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© SWR Lupe
Umbetter Joachim Kozlowski vor dem Gräberfeld mit 580 Särgen deutscher Soldaten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Stare Czarnowo/Polen
Vergrabene Schicksale
Joachim Kozlowski trägt Schaufel, Hacke, Metalldetektor, einen Koffer mit Bürsten, Pinseln und Werkzeug über ein Feld. Unter seinem Arm klemmt eine kleine Pappschachtel. Er ist auf dem Weg zu einem Toten, einem, der schon lange unter der Erde liegt. Joachim Kozlowski hat sich einen merkwürdigen Beruf ausgesucht: Er ist Deutschlands einziger Umbetter.
© SWR Lupe
Joachim Kozlowski mit den sterblichen Überresten ehemaliger sowjetischer Soldaten
Joachim Kozlowskis Aufgabe ist das Aufspüren, Bergen, Identifizieren und Bestatten gefallener Soldaten und Zivilisten des Zweiten Weltkrieges - Jahrzehnte nach dessen Ende. Sein Erkundungsgebiet läuft meist mitten durch die ehemaligen Frontlinien. Allein zwischen Berlin und der polnischen Grenze - einem seiner wichtigsten Einsatzgebiete - werden bis zu 150.000 menschliche Überreste im Boden vermutet. In nur wenigen Wochen während der letzten Schlachten im April 1945 starben in dieser Region zehntausende deutsche, sowjetische und polnische Soldaten und wurden oft nur notdürftig bestattet.

Häufig melden sich noch Angehörige
© SWR Lupe
580 Särge deutscher Soldaten kurz vor der Beisetzungsfeier in Stare Czarnowo/Polen
Kriegstote gehören in diesem Landstrich Oderland zum Alltag. Beim Pflügen, beim Straßen- und Hausbau oder bei Kanalisationsarbeiten werden Gebeine entdeckt. Sofort wird der Umbetter gerufen, findet Einzel- oder Massengräber von Soldaten. Oft ist der Zeitdruck groß, es fehlt an Gerät, an Helfern, um Meter für Meter zu graben, zu sieben, um jedem Hinweis nachzugehen.

Häufig melden sich auch Angehörige bei Kozlowski, die erst jetzt Hinweise auf den letzten Einsatzort ihrer toten Väter oder Großväter bekommen haben. Zusammen mit ihm machen sie sich auf die Suche nach dem vermuteten Grab. Immer ist der kleine Pappkarton dabei, ein schlichter Faltsarg, in dem der Umbetter die Knochen für eine spätere Beisetzung auf einem Soldatenfriedhof sammelt und menschliche Schicksale birgt. Autor Jochen Nuhn hat Kozlowski über die Seelower Höhen und im Oderland beim Graben begleitet und erlebt, warum Trauer und Erinnerung einen Ort brauchen.

Wir zeigen die Dokumentation im Rahmen der ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod", die sich vom 17. bis 23. November 2012 dem Thema Sterben und Tod widmet.


Sendedaten
Freitag, 23. November 2012, 20.15 Uhr
ARD-Themenwoche
17. bis 23. November 2012