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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
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© dpa/Hans Wiedl Video
Meist haben wir das Gefühl, nicht genug davon zu haben. Doch wovon hängt unser Zeitgefühl ab? Sehen Sie die ganze Sendung (45 Min.)
Zeit - oft zu viel, nie genug?
Peter Voß fragt Rüdiger Safranski
In seinem jüngsten Buch, einem philosophischen Essay, ist Rüdiger Safranski dem Phänomen der Zeit auf der Spur. Was macht die Zeit mit uns? Und was machen wir aus ihr?
Nicht nur unzählige Gelehrte haben sich schon mit dem Phänomen Zeit beschäftigt, fast jeder hat sich darüber schon einmal Gedanken gemacht. Trotz aller Messmethoden bleibt Zeit schwer fassbar.

Da ist zum einen die subjektive Zeit, die wir quasi von der Natur mitbekommen und verinnerlicht haben. Dass ein Menschenleben begrenzt ist, weiß jeder Mensch intuitiv - spätestens dann, wenn er älter wird und sich klarmachen muss, dass die ihm verbleibende Lebensspanne sich spürbar verkürzt. Dabei scheint die Zeit umso schneller zu vergehen, je älter man wird. Eine These besagt, dass die ersten sieben Lebensjahre dem subjektiven Zeitempfinden eines halben Lebens entsprechen. Denn die eigene Wahrnehmung orientiert sich an der bereits erlebten Zeit. So entspricht ein Jahr für einen Fünfjährigen einem Fünftel seines bisherigen Lebens, bei einem 50-Jährigen nur noch ein Fünfzigstel.

Fest steht, dass unser Zeitempfinden unterschiedlich ist und davon abhängt, in welcher Situation wir uns befinden. Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Fünf Minuten können einem wie eine Ewigkeit vorkommen, während eine Stunde manchmal wie im Flug vergeht. Dabei gilt: Je bewusster wir die (objektive) Zeit wahrnehmen, desto langsamer scheint sie subjektiv zu vergehen.


Unsere innere Uhr tickt oft anders
Zum anderen haben wir die Zeit der Uhren und Kalender. Nach dieser objektiven Zeitmessung organisieren wir unser Leben. Diese Hilfsmittel "schneiden" die Zeit in gleiche Portionen und machen sie somit greifbarer. Das menschliche Leben ist überdies geprägt und strukturiert durch Rhythmen, Zyklen und Perioden. Regelmäßig wiederkehrenden Ereignissen, Feste und Veranstaltungen, wie Geburts- oder Feiertage geben uns Orientierung.

Das gesellschaftliche Leben würde heute ohne die objektive Zeitmessung kaum funktionieren. Mehr denn je sind in modernen Gesellschaften Abläufe und Prozesse streng getaktet. Als Individuen kommen wir mit der objektiven Zeit aber immer wieder in Konflikt. Wir müssen uns nach ihr organisieren, auch wenn unsere innere Uhr anders tickt. Wir kommen in "Zeitkollisionen", müssen pünktlich sein und Termine wahrnehmen, obwohl dies Stress bereitet oder wir die Zeitvorgaben gar nicht erfüllen können. Diese Probleme machen laut dem Zeitforscher Karheinz A. Geißler unser Zeiterleben aus: Sie machen es aufreibender, aber auch reicher.


Die Messung und Einteilung der objektiven Zeit basiert – neben biologischen Zyklen – vor allem auf kosmischen Grundlagen. Zeit misst sich in Wiederholungen. Die Einheiten von Tag, Monat und Jahr ergeben sich aus den Beobachtungen, die die Menschen im Laufe der Jahrtausende gemacht haben: sei es die Drehung der Erde um ihre eigene Achse, die Bahn des Mondes um die Erde und der Lauf der Erde um die Sonne. Diese ganz unterschiedlich langen Zeitabschnitte in einen stimmigen Zusammenhang zu bringen, bedeutete jedoch eine große Herausforderung und wurde erst im Laufe der Jahrhunderte perfektioniert.

Am Montag, 25. Januar 2016, 23.20 Uhr spricht Peter Voß mit dem Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Rüdiger Safranski unter der Leitfrage "Zeit - oft zu viel, nie genug?" über das Phänomen der Zeit.


Vita:
© dpa/Patrick Seeger Lupe
Rüdiger Safranski
Er ist der große Porträtist der deutschen Geistesgeschichte: Rüdiger Safranski, geboren 1945, studierte in Frankfurt am Main und Berlin Philosophie, Germanistik und Geschichte.Bekannt wurde Safranski durch seine Biografien über Arthur Schopenhauer und Martin Heidegger. Außerdem hat er sich mit der Epoche der Romantik beschäftigt, mit E.T.A. Hoffmann, Nietzsche, Schiller und einigen mehr. Er schreibt über menschliche Grundfragen, über das Böse und die Wahrheit, über Globalisierung sowie jüngst über die Zeit.

2014 wurde Rüdiger Safranski u.a. mit dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. Safranski ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt) und des Pen-Clubs Deutschland."Er hat die literarische Biografie salonfähig und die Betriebsgeheimnisse der Philosophie öffentlich gemacht", schreibt Jens Bisky in der Süddeutschen Zeitung.


Sendedaten
Montag, 25. Januar 2016, 23.20 Uhr
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