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© WDR/Fabian Hammerl Lupe
Zwanzig Jahre verheimlichte Jörg Böckems seine Heroinabhängigkeit. Er hat es geschafft, diesem Alptraum zu entkommen.
Höllentrips
Beim Stichwort "Heroin" denken viele zunächst an Bahnhofsmilieu, Kriminalität und Verwahrlosung. Doch es gibt Menschen, die trotz ihrer Drogenabhängigkeit ein nach außen hin "normales", unauffälliges, Leben führen: wie zum Beispiel Jörg und Christiane. Der freischaffende Journalist und die alleinerziehende Mutter zeigen wie suchtkranke Menschen im Alltag zu "funktionieren" versuchen.
Durch Abhängigkeit machtlos
© Filmtank Berlin Lupe
Rückblickend stellt Journalist Jörg fest: an viele seiner Interviewpartner kann er sich nicht mehr erinnern.
Jörg Böckems Doppelleben zwischen Heroin-Sucht und Journalismus dauerte zwei Jahrzehnte und kostete den 45-jährigen fast das Leben. Er konnte sich aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit befreien und setzt sich intensiv mit seiner Vergangenheit und seiner Sucht auseinander. Die Droge ist heimtückisch: "Heroin wirkt zuverlässig gegen alles: Versagensängste, Zahnschmerzen, Einsamkeit. Es ist ein Mittel, das auf Knopfdruck von diesen unangenehmen Gefühlen befreit - und das ist natürlich gefährlich."

Auf einem schmalen Grat
Sucht und Berufstätigkeit zu vereinen war für Jörg ein kräftezehrender Balanceakt: "Ich stand permanent unter einer unmenschlichen Daueranspannung." Er musste über so viele Jahre als freier Autor für deutsche Zeitungen und Zeitschriften professionelle Artikel abliefern und gleichzeitig seinen Drogenkonsum im Job verbergen. Nur wenige seiner Kollegen und seine Eltern wussten davon. Jörgs Mutter trägt immer noch die Angst im Herzen, dass ihr Sohn irgendwann doch einen Rückfall erleidet.

"Ich bereue nichts"
© WDR/privat Lupe
Trotz Methadonprogramm kommt Christiane nicht vom Heroin los.
Christiane K. kann immer noch nicht ohne Heroin leben – und dass seit fast 30 Jahren. Die 48-jährige meistert ihren Alltag als berufstätige Mutter trotzdem erfolgreich. Die gelernte Buchhändlerin arbeitet in einem Hamburger Kiosk. Sie hofft, dass man ihr sobald wie möglich ein synthetisch hergestelltes Heroin - sogenanntes Diamorphin – verschreibt, denn trotz Methadonprogramm schafft sie es nicht, von der Droge loszukommen. Wenn sie auf ihr Leben zurückblickt bereut sie nichts: "Das ist passiert, das ist mein Leben." Das Wichtigste für Christiane ist, für ihre Kinder da zu sein.

"Sie war und ist immer für uns da ..."
© Filmtank Berlin Lupe
Trotz Heroin meistert Die 48-jährige ihren Alltag als berufstätige Mutter erfolgreich.
Mit ihren beiden jugendlichen Töchtern hat sie ein inniges, vertrauensvolles und ehrliches Verhältnis. Weil die Mädchen sich manchmal für ihre Mutter rechtfertigen müssten, hat sie ihnen gegenüber allerdings ein schlechtes Gewissen, und dennoch sagt die ältere der beiden Töchter: "Wir sind stolz auf unsere Mutter. Sie war und ist immer für uns da und kriegt immer alles auf die Reihe."

Sehen Sie am Sonntag, 20. Mai 2012, 21.55 Uhr einen Film von Wilma Pradetto, der zeigt was es bedeutet, jahrelang eine bürgerliche Fassade aufrecht zu erhalten, während man am Abgrund steht.

Über die Autorin:
Wilma Pradetto wurde 1951 in Graz/Österreich geboren. Nach ihrem Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb) arbeitete sie als Regieassistentin und Regiehospitantin für Spielfilme von u.a. Peter Patzak, Michael Ballhaus, oder Martin Scorsese. Seit 1992 erstellt Wilma Pradetto verschiedene Dokumentationen, Reportagen und Dokumentarfilme für ARD, ZDF und Arte. Ihr 90-minütiger Dokumentarfilm "Beruf Lehrer" (2006) wurde für den Adolf Grimme Preis und den Baden-Württembergischen Dokumentarfilmpreis nominiert.

Sendedaten
Sonntag, 20. Mai 2012, 21.55 Uhr
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