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Mittwoch, 24. Juni
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Kriegswirtschaft: Einkauf mit Lebensmittelkarten auf einem Markt während der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Der Führer trank keinen Muckefuck
Hitlers Kampf um Autarkie
Das Dritte Reich rüstete auf, mobilisierte die gesamte Bevölkerung, wurde in wenigen Jahren zur stärksten Macht Europas. Doch es gab eine Schwachstelle: Deutschland war abhängig von Rohstoffen aus dem Ausland. Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg veranlassten Hitler, die NS-Wirtschaftspolitik auf Autarkie, "Blockadesicherheit" im Bereich der Roh- und Wertstoffversorgung auszurichten.
Schon unmittelbar nach der Machtübernahme begann Hitler damit, Deutschland aufzurüsten: Betrugen die Rüstungsinvestitionen 1933 weniger als ein Prozent am Volkseinkommen, waren es zwei Jahre später bereits zehn Prozent. 1934 machten Militärausgaben bereits über 50 Prozent aller Staatsausgaben aus. Kein anderer Staat hat je eine so dramatische Umschichtung des Sozialprodukts in Friedenszeiten vorgenommen.

Wirtschaft wurde auf Krieg getrimmt
Das Regime begann früh, die Voraussetzungen für einen gewaltigen Krieg zu schaffen. Doch die deutsche Wirtschaft war abhängig von Rohstoffen aus dem Ausland. Für die geplanten Feldzüge war dies ein Damoklesschwert. Deshalb befahl Hitler früh die Suche nach Alternativen für die knappen Rohstoffe. "Heimstoffe", gewonnen aus dem heimischen Boden, sollten dieses kriegswichtige Problem lösen.

Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg veranlassten Hitler, die NS-Wirtschaftspolitik auf Autarkie, "Blockadesicherheit" im Bereich der Roh- und Wertstoffversorgung auszurichten. Im Deutschen "Großwirtschaftsraum" sollte die Ernährung ohne Importe gewährleistet sein. Durch Kunstdüngereinsatz und Mechanisierung steigt der Grad der Selbstversorgung von 68 (1928) auf 83 Prozent (1938/39). Unabdingbar für solche Umwälzungen war eine reibungslos funktionierende chemische Industrie, die eine besondere Verflechtung mit dem verbrecherischen Regime einging.


Öl aus Kohle, Kaffee aus Getreide
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Metall für die Rüstung im Dritten Reich: Beschlagnahmte Glocken im Hamburger Hafen
Für die Rüstungsproduktion waren Metalle von entscheidender Bedeutung, für einen späteren Krieg die Treibstoffversorgung. Kohle in Öl zu verwandeln, bereitete Ingenieuren und Technikern keine Probleme. Das Verfahren der Hochdruckhydrierung wurde bereits 1913 entdeckt. Rund zehn Jahre darauf wurde die so genannte Fischer- Tropsch-Synthese entdeckt. Beide Verfahren nutzten die um Autarkie bemühten Nationalsozialisten großtechnisch. Während des Weltkrieges wurden jährlich 5,7 Mio. Tonnen Kohle zu Treibstoff verflüssigt.

Mit der Eroberung von Norwegen im April 1940 wurde die Eisenerz-Versorgung der deutschen Rüstungsindustrie gesichert. Und auch der deutsche Angriff auf Russland begann nicht nur mit dem Ziel, "Lebensraum" zu erobern, sondern auch Rohstoffe zu sichern, die dann in der Auseinandersetzung mit England gebraucht würden.

Aber auch an das Wohlergehen des Volkes wurde gedacht: Da die Kolonien verloren waren, sollten Ersatzstoffe den exotischen Kaffee- oder Kakaogenuss liefern. Der berühmt-berüchtigte "Muckefuck" blieb vielen Deutschen noch lange nach Kriegsende in Erinnerung.

Dennoch konnte Hitler das wirtschaftliche und militärische Kräfteverhältnis in Europa nicht grundlegend ändern. Die deutsche Volkswirtschaft erwies sich als nicht stark genug, um die militärische Macht aufzubauen, die nötig gewesen wäre, um sämtliche europäische Nachbarn zu überwältigen. Der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze hat 2006 in seinem Buch "Ökonomie der Zerstörung" die These aufgestellt, dass die Deutschen bereits 1939 den ökonomischen Kampf verloren hatten. Das Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens und Frankreichs überstieg zu diesem Zeitpunkt das von Deutschland und Italien um 60 Prozent. Mit dem Kriegseintritt der USA hatte Deutschland die mächtigste und flexibelste Ökonomie gegen sich und die Niederlage war nur noch eine Frage der Zeit. Sehen Sie am Sonntag, 25. August 2013, 16.00 Uhr einen Film von Peter Prestel und Rudolf Sporrer über die Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches.


Literaturhinweis:
Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. Siedler Verlag, München 2007. 927 Seiten, 44,00 Euro.

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Sonntag, 25. August 2013, 16.00 Uhr
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