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© ARD Degeto Lupe
Rosa (Fanny Gautier) und Cundo (Javier Camara) waren vor langen Jahren ein Liebespaar.
Susos Turm
Cundo kehrt zur Beerdigung seines alten Freundes Suso in sein spanisches Heimatdorf zurück. Dort holt ihn die Vergangenheit schneller wieder ein, als ihm lieb ist. - Tom Fernández' Komödie kombiniert Witz und Tiefsinn auf leichte Weise, indem sie ihre sympathischen Figuren durch ein anregendes Wechselbad der Gefühle schickt.
© ARD Degeto Lupe
Fernando, Pablo, Cundo und Mote haben schon immer gern gemeinsam die eine oder andere Flasche geleert.
Suso ist tot. Eine Überdosis hat ihn umgebracht. Cundo (Javier Cámara), Susos bester Freund, einst nach Argentinien geflüchtet, um ein neues Leben zu beginnen, kehrt nach zehn Jahren Abwesenheit zur Beerdigung in sein asturisches Heimatdorf zurück. Prompt wird er von der Vergangenheit eingeholt: Bereits am Mietwagenschalter trifft Cundo auf Marta (Malena Alterio), die ihm in Erinnerung ruft, sie einst entjungfert zu haben.

Im Haus seiner Eltern wird der entfremdete Sohn auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Mutter Mercedes (Mariana Cordero) und Vater Tino (Emilio Gutiérrez Caba) haben sich auseinandergelebt, sie kocht das Essen, er besucht regelmäßig das lokale Freudenhaus. Cundos Beteuerung, sich mittlerweile seiner Verantwortungen als erwachsener Mann bewusst geworden zu sein, stößt bei den Eltern auf wenig Resonanz. Immerhin: Es gibt ja noch die Freunde von damals, mit denen sich auf frühere Zeiten anstoßen lässt. Prompt formiert sich die alte Clique, um aus traurigem Anlass noch mal einen draufzumachen: Mote (César Vea), der Polier, der Bauer Pablo (José Luis Alcobendas) und Physiklehrer Fernando (Gonzalo de Castro), inzwischen verheiratet mit Cundos Jugendflamme Rosa (Fanny Gautier).


Schnell brechen die alten Wunden wieder auf
© ARD Degeto Lupe
Beim Turmbau haben Cundo und seine Freunde einiges aufzuarbeiten.
In seinen wilden Zeiten war das Quintett, inklusive Suso, unzertrennlich - jetzt scheinen die gealterten Draufgänger Welten zu trennen. So dauert es nicht lange, bis die Wunden der Vergangenheit aufbrechen und aus Besäufnissen Zerwürfnisse werden. Doch da ist ja noch Susos Traumprojekt, sein großer letzter Wunsch, an dem die vier Kumpel ihre internen Konflikte buchstäblich abarbeiten können: Vor dem Haus des Verstorbenen soll ein Holzturm errichtet werden, um "die Dinge mal von oben zu betrachten". Denn mit neuen Perspektiven ist es in dem nordspanischen Bergarbeiterdorf nicht weit her. Und so gelangen Cundo und seine Freunde irgendwann zu der Erkenntnis, dass jedem Ende auch ein neuer Anfang innewohnt.

Es sind die einfachen Menschen seiner nordspanischen Heimat, denen der junge Regisseur Tom Fernández mit diesem tragikomischen Kinoerstling ein sympathisches Denkmal setzte. Mit einem verständnisvollen Blick auf individuelle Schwächen stilisiert er den titelgebenden Turmbau zur Metapher, wobei die lockere Inszenierung zwischen skurriler Situationskomik und melancholischen Passagen gekonnt die richtigen Töne trifft. Großen Anteil daran hat das famose Darstellerensemble, angeführt von Javier Cámara als Cundo, der auch schon in Filmen von Julio Medem ("Lucía und der Sex") und Pedro Almodóvar ("Sprich mit ihr") zu brillieren wusste.


Sendedaten
Donnerstag, 20. September 2012, 22.25 Uhr
Credits
(La torre de Suso)
Spielfilm, Spanien 2007, 91 Minuten
Regie: Tom Fernández
Mit: Javier Cámara, Gonzalo de Castro, César Vea, José Luis Alcobendas, Malena Alterio u. a.
Filmreihe
Emoción - Neues spanisches Kino
Vom 16. bis 21. September 2012
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