17.45 Uhr

Hintergrund
© dpa War Marco Polo tatsächlich in China?
8.000 Kilometer von Venedig bis Peking
Marco Polo reiste für den Hinweg auf der "Großen Seidenstraße". Auf diesem Netz von Karawanenstraßen gelangten damals nicht nur Kaufleute, Gelehrte und Armeen, sondern auch Ideen, Religionen und ganze Kulturen von Ost nach West und umgekehrt. Bradley Mayhew, ein 40-jähriger Brite, ist ein Profi-Traveller der heutigen Zeit. Er schreibt Reiseführer für Lonely Planet. Bradley bereist noch einmal jene Route, auf der Marco Polo unterwegs war. 8.000 Kilometer übers Land, von Venedig bis Peking. Er reist mit dem Bus, Lkw oder per Anhalter. Das Buch Marco Polos hat er im Rucksack und begibt sich auf Spurensuche: Wie gelangte er bis an den chinesischen Kaiserhof? Oder hat er alles nur erfunden? Stimmen seine Beschreibungen mit der Wirklichkeit überein?

Von der Türkei nach Teheran
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Ein Bergarbeiter vor seiner Oltu-Stein (schwarzer Bernstein) Mine.
Bradley ist in den verschneiten Bergen Anatoliens unterwegs, mitten im Winter, wie einst Marco Polo vor 750 Jahren. Damals gehörte die Ost-Türkei zu Großarmenien. Bradley sucht den schwarzen Edelstein der Region, den Oltu Tasch, den Dörfler gefahrvoll aus selbst gehauenen Minen schürfen. Juwelen waren klein und leicht transportierbar, zugleich wertvoll. Marco Polo schreibt begeistert darüber. Bradley passiert den Berg Ararat, auf dessen Gipfel Marco Polo die Arche Noah vermutete. Dann kommt er in den Westen des Irans nach Täbris. Schon ein Visum für den Gottesstaat zu bekommen war nicht einfach. "Täbris ist eine noble Stadt. Die Menschen weben wertvolle Stoffe und die Händler machen große Gewinne", schrieb Marco Polo. Bradley reist weiter in das Elburs Gebirge, auf der Suche nach den "Assassinen", der al-Qaida des 13. Jahrhunderts. Marco Polo beschreibt die ersten Selbstmordattentäter der Geschichte: eine Story über Sex, Drogen und Gewaltverbrechen.
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14.50 Uhr

Durch Iran und Afghanistan
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Die Altstadt von Yazd, ganz aus Lehm gebaut
Im berühmten Reisebericht des Venezianers hat Bradley über Feueranbeter gelesen. Doch in der alten Lehmstadt Yazd, einst Zentrum des Zoroastrismus, findet er nur sehr wenige Gläubige dieser ältesten monotheistischen Religion der Welt. Im Islamischen Gottesstaat leben sie an den Rand gedrängt. Weiter geht es an den Persischen Golf, von wo aus der Venezianer per Schiff weiter reisen wollte. In alten Häfen sucht Bradley nach arabischen Küstenseglern. Er will herausfinden, warum der Venezianer seinen Plan änderte - und sich für die lange, gefährliche Überland-Route durch die Wüsten und Hochgebirge Asiens entschied. Auch Bradley quert wie einst Marco Polo die Dasht-e Lut, die größte der iranischen Wüsten, und erreicht Afghanistan. In Herat trifft er eine junge Frau, die sich für die Straßenkinder der Stadt einsetzt und nichts mehr fürchtet als die Rückkehr der Taliban.
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15.30 Uhr

Von Tadschikistan nach China
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Die Wüsten Nordwestchinas liegen hinter ihm: Bradley Mayhew am Mondsichelsee, Oase Dunhuang
Die Spur Marco Polos führt ins Pamir-Gebirge der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan. Im Wakhan Korridor findet Bradley alte Wegmarken der südlichen Seidenstraße. Die Gegend ist menschenleer, wild. In seinem berühmten Reisebericht beschrieb Marco Polo die Landschaft sehr genau: kalt, windig, ohne Vegetation. Der erste Stopp in China ist die alte Oasen- und Marktstadt Kaschgar. Hier lebt das Volk der Uiguren, die Marco Polo als große Händler rühmt, und die heute als Minderheit an den Rand der chinesischen Gesellschaft gedrängt sind. Bradley durchquert die riesige Wüste Taklamakan und erreicht die Oase Khotan, ein altes Zentrum des Seiden- und Jadehandels. Die Zeiten, als man Jade bei Mondschein mit bloßen Füßen im Bett des Drachenflusses ertastete, sind indes vorbei. Heute geht Jadesuchen auf chinesische Art anders: mit dem Bagger. Nach langer Wüstenfahrt erreicht der Brite schließlich die Grenze zum chinesischen Herzland, die Große Mauer.
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16.15 Uhr

Durch das Reich der Mitte
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Das Pferdehuf-Kloster nahe der Stadt Zhangye, Gansu Korridor, China
Drei Jahre lang waren Marco Polo, sein Vater und Onkel unterwegs im 13. Jahrhundert, bis zum Hof des Kaisers von China. 750 Jahre nach den Polos erreicht Bradley die Festung Jiayuguan, eine monumentale Landmarke an der Seidenstraße. Hier beginnt Bradleys letzte Etappe. Er passiert die Oase Zhangye, wo der venezianische Händler über den Buddhismus schrieb. In der Millionenstadt Lanzhou zeigt sich China auf dem Sprung zur Supermacht - ähnlich wie im 13. Jahrhundert, als Marco Polo reiste. Bradley reist weiter in die Innere Mongolei, nach Xanadu. Im legendären Sommerpalast traf der junge Marco Polo erstmals auf den Mongolenkaiser Kublai Khan, der Gefallen fand an den Polos.

Manche Historiker indes zweifeln, ob Marco Polo je bis China kam. Doch viele Orte beschreibt er akkurat. Kanbaliq etwa, das heutige Peking, damals wie heute das Herz des Riesenreiches, das Bradley nach einer Reise von 8.000 Kilometern erreicht. Eine Fahrt noch auf dem Kaiserkanal bis nach Hangzhou. Zu Marco Polos Zeiten war dies die größte Stadt der Welt. Sie hat den Venezianer völlig fasziniert. Bradley ist sicher, dass der Venezianer trotz mancher Übertreibung und Ungereimtheiten seine legendäre Reise tatsächlich unternommen hat.
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17.00 Uhr