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Mittwoch, 24. Juni
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Frauen in Kenia -> sehen Sie den ganzen Film
Hunger
Die schlimmste Tragödie unserer Tage ist der Hunger und seine dramatischen Folgen. Jeder sechste Mensch weltweit ist unterernährt. Hunger gibt es von Haiti, wo die mittellosen Bauern mit den Zauberworten Freihandelspolitik und Strukturanpassung gelockt wurden, bis nach Kenia, wo die Menschen wegen riesiger Blumenplantagen einen unbezahlbaren Preis für Wasser entrichten sollen.
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In der nord-mauretanischen Stadt Nouadhibou holen sich afrikanische Einwanderer illegal Tausende von geschützten Fischen aus dem Meer und trocknen sie in der Sonne.
In 29 Ländern der Welt ist die Hungersituation "sehr ernst" oder "gravierend". Das belegt der Welthunger-Index (WHI) 2010. Der Wert ist zwar weltweit um fast ein Viertel, von 19,8 auf 15,1 Prozent gesunken. Trotzdem bleibt die Situation "besorgniserregend". Der WHI dokumentiert die Entwicklung des Hungers weltweit und auf Länderebene. Er wird vom Internationalen Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik, von Concern Worldwide und der Welthungerhilfe herausgegeben. Im Jahr 2009 verzeichnete der Index über eine Milliarde unterernährte Menschen. Das ist etwa jeder sechste Mensch auf der Welt. Fast die Hälfte davon sind Kinder unter fünf Jahren.

Täglich verhungern 25.000 Menschen. Gentechnisch verändertes Saatgut soll helfen, dieses Elend zu bekämpfen - auch in Indien. Die Wissenschaftlerin Suman Sahai bezweifelt den Erfolg dieses Weges. Denn die alten angepassten Reissorten werden immer mehr von Hochertragssorten internationaler Konzerne verdrängt. Sahai hat die Organisation "Gene Campaign" aufgebaut, um das alte, über Generationen zusammengetragene Wissen indischer Bauern über Reis zu bewahren.


Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage
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Bhandra, Indien: Bäuerin mit Ernte
Mit verantwortlich für die zunehmende Umweltzerstörung und den daraus resultierenden Nahrungsmangel ist der weltweite Fleischkonsum. Je größer die Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten, desto mehr Regenwald wird gerodet. Denn um den tierischen Hunger zu stillen, wird vor allem Soja angebaut. Die Sojapflanzen benötigen viel Anbaufläche. Um neuen Platz zu schaffen, werden große Teile des Regenwaldes gerodet. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay führt der Sojaanbau überdies nicht nur zur Zerstörung wertvoller Wälder, sondern auch zu Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen und zur Vertreibung von Urvölkern.

Konzerne eignen sich unrechtmäßig große Landstriche an, wodurch Kleinbauern ihre Lebensgrundlage verlieren. Wie wenig die Landbevölkerung am großflächigen Sojaanbau beteiligt ist, zeigt die Tatsache, dass in Brasilien 46 Prozent des Landes im Besitz von lediglich einem Prozent der Bevölkerung sind. Der Großteil des Sojas wird als Futtermittel ins Ausland verkauft. Allein 3,3 Millionen der insgesamt 6,8 Millionen Tonnen Soja, die 2008 nach Deutschland importiert wurden, stammen aus Brasilien.


Nahrungsmittel landen im Futtertrog
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Getreidesilos in Brasilien
Viele Menschen in den Erzeugerländern leiden daher Hunger. Für sie ist das Essen knapp, da in ihrem Land angebaute Nahrungsmittel in die Industrieländer exportiert werden, um dort in den Futtertrögen der Tiere zu landen. Ein zweifelhafter Luxus, denn um ein Kilo Fleisch zu produzieren, werden beispielsweise bis zu 16 Kilo Futtermittel verwendet. Auf der hierfür benötigten Ackerfläche ließen sich stattdessen auch 160 Kilogramm Kartoffeln ernten.

In fünf Ländern, oft jenseits der Grenzen von Zivilisation und menschenwürdiger Existenz, stellt der Dokumentarfilm "Hunger" von Marcus Vetter und Karin Steinberger die Frage, warum bisher viele Konzepte von Entwicklungspolitik versagt haben. Konsequent sucht er nach Ansätzen, wie sich die Entwicklungsländer aus der Umklammerung der sogenannten ersten - der reichen Welt - lösen können.

Der Filmemacher Marcus Vetter hat für seine Dokumentationen bereits zahlreiche Preise erhalten, unter anderem den Deutschen Fernsehpreis und den Grimmepreis. Autorin Karin Steinberger arbeitet für die "Süddeutsche Zeitung" und wurde für ihre Reportagen mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Medienpreis für Menschenrechte.


Sendedaten
Sonntag, 2. Oktober 2011, 21.45 Uhr
Credits
Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Karin Steinberger
Deutschland 2009, 89 Minuten
Redaktion: Gudrun Hanke-El Ghomri und Peter Latzel
Link
Umfangreiches Online-Special zur Dokumentation bei SWR.de
Sendung zum Thema
Hunger in Ostafrika
11 Millionen Menschen sind am Horn von Afrika von einer verheerenden Dürre betroffen. In manchen Gebieten sind bereits drei von zehn Kindern massiv unterernährt. Viele werden ohne Hilfe von außen die kommenden Wochen nicht überleben.
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