Zur Vorbereitung von "Far from Heaven" haben wir uns die visuelle Sprache von Sirks Filmen genau angeschaut. Farbe spielt in ihnen eine herausragende Rolle. Alle Aspekte des Dekors legen offen oder drücken aus, was die Figuren nicht selbst über ihre emotionalen Probleme sagen können. Das gilt für Farbe in einer Art und Weise, wie sie nur wenige besser oder schöner eingesetzt haben als der Kameramann Russell Metty unter Sirks Regie. Man kann von Film zu Film die Unterschiede im Gebrauch dieser Farbpalette erkennen, je nach Thema. Aber an einem bestimmten Punkt gibt es immer etwas Unausgesprochenes zwischen den Figuren, das nur ausgedrückt werden kann durch Dekor, Farbe und Musik.Musik ersetzt Dinge, die nicht gesagt werden können. Es gibt eine Art Sprachlosigkeit im melodramatischen Drehbuch. Die Figuren haben keine Kontrolle über ihren Diskurs, also bekommen die visuellen und musikalischen Mittel viel Raum, Bedeutung zu transportieren. Das ist nicht immer der Fall in anderen Genres, in denen Bedeutung oft gedoppelt oder wiederholt wird durch den Schnitt, Dialoge, Handlungen der Figuren und durch alle anderen Aspekte der Filmsprache. Im Melodrama gibt es dagegen weite Räume, die sich für die Rolle der Musik öffnen. Diese Geschichten sind für mich wirklich die Geschichten unserer aller Leben.
Das Melodrama wird in gewisser Weise abgetan und verbannt auf eine niedere Stufe des Geschichtenerzählens. Genres, die mehr mit Männern assoziiert werden, mit Eskapismus und dem Bestehen von Abenteuern, wie Krimis, Western, Fantasy, haben einen action-reicheren und optimistischeren Verlauf. Sie sind in der Filmgeschichte bevorzugt worden. Gerade deshalb setze ich mich vielleicht um so leidenschaftlicher mit diesen herabgesetzten Formen auseinander. Weil ich eben glaube, dass das ganze Leben in ihnen enthalten ist.