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© SWR/Köfer Lupe
Maya (Silke Bodenbender) kann ihr Misstrauen nicht ganz unterdrücken.Warum hat Tarik (Mehdi Nebbou) ihr nicht gesagt, dass er bei der Hochzeit war?
Folgeschäden
Der algerische Naturwissenschaftler Tariq und die deutsche Grafikerin Maya können sich ganz auf ihren Sohn Karim und auf ihre jeweilige Karriere konzentrieren. Doch ihr Leben ändert sich radikal, als Tariq plötzlich verdächtigt wird, mit islamistischen Terroristen in Verbindung zu stehen. - Samir Nasrs Film zeigt das plötzliche Eindringen des Politischen ins Private.
© SWR/Köfer Lupe
Karim (Mahmoud Alame, li.) ist verwirrt. Ein Freund hat behauptet, dass sein Vater Tariq ein Terrorist sei.
Sie könnten als Modell für interkulturelles Familienleben dienen: der junge Wissenschaftler Tariq Azmi aus Algerien, seine deutsche Frau Maya, Art Directorin bei einer Illustrierten, und ihr aufgeweckter Sohn Karim. Religiöse und kulturelle Differenzen meistern sie mit Humor und gutem Willen. Erste Risse bekommt ihre Welt, als die Polizei bei Maya auftaucht, um sie über ihren Mann auszufragen. Ein Video zeigt Tariq als Gast bei der Hochzeit von Said Bahaji, einem der Koordinatoren des New Yorker Anschlags. Dass er dort nur zufällig war, will man ihm nicht glauben. Tariq wird verdächtigt, ein "Schläfer" zu sein.

Ist Mayas Misstrauen gerechtfertigt?
© SWR/Köfer Lupe
Karim spürt, dass seine Mutter unglücklich ist. Und er will wissen, warum seine Eltern sich nicht mehr vertragen.
Maya weist den Verdacht weit von sich und weigert sich, ihrem Mann nachzuspionieren. Doch dann kommt Tariqs frommer iranischer Freund Reza zu Besuch und irritiert Maya mit seinen Erwartungen an ihren Mann. Gleichzeitig erfährt sie, dass Tariq ihr Schwierigkeiten im Institut verschwiegen hat. Für seine Vortragseinladung in die USA erhält er kein Visum und sein Chef entbindet ihn von der Arbeit mit Virenstämmen. Tariq, unerwartet das Objekt von massiven Verdächtigungen geworden, versteht die Welt nicht mehr. Maya dagegen beginnt zu glauben, dass sie ihren Mann überhaupt nicht kennt. Plötzlich scheint Verständigung zwischen den beiden nicht mehr möglich.

"Folgeschäden" ist Samir Nasrs Debüt als Spielfilmregisseur. Der Film erzählt auf einer privaten, intimen Ebene eine politische Geschichte. "Es interessiert mich, die Auswirkungen von Politik und Zeitgeschehen auf ganz normale Menschen zu zeigen", erklärt der Regisseur. 1968 geboren, studierte Samir Nasr nach seinem Schulbesuch in Libyen und Ägypten an der Filmakademie Baden-Württemberg und drehte dort seinen ersten Dokumentarfilm "Nachttanke" (1999), für den er 2000 den First-Steps-Preis erhielt. "Folgeschäden" wurde 2005 mit dem ARD Medienpreis CIVIS für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa ausgezeichnet.

Sendedaten
Dienstag, 11. September 2011,
20.15 Uhr

Wiederholung: 0.45 Uhr

Credits
Fernsehfilm, Deutschland 2005, 88 Minuten
Regie: Samir Nasr
Mit: Mehdi Nebbou, Silke Bodenbender, Mahmoud Alame, Jürgen Hentsch, Jule Gartzke u. a.
Mediathek
Gespräch mit Regisseur Samir Nasr zur Situation in Ägypten (22.11.2011)