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Mittwoch, 24. Juni
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Nachfahren mexikanischer Azteken führen bei einem Fest traditionelle Tänze vor.
Azteken - Menschenopfer für den Sonnengott
Ohne die Azteken gäbe es das Land Mexiko nicht - zumindest nicht seinen Namen und sein Wappen. Denn das Land ist nach der einstigen Hauptstadt der Azteken, Mexico-Tenochtitlán, dem heutigen Mexiko-Stadt, benannt. Und das Wappen des Landes greift den Gründungsmythos von Tenochtitlán auf. Die Azteken waren die letzte bedeutende Hochkultur Mittelamerikas. In ihrer knapp 200 Jahre währenden Herrschaft gelang ihnen der Aufstieg zum größten Reich im Zentrum des amerikanischen Kontinents.

Aufstieg zum größten Reich Mittelamerikas
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Ausdehnung des Azteken-Reichs Anfang des 16. Jahrhunderts
Der Aufstieg der Azteken begann zunächst wenig spektakulär. Da sie geübte Krieger waren, verdingten sie sich als zunächst Söldner bei anderen Stadtstaaten. Durch ihr diplomatisches Geschick und durch Heiraten knüpften sie strategische Verbindungen zu den benachbarten Städten. Mit dem Bündnis der Städte Tenochtitlán, Texcoco und Tlacopán entstand der sogenannte "Aztekische Dreibund“, wobei Tenochtitlán zur bestimmenden Kraft innerhalb dieser Allianz wurde.

In zahlreichen Eroberungszügen konnte das Herrschaftsgebiet immer weiter ausgedehnt werden. In nicht einmal hundert Jahren schufen die Azteken so das größte präkolumbische Reich Mittelamerikas. Anfang des 16. Jahrhunderts - auf dem Höhepunkt ihrer Macht - kontrollierten sie weite Teile des heutigen Zentralmexikos.


Könige anderer Stämme durften im Amt bleiben
Die Symbole der Mitglieder des aztekischen Dreibundes: Texcoco, Tenochtitlán und Tlacopán (v. l., Zeichnung von 1565)
Das Besondere ihrer Herrschaft war, dass ihr Reich nicht territorial geschlossen war, und sie die innenpolitischen Strukturen der eroberten Gebiete unangetastet ließen. Wie schon von den Inkas in Südamerika praktiziert, ließen sie Könige anderer Stämme im Amt, solange diese die aztekische Oberhoheit anerkannten. Ziel ihrer Expansion war vor allem die wirtschaftliche Nutzung der unterworfenen Gebiete.

Schließlich machte das schnelle Wachstum der Städte die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Handelsgütern immer notwendiger, ganz abgesehen von den Bedürfnissen des Adels an Luxusgütern. Tenochtitlán entwickelte sich zur regelrechten "Boomtown“ und wurde mit mehreren hunderttausend Einwohnern zur größten Stadt in Mittelamerika – und zu einer der größten weltweit.


Das Ende des Aztekischen Reiches
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Platz der drei Kulturen in Mexiko-Stadt mit den Ruinen eines alten Azteken-Tempels (vorne)
Die weitgehende Selbstverwaltung der unterworfenen Gebiete wurde aber zugleich zum Schwachpunkt des Aztekischen Reiches. Die Spanier, die 1519 Zentralmexiko erreichten, sicherten sich geschickt die Unterstützung von Städten, welche die Tributzahlungen leid waren und die Herrschaft der Azteken gerne abschütteln wollten. Den Spaniern nutzte ihre überlegene Waffentechnik, überdies kam ihnen noch unfreiwillig eine von ihnen eingeschleppte Pockenepidemie zu Hilfe, die zahlreiche Azteken dahinraffte. So schafften sie es innerhalb von nur zwei Jahren, das knapp 200 Jahre währende Aztekenreich zu zerschlagen.

Ruinen wurden zum Grundstein von Mexiko-Stadt
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Wappen der heutigen mexikanischen Nationalflagge
Auf den Trümmern von Tenochtitlán entstand bald darauf eine neue Siedlung, die 1535 in Mexiko-Stadt umbenannt wurde. Aus den Überresten der zerstörten Gebäude errichteten die Spanier – mit zwangsweiser Unterstützung der einheimischen Bevölkerung – neue Wohnhäuser, Kirchen und einen Palast für den Herrscher des neugegründeten Vizekönigreichs Neuspanien.

In den Jahrzehnten nach der Eroberung starb ein Großteil der mexikanischen Urbevölkerung an eingeschleppten Krankheiten, und die meisten der übrig gebliebenen mischten sich im Laufe der Zeit mit den Neubürgern. Dennoch haben bis heute Teile der aztekischen Kultur überlebt, so zum Beispiel die Sprache der Azteken, Nahuatl, die immer noch gepflegt wird. Und der Adler aus ihrem Gründungsmythos hat Eingang in die mexikanische Nationalflagge gefunden. Das Vermächtnis der Vorfahren wird in der mexikanischen Bevölkerung bis heute sehr hochgehalten.


Grausamer Opferkult für die Götter
Darstellung eines Menschenopfers der Azteken zu Ehren des Sonnengotts (Zeichnung um 1570)
Wie für die meisten mittelamerikanischen Kulturen war auch für die Azteken der Opferkult fester Bestandteil ihrer Religion, doch kaum eine Kultur war dafür so berüchtigt. Es ist allerdings schwierig, objektive Informationen über die Anzahl der tatsächlich geopferten Menschen zu erhalten. Die Berichte der spanischen Missionare und Konquistadoren sind nicht unbedingt glaubwürdig, denn diese haben vermutlich die Zahlen übertrieben, um ihre eigenen Taten zu rechtfertigen. Auch die Azteken selbst neigten dahingehend zu Übertreibungen.

Während extreme Schätzungen von bis zu 50.000 Menschenopfern pro Jahr ausgehen, wird von anderen Wissenschaftlern ein Zahl von 500 bis 1.000 für wesentlich realistischer gehalten. Sicher ist jedoch, dass es solche Opferungen gab, Ausgrabungsfunde belegen dies. Auch dass die Azteken bei Ihren Opferritualen nicht zimperlich waren, scheint erwiesen. Zu den heute am besten bekannten Ritualen gehörte, dass man Opfern bei lebendigem Leibe das Herz herausschnitt, um es – noch zuckend – der Sonne entgegenzuhalten. Dies entsprang dem Glauben, die Sonne würde am nächsten Morgen nicht aufgehen, wenn dem Kriegs- und Sonnengott Huitzilopochtli kein Blutopfer dargebracht würde.


Für jede Gottheit ein anderes Opferritual
Bild eines aztekischen Jaguar-Kriegers aus dem Codex Magliabechiano (Mitte 16. Jh.)
Ein anderes Ritual war das Häuten von Opfern für den Kriegs- und Fruchtbarkeitsgott Xipe Totec. Die Haut wurde anschließend 20 Tage von einem Priester getragen, womit das neue grüne Kleid, das der Frühling der Erde bringt, symbolisiert werden sollte. Die Azteken kannten eine große Zahl verschiedener Götter, und fast jeder Lebensbereich wurde durch mehrere Götter abgedeckt. Dementsprechend vielfältig war auch der Opferkult für die Zufriedenstellung der jeweiligen Götter. Heute kennt man mindestens 13 aztekische Gottheiten, die Menschenopfer forderten.

Eine Besonderheit im Opferkult der Azteken stellten inszenierte Kämpfe mit anderen Völkern, die sogenannten "Blumenkriege“, dar. Da auch andere Staaten Gefangene für ihre Opferzeremonien benötigen, verabredete man ab und an rituelle Kriege, wo die jeweilige Gegenseite dann ausreichend Gelegenheit hatte, "Blumen für die Götter“ (=Gefangene) zu bekommen. Für viele Menschen war die Opferung jedoch eine Ehre, denn ihrem Glauben nach sollten die Geister der Opfer, wie auch die der Krieger, ein Teil der Sonne werden.


Sendedaten
Sonntag, 29. März 2015
Thementag
Rätsel der Vergangenheit
Ein Thementag über die Geheimnisse der Geschichte