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Mittwoch, 24. Juni
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Der Priester Padiamenope ließ sich im 7. Jh v. Chr. einen riesigen Grabtempel bauen. Sehen Sie die ganze Sendung als Video
Ägypten - Das Rätsel um Grab 33
Das legendäre Tal der Könige, die Totenstadt der Pharaonen, hält trotz unzähligen Ausgrabungen noch immer Überraschungen parat. In Theben West, unter der Grabnummer TT 33, verbirgt sich in ein Rätsel der besonderen Art. Sein Erbauer hieß Padiaménopé und lebte in der Saitenzeit, der 26. Dynastie, 7. Jahrhundert v. Chr. Obwohl er nur ein kleiner Beamter seines Pharaos war, hat er eines der prächtigsten und größten Gräber in ganz West-Theben erhalten. Warum nur, fragten sich lange Zeit die Ägyptologen.
Padiaménopé lebte in schlechten Zeiten: Seit der 21. Dynastie (um 1075 v.Chr.) ging es mit dem Reich stetig bergab. Um ca. 700 v.Chr. geschah sogar das Unvorstellbare - die ärgsten Feinde der Ägypter, die dunkelhäutigen Nubier aus Afrika, übernahmen die Kontrolle in Ägypten. Nach den Nubiern eroberten die Assyrer aus dem heutigen Iran das altehrwürdige Ägypten. Die Bevölkerung war zu dieser Zeit verarmt und der Pharao musste sich innerer und äußerer Feinde erwehren. Er hatte keine Zeit und keine Mittel, im großen Stil zu bauen. Die absolut einmaligen baulichen Leistungen, wie die Großen Pyramiden oder die Tempelanlagen in Luxor, die zur Blüte der ägyptischen Kultur im Alten und Neuen Reich entstanden, lagen schon lange zurück. Um so erstaunlicher ist das rätselhafte Grab TT 33.

Je größer das Grab, desto wichtiger der Pharao?
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Gestank von Millionen Fledermäusen macht Atemschutz nötig
Padiaménopés Grab ist annähernd das größte und prächtigste in der gesamten Nekropole West-Thebens, nur wenige hundert Meter vom weltberühmten Tal der Könige entfernt. 22 Räume, über hundert Meter lange Gänge, drei Stockwerke, verbunden über gefährliche Schächte, bis zu 20 Meter unter der Erdoberfläche - das sind seine gigantischen Ausmaße. Obwohl es größer ist als die letzte Ruhestätte der mächtigsten Pharaonen, gehörte es einem einfachen Staatsdiener: Padiaménopé - "Prophet" und "1. Vorleser" des Pharaos Psammetich I. Wer war der Bestattete, der sich als einfacher Beamter einen derart außergewöhnlichen Grabpalast errichten durfte? Normalerweise steht die Größe des Grabs eines Pharaos in Verbindung mit dessen Reichtum und Einfluss.

War der Bau vielleicht mehr als eine letzte Ruhestätte?
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Annie Schweitzer und Claude Traunecker betreten das Grab 33
Das Grab Nr. 33 war schon lange bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es von dem Ägyptologen Johannes Dümichen aus Straßburg erstmals erforscht. Der Elsässer hatte in der rätselhaften Totenstätte seine Passion gefunden. In sieben Bänden wollte er sie beschreiben - sein Hauptwerk. Doch er starb, kurz bevor der dritte Band erschienen war. Nach Dümichen wurde die Anlage nie wieder systematisch untersucht. Vor etwa 100 Jahren versperrte die ägyptische Antikenbehörde den Zugang schließlich mit einer Mauer und Grab 33 fiel in einen Dornröschenschlaf. Erst vor kurzem durften Wissenschaftler aus Straßburg, unter ihnen Prof. Traunecker, die Anlage wieder öffnen. Sie entdeckten verborgene Kammern und bisher fehlende Fragmente wichtiger liturgischer Schriften der alten Ägypter.

Eine Bibliothek für die Nachwelt?
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Faszinierender Totenkult
Doch den Forschern brannte vor allem die Frage unter den Nägeln: Warum wurde dieser Aufwand für jemanden betrieben, der kein Pharao war? Was haben die unzähligen Hieroglyphen und Zeichnungen, die das Grab wie kaum ein anderes schmücken, zu bedeuten? Prof. Traunecker hat eine einfache Erklärung: Die Grabanlage soll der Nachwelt das damalige Wissen um die ägyptische Totenliteratur überliefern. So wurden wichtige Teile aus dem sagenumwobenen Totenbuch hier festgehalten. Das Totenbuch ist eine geheime Sammlung von liturgischen Texten und Anweisungen, mit denen der Verstorbene ein Leben nach dem Tod zu erlangen sollte. Sie erklären, wie der Tote Nahrung zu sich nehmen sollte und wie er seinen Göttern gegenüber auftreten darf. Im alten Ägypten, das erzählen die Hieroglyphen an den Wänden der vielen Grabkammern auch, war der Tod ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens und die Vorstellungen, was Sterben bedeutet, wichen erheblich von den heutigen ab.

Die Dokumentation von Thomas Weidenbach begleitet den Ägyptologen Claude Traunecker und sein Team von der Straßburger Marc-Bloch-Universität bei ihren Ausgrabungen in Grab 33.


Sendedaten
Sonntag, 16. März 2014, 23.45 Uhr
Thementag
Tatort Pyramide
Versunkene Kulturen und ihre Geheimnisse

Sonntag, 16. März 2014, ab 6.40 Uhr

Hintergrund:
Ägypten entdecken
"Alles fürchtet sich vor der Zeit, aber die Zeit fürchtet sich vor den Pyramiden," heißt es in einem ägyptischen Sprichwort...
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