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Sonntag, 16. Dezember
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26.000 Jahre altes Eis: Eine - nicht ungefährliche - Anfahrt auf den Gletscher San Rafael. Hier mündet der riesige Eisstrom ins Meer. Sehen Sie die ganze Sendung als Video (44 Minuten).
Chiles wilder Süden - Die Fjorde der Siedler
"Hier ist nichts, sie werden nichts finden", schrieb der südamerikanische Dichter Jorge Luis Borges über Patagonien. Doch tausende Touristen sind anderer Meinung und preisen die Landschaft im Süden Chiles als von unvergleichlicher Schönheit und Ursprünglichkeit.
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Seelöwen in den patagonischen Fjorden
Der Süden Chiles ist das Ende der Welt, Inbegriff des Entlegenen, scheint auch deshalb auf viele Menschen eine große Anziehungskraft auszuüben. Die Namen haben für viele einen magischen Klang: Patagonien, Feuerland, Kap Horn und Punta Arenas. Das sehr dünn besiedelte Südchile, von den Einheimischen auch "Großer Süden" genannt, ist eine äußerst windige und niederschlagsreiche Region. Und trotzdem sind viele, die einmal hierher kamen, hier geblieben.

Der Zufall führte Magellan zu seiner Straße
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Einfahrt in einen patagonischen Fjord am Golf von Ancud
Der Portugiese Hernando Magellan war der erster Europäer, der sich hierher verirrte. Nur wenige Jahre, nachdem Christoph Columbus auf Amerika stieß, entdeckte Magellan am 21. Oktober 1520 durch Zufall eine Durchfahrt zum Pazifik, als die kleine Flotte vor einem heftigen Sturm in einer Bucht Deckung suchte. Der Ankerplatz stellte sich als natürlicher Kanal heraus, und durch ihn setzte Magellan seine Weltumsegelung fort. Später sollte die oft genutzte Abkürzung seinen Namen bekommen. Die Magellanstraße verläuft zwischen Patagonien und Feuerland, im tiefen Süden des amerikanischen Kontinents. Eine Umfahrung des gefürchteten Kap Horns ist ungleich länger, schwieriger und gefährlicher.

Ihre größte Bedeutung hatte die Magellanstraße in der Zeit vor dem Bau des Panama-Kanals, aber auch heute noch wird sie von vielen Schiffen, vor allem von riesigen Öltankern und Containerschiffen, angelaufen. Punta Arenas, der große Hafen an der Magellanstraße, ist Ausgangspunkt der Versorgungsschiffe für die zahlreichen Antarktis-Stationen.


Die Yámana-Indianer wurden fast ausgerottet
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Unter Vulkanasche begraben: der Küstenort Chaitén - Eingangstor nach Patagonien.
Nach Hernando Magellan zog es Abenteurer und Handelsleute in die windumtoste Region, nicht nur mit guten Absichten. Doch zunächst schien eine dauerhafte Besiedelung der scheinbar wertlosen Landschaft nicht sinnvoll. Im kargen Patagonien und Feuerland fanden nur ein paar nomadisch lebende Indianer seit 10.000 Jahren ihr Auskommen. Leider entdeckten Siedler Ende des 19. Jahrhunderts, dass man in der unwirtlichen Pampa Schafe züchen kann. Für die Indianer endete das tödlich. Nur wenige Hundert der Tehuelche-, Selk'nam-, Yamana- und Kaweskar-Indianer entkamen dem Gemetzel. Schafzuchtgesellschaften teilten das riesige Territorium binnen weniger Jahrzehnte unter sich auf.

Eine der größten Weidelandschaften der Welt
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Meeresbiologen am Golf von Ancud: die Forschungsstation Huinay.
In Santa Cruz entstand Anfang des 20. Jahrhunderts eine der größten Weidelandschaften der Welt. Zahlreiche Züchter in Ostpatagonien schafften es, immensen Reichtum anzuhäufen, während die Arbeiter in fast sklavenähnlichen Umständen lebten: 1500 aufständische Landarbeiter wurden von Militärs um 1920 erschossen. Die Hochzeit der Schafzucht ist allerdings vorbei. Die Jahrhunderte lange Übernutzung hat den Boden vielerorts erodiert, und die Weiden wurden zu Wüsten. Seit den Siebziger Jahren sanken auch die Wollpreise, und die Region verarmte. Doch seit einigen Jahren geht es wieder etwas aufwärts, schon bevor im Mai 2003 Nestor Kirchner, der von hier stammt, zum Präsidenten Argentiniens gewählt wurde und dem Landstriche Selbstbewusstsein gab.

Die Inschriften auf den schneeweißen Gräbern und Mausoleen des prächtigen Friedhofs der Stadt zeugen noch heute von den kroatischen, französischen, deutschen und anderen europäischen Einwanderern, die dem Ruf der Wolle folgten.


Westpatagonien: Gletscher, Seelöwen und Fjorde
Lupe
Seelöwen: Die chilenische Regierung will ihre Zahl "verringern". Man gibt den geschickten Fisch-Jägern die Schuld an der Krise der chilenischen Fischindustrie.
Inmitten einer zerklüfteten Inselwelt und den gewaltigen Eismassen einer der größten Kontinentaleisflächen der Welt führt ein einziger Landweg in Chiles Süden: die Carretera Austral. Sie verläuft quer durch den gemäßigten Regenwald, mit seinen gewaltigen Farnen und den riesigen Blättern der Nalca-Pflanze. Dazwischen, mitten im dichtesten Urwald, den die Siedler gegen alle natürlichen Widerstände urbar machten, eine Handvoll spitzgiebeliger Holzhäuser in typisch deutscher Bauweise. Sie sind Zeugnisse einer der jüngeren Pioniertaten in Chiles wildem Süden, der Gründung des Dorfes "Puyuhuapi". 75 Jahren ist es her, dass vier Sudetendeutsche den abgelegenen Fjord zu ihrer Heimat erklärten.

Die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt lockt bis heute Siedler ins Land - fasziniert von einer Landschaft zwischen schneebedeckten Gipfeln und inselreichen Fjorden. Die Natur ist, nicht nur in Form von verheerenden Erdbeben und Vulkanausbrüchen, allgegenwärtig. Dem Besucher begegnen Buckelwale, die in der Magellanstraße Krill und Fisch in rauen Mengen fangen, Kondore, Kormorane, Seelöwe und eine einmalig artenreichen Unterwasserwelt. Ihr haben sich Vertreter der jüngsten Generation von Einwanderern verschrieben: europäische Meeresbiologen, die alles daran setzen, die unvergleichliche Vielfalt der Natur in Chiles wildem Süden zu erhalten. Sehen sie am Mittwoch, 13. April 2016, 14.45 Uhr eine Reportage von Catherina Mareile Gilles über Chiles wilden Süden.


Sendedaten
Mittwoch, 13. April 2016, 14.45 Uhr

Sie können den Film nach Sendung sieben Tage lang in der Mediathek ansehen.
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