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Mittwoch, 24. Juni
© BR, Marcus Gruber Lupe
Der Schein trügt: Was ist dieser Geldschein Wert? Im schlimmsten Fall gar nichts! (Uwe Volkert als Bankangestellter)
Der Schein trügt
Wenn wir einen Geldschein in die Hand nehmen, eine Überweisung veranlassen oder Zinsen zahlen, glauben wir, wir wüssten, womit wir es zu tun haben: mit Geld. Aber der Schein trügt. Nur zwei Prozent der Billionen Dollar, die die Finanzmärkte täglich virtuell um den Erdball pumpen, werden zum Austausch von Waren oder Dienstleistungen benutzt.
Eine Forschungsreise in die Welt des Geldes
© BR, Marcus Gruber Lupe
Wer baut die höchsten Türme? Kirche und Finanzbranche haben mehr gemein, als ihnen lieb ist. Es geht um den rechten Glauben.
Wozu der Rest dient, dringt kaum ins öffentliche Bewusstsein. Woher kommen die Milliarden, fragen wir uns, wenn wir von immer unvorstellbareren staatlichen Stützungskrediten für Banken und Industriekonzerne hören. Während die kleinen Leute mit Zins und Zinseszins ihre Kredite abstottern und Angst haben, ihr Geld könnte plötzlich nichts mehr wert sein, pokern die Reichen und Mächtigen weiter um Milliardenbeträge, von denen keiner sagen kann, wodurch sie gedeckt sind.

Der mehrfache Grimme-Preisträger Claus Strigel nimmt den Zuschauer mit auf eine Forschungsreise in die Welt des Geldes und lüftet seine Geheimnisse. Die folgenreichste Erfindung der Menschheit erweist sich als ebenso genial wie zerstörerisch. Ob Kartoffeln, Häuser, Waffen, Sex oder Krankenpflege: Für Geld kann man alles kaufen - außer Verantwortungsbewusstsein und Liebe. Der Finanzexperte, Währungshändler und Geldforscher Prof. Bernard Lietaer erzählt, wie mit der Einführung von Geld der Jahrtausende alte Gemeinschaftssinn einer afrikanischen Stammesgesellschaft zerstört wurde. Was weder Kriege noch Religionen oder kulturelle Einflüsse vermochten, Geld hat es in weniger als zehn Jahren geschafft.


Schuld, Glaube, Erlös: Heilsversprechen Geld
Lupe
Paul Singer ist Staatssekretär für solidarische Ökonomie in Brasilien. Dort werden alternative Bankprojekte unterstützt.
Wenn wir über unseren Umgang mit Geld nachdenken, bewahrheitet sich der Satz, dass der Glaube Berge versetzt. Betrachten wir die Sprache des Geldes genauer, so fallen die religiösen Bedeutungen auf: Schuld und Schuldner, Glaube und Gläubiger, Credo und Kredit, Erlösung und Erlös. Der GeldSCHEIN ist ein Zaubermittel, das ohne unseren Glauben keinerlei Wert hat. Verliert der Gläubiger den Glauben an den Schuldner, so verliert dessen Schuldschein seinen Wert. Wenn in der Krise alle Sparer ihr Geld abheben wollen, zeigt sich, dass die Banken das Geld nicht haben. Sie brechen zusammen und mit ihnen der Markt.

Während der Geld-Guru Bodo Schäfer einer andächtigen Gemeinde verspricht, es sei jedem möglich, in sieben Jahren die erste Million zu machen, wenn man nur die "richtige" Einstellung zum Geld habe, bereitet sich Peter Spannbauer auf den Notfall vor. "Gold und Silber kann man nicht essen", lautet seine Erkenntnis. "Wenn der Glaube an unser Geld ausreichend erschüttert ist, werden die Geschäfte in kürzester Zeit leer sein. Dann hilft nur noch der Katastrophenrucksack", glaubt er.


Vierzig Parallelwährungen gibt es in Brasilien
Lupe
Prof. Bernard Lietaer war Notenbanker, Währungsspekulant, Regierungsberater. Heute ist er einer der härtesten Kritiker des Geldmonopols.
Der Geldforscher Lietaer vertritt die These, dass mit dem globalen, monopolistischen Geldsystem allein die heutigen Probleme der Menschheit nicht mehr gelöst werden können: Die Bekämpfung von Armut und Hunger, der Klimaschutz, Gesundheits- und Sozialdienste brauchen ergänzende Tauschsysteme, eigene Währungen. Wie hilfreich solche Ersatzwährungen sein können, zeigt der Film anhand eindrucksvoller Beispiele aus Tirol, der Schweiz und Brasilien. In einem Armenviertel am Rande der Stadt Fortaleza haben die Bürger ihre eigene Währung eingeführt, den Palmas. Binnen kurzem blühten Handwerk und Handel auf. Vierzig solcher Parallelwährungen gibt es inzwischen in Brasilien, und es werden täglich mehr. Der brasilianische Staatssekretär für "Solidarische Ökonomie" Paul Singer sieht in diesen ergänzenden Währungen eine große Chance: "Die Macht des Geldes über die Menschheit wird abgelöst von der Macht der Menschen über das Geld."

Sendedaten
Sonntag, 20. März 2011, 21.00 Uhr
Schwerpunkt
Sein oder HabenThemenwoche zur Zukunft des Kapitalismus
Thementag
Der Preis des Geldes - Samstag, 3. Oktober 2009
Hintergrund
Claus Strigel über seinen Film "Der Schein trügt"
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