

Viele Mythen und Geschichten spielen seit Jahrtausenden an diesem Gewässer, das Europa von Asien trennt. Schon die griechische Mythologie erzählt von dem innig verliebten Paar der Aphroditepriesterin Hero und Leander, der am asiatischen Ufer der Dardanellen lebte. Um Hero zu treffen, schwamm Leander nächtlich durch das Meer auf die andere Seite. Eine Kerze wies ihm den Weg. Doch sie erlosch in einem Sturm, und Leander verirrte sich und ertrank. Als Hero seine Leiche am Ufer fand, stürzte sie sich aus dem Fenster. So erzählt es der römische Dichter Ovid. Es war immer schon kompliziert zwischen Europa und Asien.
Die Halbinsel Gallipoli, das europäische Ufer der Dardanellen, diente auch Alexander dem Großen 334 v. Chr. als Ausgangspunkt für seinen Asienfeldzug. Von hier aus überquerte er mit 30.000 Mann Fußvolk und 5.000 Reitern den "Hellespont", wie diese Meerenge im Altertum hieß. Umgekehrt wurde von den Persern auf der Halbinsel Gallipoli die Eroberung Byzanz' vorbereitet.
16.000 französische Soldaten täuschten eine Scheinlandung vor, um den Feind abzulenken. Nach einem gewaltigen Bombardement durch die Schiffsartillerie betrat eine Division bei Helles die Insel. Zur selben Zeit landeten Soldaten im Norden von Ari Burun. Im Kugelhagel färbte sich das Meerwasser rot. Zahlreiche Verwundete blieben ohne medizinische Versorgung und die Toten unbestattet. Nach über neun Monaten vergeblichen Kampfes zogen sich die Briten aus der Region zurück.
Die Schlacht von Gallipoli zählt zu den verlustreichsten des Ersten Weltkriegs. Auf beide Seiten verloren schätzungsweise 250.000 Mann das Leben, was der Hälfte aller zum Einsatz gekommenen Soldaten entspricht. Dieser Sieg weckte den Nationalstolz der Türken, und er ist auch heute noch zu spüren. Der Kommandant der osmanischen Streitkräfte, ein gewisser Mustafa Kemal Pascha, später Atatürk genannt, erwarb sich hier seinen Ruf als guter General.