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© ARD Degeto Lupe
Ölarbeiter Josef (Tim Robbins) hat sich in Hanna (Sarah Polley) verliebt.
Das geheime Leben der Worte
Einfühlsames Drama über zwei verletzte Seelen
Hanna hat seit vier Jahren keinen Urlaub mehr genommen, daher verordnet ihr Chef der Fabrikarbeiterin kurzerhand einen Zwangsurlaub. Doch statt Ferien zu machen, heuert Hanna auf einer Bohrinsel an. Dort soll sie den bei einem Unfall schwer verletzten Arbeiter Josef pflegen. Ihre eigene traumatische Vergangenheit hat sie indes bislang erfolgreich verdrängt. Isabel Coixets virtuos inszeniertes Drama lebt von seinen hervorragenden Darstellern Sarah Polley und Tim Robbins.
© ARD Degeto Lupe
Hanna pflegt den Ölarbeiter Josef, der bei einem Unfall schwere Brandwunden erlitten hat und kurzzeitig erblindet ist.
Ein Hörgerät kann hilfreich sein: Will man seine Ruhe haben, schaltet man es einfach ab. So hält es die schwerhörige Fabrikarbeiterin Hanna (Sarah Polley), die in selbst gewähltem Autismus dahinlebt. Ihr Chef verordnet Hanna, die sich seit vier Jahren keinen Tag freigenommen hat, schließlich einen Zwangsurlaub. Hanna ist verunsichert, sie weiß nicht, was sie mit der freien Zeit anfangen soll. Durch Zufall bekommt sie in einem Restaurant mit, wie jemand händeringend nach einer Krankenschwester für eine Bohrinsel im Atlantik sucht. Hanna hat als Pflegerin gearbeitet und nimmt den Job dankbar an.

© ARD Degeto Lupe
Der nette Koch Simon (Javier Camara) erzählt der scheuen Hanna seine Geschichten.
Auf der künstlichen Plattform, die nach einem verheerenden Unfall aufgegeben werden soll, leben noch eine Handvoll einsamer Männer und eine Gans. Hannas Patient Josef (Tim Robbins), der bei einem Unfall schwere Brandwunden erlitten hat, ist kurzzeitig erblindet: ideale Voraussetzungen für die Einzelgängerin, die sich fast immer von der Welt abschottet, Distanz zu wahren. Doch je mehr sie schweigt, umso beharrlicher versucht Josef mit ihr, der Stimme mit dem fremden Akzent, zu plaudern und zu flirten. Doch Hanna wahrt ihr Geheimnis so lange, bis er selbst seine Seelenwunden entblößt. Zögernd berichtet sie von jenem traumatischen Erlebnis, das ihr Leben zerstört hat.

Mehrfach preisgekröntes Drama
© ARD Degeto Lupe
Hanna hat ihre eigenen traumatischen Erlebnisse noch lange nicht verarbeitet.
Regisseurin Isabel Coixet, die mit "Mein Leben ohne mich" ein packendes Melodram über eine Todgeweihte drehte, hat auch dieses mehrfach preisgekrönte, sensible Drama auf die Kanadierin Sarah Polley, einen stillen Star des Arthouse-Kinos, zugeschnitten: Hinter Hannas Augen lauern so viel Trauer, Horror und Wut, die trotz - oder gerade wegen - Polleys zurückhaltendem Spiel fühlbar werden.

Coixet nähert sich der Enthüllung und dem eigentlichen Filmthema auf metaphorischen, elliptischen Umwegen: mit Hilfe einer feinfühligen Liebesgeschichte und kleinen Ereignissen, die Hanna dazu bringen, ihren Schutzpanzer abzulegen. Mit ihrer Beichte ändert sich der humorvoll-lakonische Tonfall des Filmes und lässt Hannas verbissenen Rückzug auf sich selbst als starken, hoffnungsvollen Überlebenswillen erscheinen.


Sendedaten
Dienstag, 22. März 2016, 22.25 Uhr
Credits
(The Secret Life of Words)
Spielfilm, Spanien 2005, 109 Minuten
Regie: Isabel Coixet
Mit: Sarah Polley, Tim Robbins, Javier Cámara, Eddie Marsan, Steven MacKintosh, Julie Christie u.a.
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