Samstag, 14.30 Uhr
Archiv & Vorschau
Juni 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
06
0708
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
Reisewege Polen
15. Juni
Land der edlen Pferde - Ermland und Masuren
Ermland und Masuren galten immer als ideal für die Pferdezucht. In den verschiedenen Zuchtbetrieben spielen auch die Pferde noch eine Rolle, die einst der Inbegriff edler Rassen waren: die Trakehner.
Navigationselement
Archiv
Rückblick
Auch in der Vergangenheit haben wir zahlreiche interessante Ziele in Europa und dem Rest der Welt bereist. Hier finden Sie einen Rückblick auf frühere Sendungen.
Navigationselement
© sr
Namibia: Die Dünen des Sossusvlei zählen zu den höchsten der Welt.
Sandrosen - Mysterien der Wüste
Eigentlich sind Sandrosen kaum mehr als eine dekorative Laune der Natur. In Jahrmillionen haben sich diese bizarr geformten Mineralien an verschiedenen Orten der Erde und unter unterschiedlichen Bedingungen entwickelt. Es gibt kleine Exemplare von wenigen Zentimetern Durchmessern und meterdicke dieser kristallinen Rosetten.
Sandrosen blühen im Verborgenen
Die häufigere Spezies der Sandrosen wird von den Mineralogen als Wüstenrose bezeichnet, weil sie sich in trockenen und heißen Klimagebieten findet, vor allem in Nordafrika, aber auch in anderen Wüstenregionen der Welt. Sandrosen blühen im Verborgenen. Erst nach der Reinigung sind ihre Reize sichtbar. Bei professionellen Steine-Sammlern gelten sie als begehrte Handelsware, werden stück- oder kiloweise in Läden oder im Internet verkauft. Vor allem in Europa, wo Sandrosen eher selten vorkommen, verschweigen deshalb Mineralogen lieber die Fundstellen.

Blüten aus Gips und Sand
Durch Verwitterung entstehen teils bizarre Formen: Bogenfels in Namibia
Für den Fachmann ist die Entstehung der Sandrose ein simpler chemischer Vorgang: Durch die schnell verdunstende Oberflächenfeuchtigkeit in der Wüste wird Grundwasser durch Kapillarkräfte nach oben befördert. Im Wasser gelöste Mineralien, vor allem Sulfate, kristallisieren dabei aus. Sie bilden zusammen mit dem Wüstensand die typischen floralen Strukturen und sorgen für unterschiedliche Farbigkeit der transparenten "Blüten"-Blätter. Die Wüsten-Rosen bestehen hauptsächlich aus Gips (Calciumsulfat) und Sand und sind wasserlöslich. Daneben gibt es eine gegen Wasser resistente, sozusagen ewig haltbare Sandrosensorte, die in Mitteleuropa gedeiht – zum Beispiel in der hessischen Wetterau.

Der Sandrose werden viele Eigenschaften zugeschrieben
Dünenlandschaft des Sossouvlei
Vielleicht liegt es an der vegetabilisch anmutenden Form, dass der Sandrose seltsame Kräfte und Eigenschaften zugeschrieben werden. Bereits die Benediktiner Klosterfrau und Mystikerin Hildegard von Bingen soll im 12. Jahrhundert von der magisch-metaphysischen Heilkraft der Sandrose gewusst und sie zur Gewichtsreduktion empfohlen haben. Einige Gläubige aus dem Lager der Esoteriker und Schamanen behaupten, dass die Anwesenheit von Sandrosen im Raum unmittelbar auf das vegetative Nervensystem wirke, dass sich Ängste und Blockaden lösen und die Energiezentren im Körper positiv stimuliert würden.

Sandrosen-Kristalle werden als sogenannte Heilsteine benutzt und dienen als Meditationshilfe, sie werden bei der Aromatherapie eingesetzt und sollen bei Diäten nützlich sein. Einige Verfechter sehr alternativer Therapieformen gehen davon aus, dass Sandrosen einen besonders starken Einfluss auf die Funktion der Geschlechtsorgane und deren Erkrankungen ausüben, dass selbst Traumata nach sexuellem Missbrauch damit gelindert werden können. Ein betrügerischer Verkäufer wirbt sogar damit, dass große Sandrosen, im Raum aufgestellt, Krebs auch noch im fortgeschrittenen Stadium zu heilen vermögen. Wissenschaftlich beweisbar ist diese absurde Behauptung freilich nicht und die Grenze zur Scharlatanerie ist damit überschritten.

In Nordafrika ist die Wüstenrose bei den einheimischen Frauen durch eine andere Qualität ausgezeichnet – bei Berbern und Tuareg hat sich ihre reinigende Wirkung bewährt. Das mag an der chemischen Zusammensetzung liegen oder allein am mechanischen Reiz, den die Behandlung mit dem scharfkantigen Kristall erzeugt. Mit Sandrosen werden vor allem Schafwolle und deren Produkte gewaschen.


Paradies für Sammler und Hobbyforscher
Savannenlandschaft in Namibia
Südlich des großen Salzsees Schott el Jarid in Tunesien hat ein begeisterter Mineraloge regelrechte Tunnelsysteme durch den Wüstensand gegraben, um an die Sandrosen zu kommen. Auch in der algerischen und libyschen Wüste ist das Schürfen oder Sammeln der kleinen und großen Kristalle eine Art Berufszweig – oft sind es Hobbyforscher, die in touristisch frequentierten Gegenden ihre Dienste erfolgreich anbieten.

In Namibia gilt der Achat-Strand (Agate Beach) als wichtigster Fundort. Er liegt nordöstlich der Stadt Lüderitz, die Ende des 19. Jahrhunderts von einem Bremer Kaufmann erworben wurde - das erste Beutestück von Deutsch-Südwest-Afrika. Das Nature Conservation Büro in Lüderitz organisiert von Rangern begleitete Touren, deren Teilnehmer sich selbst eine Sandrose vor Ort ausbuddeln dürfen.

Folgen Sie uns auf einer Reise zu den "Blumen der Wüste" nach Südtunesien und Namibia. Ingeborg Koch-Haag und ihr Filmteam haben in Südtunesien und Namibia nach Wüstenrosen gesucht und Einheimische befragt, wozu man Wüstenrosen benutzt. Dabei haben sie nicht nur grandiose Landschaften gesehen, sondern auch recht seltsame Dinge erlebt.


Sendedaten
Samstag, 11. August 2012, 14.30 Uhr
Audio-Bildergalerie
Wie der Sand in die Wüste kam (5.30 Min)
Navigation
Links
mehr zum Thema