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Franzobel
Franzobel, so sein Künstlername, ist einer der bekanntesten Schriftsteller Österreichs. "Wortsportler" nennt ihn das Feuilleton, "franzobeln" seine Art zu schreiben. Markus Brock begrüßt ihn als Gast im Weltmuseum Wien.
"Literatur ist Seelenfutter und Kampf zugleich"
© SWR Markus Brock mit Franzobel im Weltmuseum Wien
Markus Brock mit Franzobel im Weltmuseum Wien
Franzobel ist bekannt dafür, Tacheles zu reden – und zu schreiben. Bürgerlich heißt er Franz Stefan Griebl. Seine Karriere begann der Wahl-Wiener als bildender Künstler, bis er Anfang der 1990er Jahre zum Schreiben kam. Als Franzobel sorgt der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und Theaterautor immer wieder für heiter oder wienerisch derb geführte Kontroversen. Literatur ist für ihn zugleich Seelenfutter und Kampf - gegen Verdummung und Ignoranz und "sie hat die Verantwortung, sich einzulassen auf die Welt", sagt Franzobel. Sich auf die Welt einlassen, darum geht es auch in Weltmuseum Wien, das er für den Museums-Check gemeinsam mit Moderator Markus Brock erkundet.

Wo findet Franzobel Inspiration?
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Franzobel
"Die Kultur anderer Völker und Kontinente ist wahnsinnig faszinierend, es öffnet den Horizont", meint Franzobel, der leidenschaftlich gerne in Museen geht. Hier findet er bisweilen auch Inspiration zum Schreiben. Etwa als er im Pariser Louvre Théodore Géricaults berühmtes Gemälde "Das Floß der Medusa" sah, das auf einer wahren dramatischen Begebenheit basiert. "Mich hat diese Geschichte einfach gepackt, die Abgründe des Menschlichen", sagt Franzobel. Er recherchierte und las den original überlieferten Bericht des Schiffsarztes.

"Das Floß der Medusa"
© dpa Franzobel: Das Floß der Medusa
Franzobel: Das Floß der Medusa
Henri Savigny war an Bord, als Anfang des 19. Jahrhunderts ein französisches Segelschiff vor der Westküste Afrikas auf eine Sandbank auflief. Für die 400 Passagiere gab es nicht genug Rettungsboote. 147 Männer und Frauen trieben zwei Wochen lang auf einem Floß durch das Meer. Ein Albtraum und ein Kampf ums Überleben, bei dem zivilisierte Menschen zu Kannibalen wurden. Nur 15 Passagiere überlebten. Unter ihnen der Schiffsarzt, der Tagebuch führte über die schrecklichen Erlebnisse. Franzobel beweist in seinem fesselnden Roman über diesen Skandal der französischen Seefahrt erneut sein barockes Erzähltalent und sein Gespür für üppig ausgemalte Geschichten. Für "Das Floß der Medusa", das 2017 erschien, erhielt er den Bayerischen Buchpreis.

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