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Mittwoch, 24. Juni
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Ein im April 2004 über den Fernsehsender CBS verbreitete Foto eines irakischen Kriegsgefangenen im Gefängnis von Abu-Ghraib im Irak.
Folterexperten
Die geheimen Methoden des CIA
Im Mai 2004 gelangten Berichte und Fotos in die internationalen Medien, die belegen, dass US-amerikanische Militär- und Geheimdienstmitarbeiter Gefangene im Abu-Ghraib-Gefängnis nahe Bagdad gefoltert hatten. Handelte es sich um Gewaltexzesse einzelner Aufseher oder doch um angeordnete und systematische Verhörmethoden?
Übergriffe Einzelner oder übliche Prozedur?
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Bilder von nackten und gefesselten Gefangenen aus Abu-Ghraib - in demütigenden sexuellen Posen.
Eine Welle der Empörung brach los, als Bilder von nackten arabischen Gefangenen bekannt wurden, die in entwürdigenden Stellungen aneinander gekettet verharren mussten oder aufeinander gestapelt zu sehen waren. Die damalige amerikanische Regierung wiegelte ab: Es handele sich hier um Übergriffe einzelner Soldaten und dies sei nicht im Auftrag oder mit Duldung der US-Behörden geschehen. Stimmt dies? Oder sind brutale Verhöre bis hin zur Folter mittlerweile ein fester Bestandteil des Kriegs gegen den Terror?

Psychische Folter effektiver als Schläge
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Der Historiker Alfred McCoy im Gespräch mit Autor Egmont R. Koch
Professor Alfred McCoy, Historiker an der Universität von Wisconsin, beschäftigt sich schon des Längeren mit Folterpraktiken. Er stellte 2004 die Behauptung auf, dass die Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis keineswegs nur Schnappschüsse banaler Brutalität oder Disziplinlosigkeit seien, sondern dass es sich um vom CIA erforschte Foltermethoden handele. In der Tat gab es in den Geheimdiensten der USA Forscher, die Untersuchungen über die effektivsten Verhörmethoden anstellten. Von 1950 bis 1983 führte die CIA geheime Projekte durch, die in Spitzenzeiten bis zu einer Milliarde US-Dollar pro Jahr gekostet hatten. Dabei wurden Versuche mit Isolationstanks, halluzinogenen Drogen, Schlägen, Elektroschocks und Gefühlsentzug durchgeführt. Das Ergebnis wurde in zwei Handbüchern den Militärs zur Verfügung gestellt: Reine Gewalt, Schläge und Elektroschocks sind nicht so effektiv wie psychische Folter, denn physische Gewalt mache viele Menschen entschlossener, nichts preiszugeben.

"no touch"-Folter - neue Verhörmethoden
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Seit dem Kalten Krieg experimentierte der CIA mit sogenannten Wahrheitsdrogen.
Doch die Androhung von Gewalt, Schlafentzug, Isolation und Orientierungslosigkeit seien besonders effektiv. Es komme auf den Einzelfall an. Man müsse herausbekommen, wovor sich ein Mensch fürchtet und ihm genau dieses glaubhaft androhen. Auch die "Schamfolter" fällt unter die beschriebenen psychischen "Verhörmethoden". Die vollkommen entkleideten Menschen werden gedemütigt und erniedrigt. Folter mit kaltem Wasser und durch langes Stehen sind in den Papieren der CIA ebenso beschrieben. Langes stehen oder das lange verharren in unbequemen Positionen führe zu extremen Schmerzen, steht in den Handbüchern. Die Schmerzen würde der gefolterte nicht wie bei Schlägen auf eine andere Quelle zurückführen, und ihn nicht abstumpfen lassen.

Suche nach den Wurzeln führt nach Deutschland
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Der Egmont R. Koch (re.) im Gespräch mit Prof. Alfred McCoy.
Einige Täter der Misshandlungen in amerikanischen Kriegsgefängnissen sind inzwischen verurteilt. Die US-Militärgerichtsbarkeit hat in den Verfahren jede Mitwirkung ranghoher Militärs verneint, obwohl die Angeklagten öfters behauptet hatten, sie handelten auf Anweisung. Doch Nachweisen konnte das keiner, in der US Armee werden solche Befehle nicht schriftlich gegeben.

Trotzt der Nichtverfolgung dieser Spuren scheint es sich keineswegs, wie die amerikanische Regierung behauptet, um perverse Entgleisungen Einzelner zu handeln - sondern um seit Jahrzehnten bewährte Foltermethoden der CIA. Die Suche nach den Wurzeln der geheimen Foltermethoden des US-Geheimdienstes führt weiter zurück in die Vergangenheit. Anfang der 1950er-Jahre wurden einige Techniken von der CIA unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einer Villa in Kronberg bei Frankfurt erprobt. Dabei wurde der Tod von Versuchspersonen, vornehmlich Überläufern aus dem Ostblock, wissentlich in Kauf genommen. Lernte die CIA ihre Foltertechniken sogar von SS-Schergen und KZ-Ärzten?


Recherchen fördern Erschreckendes zu Tage
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"Villa Schuster" in Kronberg - heute bekannt unter dem Namen "Haus Waldhof"
Der angesehene Dokumentarfilmer Egmont R. Koch geht der Spur dieser inhumanen Techniken nach und analysiert die ehemals geheimen Handbücher der CIA. Eines davon wurde im Jahre 1963, nach systematischen wissenschaftlichen Forschungen, erstellt und dann u. a. südamerikanischen Militärdiktaturen zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Krieges gegen den Terror grub die CIA das Handbuch offenbar wieder aus, um es den Verhörtrupps in Guantanamo und Abu Ghraib zur Verfügung zu stellen. Bei seinen Recherchen stieß der Autor Egmont R. Koch auf schockierende Videoclips, die amerikanische Soldaten und CIA-Agenten im Gefängnis Abu Ghraib beim Quälen irakischer Opfer aufgenommen hatten. Sie werden in diesem Film erstmals gezeigt. Koch spürt auch ein "Folterhaus" im Taunus auf, (Villa Schuster), und stößt dabei auf eine neue Spur, die ihn noch weiter zurück in die Geschichte führt: ins Konzentrationslager Dachau.

Sendedaten
Donnerstag, 12. Mai 2011, 20.15 Uhr
Kulturzeit
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Wikileaks-Enthüllungen zu Guantanamo
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