Übersicht
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
01
02030405
06
07
080910
11
12
13
14
15
16
17
18
1920
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
© ARD Degeto Lupe
Die schöne, junge Kalyani (Lisa Ray) lebt in einem Frauenhaus.
Water - Der Fluss des Lebens
Indien, 1938: Die achtjährige Chuyia wird kurz nach ihrer Zwangsheirat Witwe. Nach der alten Tradition muss sie in einem Aschram gemeinsam mit anderen Witwen ein ärmliches Leben fristen. Doch Chuyia will sich mit diesem Dasein nicht abfinden. - Das in wunderschönen Bildern erzählte Drama bildet den Abschluss von Deepa Mehtas Elemente-Trilogie.
© ARD Degeto Lupe
Shakuntala (Seema Biswas, li.) schert der neu im Frauenhaus angekommenenen Chuyia (Sarala) die Haare.
Im Indien des Jahres 1938 kündigen sich politische Umwälzungen an. Doch das Schicksal der kleinen Chuyia (Sarala) steht ganz im Zeichen einer grausamen Tradition: Die Achtjährige wird zwangsverheiratet, kurz darauf stirbt ihr Mann. Da Witwen in der Gesellschaft als unheilbringend gelten, wird das Kind in einen Aschram abgeschoben. Dort soll es, kahlgeschoren, den Rest seines Lebens für die Sünden der Vergangenheit büßen, die zum Tod des Mannes geführt haben. Der Aschram selbst ist ein Haus voller lebender Toter, in dem demente, resignierte oder tyrannische Witwen dahinvegetieren.

Unter der Führung der bösartigen 70-jährigen Madhumati (Manorama) vergehen die Tage zwischen Kochen, Betteln und Besuchen beim Guru nur langsam. Die schöne, junge Kalyani (Lisa Ray), die als Einzige lange Haare tragen darf, hat sich damit abgefunden, als Hure für den Unterhalt der anderen sorgen zu müssen. Chuyia wird zu ihrer Vertrauten und bringt mit ihren frechen, naiven Fragen frischen Wind in die fatalistische Gemeinschaft. Als der junge Brahmane und Gandhi-Anhänger Narayan (John Abraham) sich in Kalyani verliebt, schöpft diese neue Hoffnung, ihrem Schicksal entfliehen zu können. Doch als Chuyia, die als Einzige von Kalyanis Geheimnis weiß, sich verplappert, kommt es zu einer Katastrophe.


Liebesdrama und erschütternde Sozialstudie
© ARD Degeto Lupe
Der junge Brahmane und Gandhi-Anhänger Narayan (John Abraham) hat sich in Kalyani (Lisa Ray) verliebt.
Im letzten Film ihrer Elemente-Trilogie - nach "Fire", einem Drama über arrangierte Ehen und lesbische Liebe, sowie "Earth" über den indisch-pakistanischen Krieg - widmet sich die indische Regisseurin Deepa Mehta mit "Water - Der Fluss des Lebens" dem Schicksal vieler indischer Witwen und verknüpft die Geschichte mit dem Aufstieg des Hoffnungsträgers Gandhi. Ihr Film ist erschütternde Sozialstudie und Liebesdrama zugleich. Mit romantischen Bildern nimmt Mehta dabei manche Anleihen beim Bollywood-Kino. Doch wenn die schüchterne Kalyani am Flussufer ihren Märchenprinzen trifft, symbolisiert das fließende Wasser zugleich die Überwindung von Kastengrenzen und Traditionen.

Gerade durch die poetischen Bilder entfaltet sich die Sprengkraft der Geschichte, in dem die - vom Westen oft bewunderte - indische Spiritualität von menschlichem Leid gespeist scheint und sanftmütige Gurus sich als Hüter der Heuchelei erweisen. So haben Hindu-Nationalisten mehrmals die Dreharbeiten verhindert, und aus Angst vor Ausschreitungen stieß die Platzierung des Films im indischen Kino auf Widerstand.


Sendedaten
Donnerstag, 5. Juli 2012, 22.25 Uhr
Credits
Spielfilm, Kanada/Indien 2005, 110 Minuten
Regie: Deepa Mehta
Mit: Sarala, Lisa Ray, Seema Biswas, Kulbhushan Kharbanda, Waheeda Rehman, Manorama u. a.
Links