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In einem kleinen Ort im Harz war Richard Schröder in den Siebzigerjahren evangelischer Pfarrer.
Was bringen uns die Migranten?
Peter Voß fragt Richard Schröder
Eine "Festung mit großen Toren und mit Einlasskontrolle": So stellt sich Richard Schröder ein Europa vor, in dem es keine inneren Grenzen mehr gibt. Der Theologe sagt, dass ein Sozialstaat ohne Abschiebungen und fixe Außengrenzen nicht denkbar ist - und fordert eine konsequentere Einhaltung des Asylrechts in Deutschland.
Nicht jeder, der nach Deutschland komme, dürfe bleiben. Der evangelische Theologe und Philosoph Richard Schröder sieht in diesem Prinzip eine wichtige Voraussetzung für die staatliche Ordnung und einen funktionierenden Sozialstaat. Eine unbegrenzte, unkontrollierte Zuwanderung sei schlicht nicht finanzierbar.

Macht sich Deutschland zum Affen?
© dpa Schröder in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung
Schröder in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung
Entsprechend kritisch äußert sich Schröder immer wieder zur offenen Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. In einem Interview mit der "Welt" bemängelte der 72-Jährige etwa den Begriff "Willkommenskultur". Der Ausdruck habe den Eindruck erweckt, alle würden hier mit offenen Armen empfangen, selbst diejenigen, die nicht bleiben dürfen. "In Wahrheit sollten wir diejenigen abschrecken, die nicht werden bleiben dürfen, damit sie ihr Geld nicht an Schlepper verschwenden und sich nutzlos einer Lebensgefahr aussetzen", sagte Schröder dazu.

Deutschland dürfe nicht allzu hilfsbereit auftreten, um den Menschen keine falschen Hoffnungen zu machen. Diese könnten die Hilfsbereitschaft nämlich auch als Zeichen der Schwäche interpretieren: "Güte muss sich [...] mit Strenge paaren, sonst machen wir uns zum Affen", so Schröder. Insbesondere beim Asylrecht könne seiner Ansicht nach entschlossener durchgegriffen werden.


Themen aus eigener Biografie
© dpa Schröder gilt auch als wichtiger Wegbereiter der Wende.
Schröder gilt auch als wichtiger Wegbereiter der Wende.
Neben der Flüchtlingsdebatte oder dem Karikaturenstreit sind die Themen, mit denen sich Schröder etwa auch als Autor auseinandersetzt, vor allem biografisch begründet: Der heute 72-Jährige studierte in der DDR Theologie und Philosophie. In einem kleinen Ort im Harz war er Pfarrer, während der Wende engagierte er sich in der Bürgerrechtsbewegung und wurde Mitglied in der Volkskammer. Er trat in die SPD ein und bekam schließlich ein Mandat für den Deutschen Bundestag.

Von 1991 bis zu seiner Emeritierung gehörte er zum Lehrkörper der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Jahr 2008 schrieb er mit "Abschaffung der Religion?" eine vieldiskutierte Antwort auf "Der Gotteswahn" des in Oxford lehrenden Evolutionsbiologen Richard Dawkins, eine Verteidigung des Glaubens gegen die Wissenschaft.

Richard Schröder ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung, Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und zahlreicher weiterer Preise und Ehrungen. Mit Peter Voß spricht Schröder in der Sendung am Sonntag, 25. September 2016, 13.30 Uhr über die aktuelle Flüchtlingssituation und beantwortet die Frage "Was bringen uns die Migranten?".


Sendedaten
Sonntag, 25. September 2016, 13.30 Uhr

Sehen Sie die Sendung ab dem Tag der Ausstrahlung in der Mediathek.

Peter Voß fragt...
...Richard Schröder
Ein "eloquenter homo politicus" und "ein großer ostdeutscher Denker": Richard Schröder ist vor allem einer, der sich einmischt, unbequeme Fragen stellt und klare, intelligente Standpunkte vertritt.
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