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Archiv
Vergangene Sendungen
Von wegen verstaubt, Museen sind heute sinnliche Erlebnisorte für die ganze Familie, ob die Albertina in Wien oder das Jüdische Museum in Berlin. Hier finden Sie alle Infos zu den bislang gesendeten "Museums-Checks", chronologisch sortiert.
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© SWR Lupe
Thomas Bayrle in Kassel
Ausgediente Motoren surren zu meditativen Gebeten. "Ora et labora" von Thomas Bayrle zeitgenössisch interpretiert. Sein Maschinenpark füllt eine ganze Halle - die größte Einzelausstellung eines Künstlers, die es je auf einer documenta gab.
© SWR Lupe
Bayrles Maschinenpark in der dOCUMENTA-Halle
Der feingliedrige Sternmotor, der einst ein tschechisches Flugzeug antrieb, rattert im Gleichklang mit einer Rosenkranzandacht aus dem Kölner Dom. Ein Motor, der betet. "Ora et labora", Meditation und Arbeit wie es Thomas Bayrle in die heutige Gesellschaft übersetzt. Ein Katholik ist er zwar nicht, er hat sich aber theoretisch mit dem Mönchstum beschäftigt. Bayrles Maschinenpark ist eigens für die dOCUMENTA (13) entstanden und füllt das ganze Erdgeschoss der dOCUMENTA-Halle. So viel Platz wurde einem einzelnen Künstler bislang noch nie eingeräumt.

Von Flugzeugen und gotischen Kathedralen
© SWR Lupe
Thomas Bayrles "Flugzeug"
Drei Jahre lang hat Thomas Bayrle gemeinsam mit seinem Bruder nach alten Motoren gesucht und in Kirchen Rosenkränze und Fürbitten in mehreren Sprachen aufgenommen. Und so vereinigt sich ein kleiner Citroën-2CV-Motor auf der dOCUMENTA mit französischen Gebeten. "Das Innere von Motoren ähnelt der Großartigkeit von Kathedralen, weil die absolute Effizienz, die in solch einer Maschine herrscht, ebenso großartig ist wie ein gotisches Kirchenschiff", findet Bayrle. Flankiert werden seine frommen Maschinen von zwei monumentalen Wandarbeiten. Das riesige Papprelief "Carmageddon" (2012) spielt auf ein Computerspiel an mit rasenden tödlichen Feuerkugeln.
Bayrles "Flugzeug" ist schon vor 30 Jahren entstanden. Beim genaueren Hinschauen erkennt man Millionen winziger identischer Flugzeuge, das Kleine formt die Masse. Die serielle Ästhetik ist ein für Bayrle typisches Motiv, für seine Installation „Roter Platz“ (1982/1996) formte er etwa eine überdimensionale Maggi-Flasche aus lauter Maggifläschchen.

Ein Weber wird Kunstprofessor
© SWR Lupe
Thomas Bayrle mit Markus Brock
Seit den sechziger Jahren beschäftigt sich Thomas Bayrle, Jahrgang 1937, mit der Massengesellschaft und den Medien. Er galt als deutscher Vertreter der Pop-Art. Beinahe 30 Jahre, von 1975 bis 2002, lehrte Thomas Bayrle als Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main. Auf der dOCUMENTA in Kassel ist er nun schon zum dritten Mal vertreten. Seine Arbeiten sollen nicht gesellschaftskritisch verstanden werden, wie Bayrle betont. Auch in der Masse gäbe es das individuelle Einzelne. Er will, so sagt er "nicht Kritik üben, sondern nebeneinander stellen". In seiner Wahrnehmung ist die Welt ein dichtes Gewebe. Kein Wunder, denn Bayrle hat vor seinem Kunststudium eine Ausbildung zum Weber gemacht. Das monotone gebetsmühlenartige Rattern der Maschine hat er in der Weberei am eigenen Leib gespürt.