Film über ein einzigartiges Feuchtbiotop inmitten Südamerikas
Abendstimmung im Pantanal (portugiesisch für Sumpf)
Cowboytreck mit nassen Füßen
Durch Brasiliens Pantanal
Das Pantanal ist der größte Schwamm der Erde. Er saugt unglaubliche Mengen an Wasser auf und gibt sie nach und nach, fein dossiert, wieder ab. Das Pantanal ist ein einzigartiges Feuchtbiotop inmitten Südamerikas. Alljährlich in der Regenzeit von November bis März sammelt sich in seinen Tiefebenen das Regenwasser.
Der größte Schwamm der Erde: das Pantanal
Das Tiefland inmitten Südamerikas weist nur ein geringes Gefälle von drei Zentimetern auf einem Kilometer auf. So staut sich das Wasser und schiebt sich in den Monaten April und Mai nach Süden. Der einzige Abfluss ist der Rio Paraguay, wo die Wassermassen in der Trockenzeit im Juli und August allmählich abfließen. Das Pantanal ist der größte Süßwassersumpf der Erde. Vier Fünftel des Landes sind am Ende der Regenzeit überschwemmt. Unglaubliche 700 Vogelarten, mehr als in den USA und Kanada zusammen, leben hier. Außerdem sind mindestens 260 Fischarten, Kaimane, Schlangen, Hyazinth-Aras und sogar Rotwild hier beheimatet.
In der Regenzeit wird das Pantanal ein hellgrünes Meer, in dem Waldstücke wie dunkelgrüne Inseln schwimmen, und die Galeriewälder sich wie Bänder entlang der Flüsse ziehen. Unter fast jeder brüchigen Brücke der wenigen Straßen drängen sich die Kaimane. Diese sind kleiner und "friedliebender" als ihre nordamerikanischen Verwandten, die Alligatoren. Ihr Bestand ist mittlerweile wieder auf 10 bis 30 Millionen angewachsen. Wegen ihrer Haut wurden sie in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts stark bejagt. Angesichts der Artenfülle ist es nicht erstaunlich, dass die UNESCO das Pantanal zum Weltnaturerbe erklärte.
Mit Beginn der Trockenzeit setzt das große Sterben ein: Die Piranhas, Anakondas und Kaimane, die sich nicht wieder in die Flüsse zurückgezogen haben, zappeln dann auf dem Land. In der Trockenzeit erinnert die Landschaft an die Savanne Afrikas. Carandá-Palmen reihen sich an einander, Steppengras wuchert, auf Anhöhen stehen Termitenhügel, und die Ipê-Bäume beeindrucken durch ihre strahlend gelben oder purpurnen Blüten. Wären da nicht die Cowboys, die mit ihren Viehherden durch die Sümpfe ziehen, man könnte sich in der Serengeti wähnen.
Die Cowboys sind auf den verstreut liegenden Framen, den Fazendas, zuhause. Die Landwirtschaft war bis vor einiger Zeit noch weniger extensiv. In ungewöhnlicher Harmonie lebten die Nutztiere hier mit einer mehrere Monate lang überfluteten Natur zusammen. Doch der Preisdruck zwingt manche Farmer, mehr Rinder auf gleichem Raum weiden zu lassen. Das fragile Ökosystem wird das auf Dauer nicht vertragen. Manche der Farmer setzen deshalb zunehmend auf sanften Tourismus.
Die südamerikanischen Cowboys sind oft und lange unterwegs: Zu Beginn der Regenzeit müssen die Rinder auf höher gelegenes Gebiet, in die Trockenwälder, getrieben werden. Wenn das Wasser abgelaufen ist, wird das Vieh wieder in die Senken gescheucht. Sollen die Rinder verkauft werden, so geht die Reise meist nach Campo Grande, der Hauptstadt der Region, wo man sie zum Verkauf anbietet. 300 Kilometer weit treiben die Cowboys ihre Rinderherden vor sich her und haben fast nie trockenen Boden unter den Füßen. Das passiert einem Cowboy nur in Brasiliens Nordwesten. Fernab von jeglicher Marlboro-Romantik lieben sie die einzigartige Landschaft des Pantanals, sie lieben ihren Job und sind doch froh, wenn er zu Ende ist.
Die Überweidung ist nicht die einzige Gefahr, die der einzigartigen Natur hier droht. Der Klimawandel scheint auch in diesem Idyll seine Spuren zu hinterlassen. Im Jahr 2006 waren am Ende der Trockenzeit auch die größeren Wasserlöcher ausgetrocknet und sogar der Rio Negro führte kaum noch Wasser. Eine Ursache wird sicherlich auch der - zum Teil illegale - Holzeinschlag im Urwald sein. Wilderei bedroht viele seltene Tiere, vor allem den Jaguar, den König des Pantanal. Er wird, trotz Verbot, immer noch gejagt. Sein wertvolles Fell gelangt über das nahe Bolivien in elegante westliche Boutiquen. Aber auch Papageien und Reptilien müssen sich vor Fallenstellern in Acht nehmen, wollen sie nicht in einem europäischen Wohnzimmer enden. Die brasilianische Regierung hat das Problem erkannt und setzt schwer bewaffnete Polizisten in dem Gebiet ein. Aber auch legale Zuckerrorplantagen und Raffinerien bedrängen die einzigartige Natur immer mehr.
Der Film von Lourdes Picareta, den Sie am Dienstag, 4. Dezember 2012, 15.30 Uhr sehen können, erzählt vom Leben der Cowboys, von den bis zu drei Monaten langen Trecks draußen im Busch, von verendeten Rindern und geretteten Kälbchen, von der Sehnsucht nach ihren Familien in der fernen Stadt, von den Zwängen und der Freiheit eines Leben im Sattel und in der Natur.
Sendedaten
Dienstag, 4. Dezember 2012, 15.30 Uhr