Prominenter Gast
Wolfgang Niedecken
Rockmusiker, Maler, Revoluzzer, Wohltäter. Wolfgang Niedecken, der Frontmann von BAP, ist ein wahres Energiebündel. Was ihn antreibt? Sicher auch seine grenzenlose Neugierde. Auf den Museums-Check bei der dOCUMENTA (13) ist er sehr gespannt.
Anfang der 1970er Jahre studierte der Sohn eines Lebensmittelhändlers an der Fachhochschule Köln Malerei. Nicht gerade zur Freude seiner konservativen Eltern, die mit der "brotlosen Kunst" nicht viel anfangen konnten. Noch während seines Studiums gründete Niedecken zusammen mit Manfred Boecker die Band "BAP". Benannt übrigens nach Niedeckens verstorbenem Vater, für den er später den legendären Song "Verdamp lang her" (1981) schrieb. Mit seinem Bandkollegen Boecker malte er auch zusammen, etwa die Serie "Wunschbilder", für die sie die Wünsche von Freunden und Bekannten auf die Leinwand brachten. Niedeckens "Zuckergussbilder", die Mitte der 70er in fotorealistischer Technik entstanden, wirken wie dreidimensionale Süßigkeiten. Die Werke des malenden Musikers zeigten namhaften Museen, selbst die Bundeskunsthalle in Bonn.
Die erste Platte der Band erschien 1979: "BAP rockt andere kölsche Lieder". Der Kölschrock wurde Kult und BAP die erfolgreichste deutsche Band der 1980er Jahre. Zum Malen blieb Wolfgang Niedecken kaum mehr Zeit. Doch den grafischen Entwurf des Band-Logos ließ Niedecken sich nicht nehmen. Und was für ihn in der bildenden Kunst schon essentiell ist, gilt ebenso für seine Musik: "unverkrampft meine Gedanken an die Menschen und die Welt formulieren". Mit seinen lyrischen und häufig sozialkritischen Texten mischt sich Niedecken ein. Er singt Lieder gegen Rüstungswahn, Rassismus, Umweltverschmutzung oder Gewalt. Vor einigen Jahren gründete er das "Project Rebound", das sich in Uganda und im Ostkongo um ehemalige Kindersoldaten und minderjährige Prostituierte kümmert. Für sein soziales Engagement erhielt Niedecken das Bundesverdienstkreuz.
Wolfgang Niedecken mit Markus Brock
2011 erschien das neueste Album von BAP "Halv su wild", für das Niedecken auch das Cover entwarf. Den Album-Titel sieht der 61-jährige heute in einem besonderen Licht, denn im November 2011 erlitt Wolfgang Niedecken einen Schlaganfall. Der war aber glücklicherweise nur "halv su wild". Der Musiker ist nach nur einem halben Jahr wieder vollkommen gesund. Das Schicksal habe ihm eine "Zugabe" geschenkt, meint der 61-jährige. Seinen Terminkalender möchte er künftig nicht mehr so voll packen. Für seine Fans gibt er aber weiterhin seine legendären ausgedehnten Live-Konzerte. Darüber hinaus macht er nur noch das, was ihm wichtig ist, z.B. ein Besuch auf der dOCUMENTA (13). Zusammen mit Markus Brock unternimmt er einen Streifzug durch die aktuellste Kunst und schaut zurück auf seine eigenen bewegten Zeiten als bildender Künstler.