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© dpa Video
Die Stuttgarter Zeitung nannte ihn den "Popstar der Religionsskeptiker": Hamed Abdel-Samad. Sehen Sie hier das Video der Sendung (45 Min.) >>
Mohammed - Ende eines Tabus?
Peter Voß fragt Hamed Abdel-Samad
Hamed Abdel-Samad polarisiert die Öffentlichkeit mit seinen islamkritischen Thesen. In seinem jüngsten Buch rechnet er schonungslos mit dem Propheten Mohammed ab und fordert auf, ihn als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten. Tragen Abdel-Samads provokante Thesen zu einer innerislamischen Aufklärungsbewegung bei, oder schüren sie vor allem Vorurteile?
Schon mit seiner 2009 erschienenen Autobiographie "Mein Abschied vom Himmel" sorgte der in Ägypten geborene Politikwissenschaftler und Schriftsteller Hamed Abdel-Samad für Aufsehen. Er schreibt darin nicht nur über seine traumatische Kindheit - unter anderem den Missbrauch, den er im Alter von vier und elf Jahren erlitt -, der Autor kritisiert darin vor allem auch das ägyptische Regime und den Islam. Abdel-Samad gewähre "einen intensiven Einblick in die schizophrene Welt einer unaufgeklärten Gesellschaft", schreibt die "taz" dazu im September 2009. Das Buch wurde zuerst in Ägypten veröffentlicht und brachte ihm neben vereinzelter positiver Resonanz vor allem massive Kritik ein. Diese störte sich vor allem an seinen Verallgemeinerungen und den Aussagen zur Gewaltbereitschaft von Muslimen.

Abdel-Samad lässt sich nicht einschüchtern
© dpa Lupe
Abdel-Samads Thesen sorgen immer wieder für heftige Diskussionen.
Im Juni 2013, nach einem Vortrag vor Intellektuellen und Studenten in Kairo zum Thema "Die Muslimbrüder", denen er "islamischen Faschismus" vorgeworfen hatte, wurden Mordaufrufe gegen ihn veröffentlicht - zunächst im Internet und dann auch im ägyptischen Fernsehen - und eine Fatwa gegen ihn verhängt. Infolgedessen lebt er seit fast drei Jahren unter Polizeischutz und ohne festen Wohnsitz. Angst habe er nach eigener Aussage jedoch nicht. Und einschüchtern lässt sich Hamed Abdel-Samad augenscheinlich ebenso wenig, wie sein jüngstes Buch zeigt.

"Mohamed. Eine Abrechnung" erschien im September 2015 und sorgt wieder für heftige Diskussionen. Unter anderem, weil Abdel-Samad darin den Propheten als einen widersprüchlichen Prediger porträtiert und Muslime dazu auffordert, die Lichtgestalt des Islam als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten. Und er geht sogar so weit, im Islamismus den "Faschismus des 21. Jahrhunderts" zu sehen, wie er im Dezember 2015 in einem Interview auf Zeit.Online erklärt. "Diese Behauptung, der IS habe mit dem Islam und Mohammed nichts zu tun, ist nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich. […] Solange Menschen im Europa des 21. Jahrhunderts wegen Karikaturen getötet werden, ist eine Abrechnung mit dem Islam nötig."


Islam-Bashing oder berechtigte Kritik?
Kritiker wie der Spiegel-Rezensent Daniel Bax werfen Abdel-Samad eine willkürliche Quellenauswahl und "Religionskritik nach Pegida-Art" vor. Bax konstatiert, der Autor liefere Argumente für den rechten Rand. Tatsächlich trat Abdel-Samad letztes Jahr bei mehreren AfD-Ortsverbänden auf. "Der Auftritt, den er an diesem Abend in den 'Tegeler Seeterrassen' hinlegt, dürfte aber niemanden mehr bezweifeln lassen, dass er sich nicht länger wissenschaftlicher Betrachtung, sondern emsigem Islam-Bashing verschrieben hat", schreibt hierzu die "taz" im Oktober 2015. Positiver zu Abdel-Samads Buch äußert sich hingegen Kersten Knipp in der Deutschen Welle. Er glaubt, dass es die Diskussion der Muslime über die Grundlagen ihres Glaubens fördere.

In der Tat fordert der Publizist immer wieder dazu auf, sich offensiver mit dem Islam auseinanderzusetzen. Er ist sogar der Ansicht, dass in arabischen Ländern, wie in Ägypten, im Libanon und in Tunesien, mittlerweile eine viel offenere Islam-Debatte stattfände, als in den europäischen Gesellschaften. Schon 2009 erklärte Abdel-Samad in einem Interview mit der "taz", dass er sich einen aufgeklärten Islam wünsche, eine Religion, die sich der Vernunftkritik unterwerfe und keine, die jegliche Hinterfragung als Kriegserklärung betrachte. "Die Unantastbarkeit der Religion stand den Reformern immer im Weg und ließ ihre Bemühungen im Sande verlaufen", wie er in einem Artikel in der "Neuen Züricher Zeitung" im Dezember 2009 schreibt.

Ob Hamed Abdel-Samad durch seine Polemik und die Pauschalisierungen zu einer vorurteilsfreien Auseinandersetzung mit dem Islam beiträgt, ist sehr fraglich. Einen Anstoß zur weiteren Diskussion liefern seine Thesen allemal. Sehen Sie am Sonntag, 10. April 2016, 13.30 Uhr die Sendung "Peter Voß fragt Hamed Abdel-Samad". Der Journalist spricht mit ihm anlässlich der Mohammed-Kritik seines jüngsten Buches unter anderem über die Frage "Mohammed - Ende eines Tabus?".


Vita:
Abdel-Samad ist ein Wanderer zwischen den Welten. Er wurde am 1. Februar 1972 in Ägypten nahe Gizeh als Sohn eines sunnitischen Imams geboren. 1991 trat er der Muslimbruderschaft bei, von der er sich später jedoch abwendet. 1995 kam er nach Deutschland und studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik, arbeitete unter anderem für die UNESCO, am Erfurter Lehrstuhl für Islamwissenschaft und am Institut für Jüdische Geschichte in München. Er ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und einer der bekanntesten Islamkritiker. Abdel-Samad hat heute die deutsche Staatsbürgerschaft, seine Bücher sind sowohl auf Deutsch, als auch in arabischer Sprache erschienen.

Sendedaten
Sonntag, 10. April 2016, 13.30 Uhr
Kulturzeit
Todesdrohung
Fatwa gegen Publizisten Hamed Abdel-Samad
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