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Peter Voß fragt ...
10. April
Mohammed - Ende eines Tabus?
Hamed Abdel-Samad polarisiert die Öffentlichkeit mit seinen islamkritischen Thesen. In seinem jüngsten Buch rechnet er schonungslos mit dem Propheten Mohammed ab und fordert auf, ihn als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten.
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Jörg Baberowski
14. Dezember
Gewalt - und kein Ende?
Warum tun Menschen einander Gewalt an? Laut Jörg Baberowski ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: Weil sie es können. Der Mensch sei zur Empathie genauso fähig, wie zur Gewalt.
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© dpa Video
Herfried Münkler. Sehen Sie die ganze Sendung in der Mediathek (45 Min.)
Deutschland - Macht ohne Strategie?
"Führen", "Führer", Worte die in Deutschland Unbehagen auslösen. Geht es nach dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler sollten sich die Deutschen an den Gedanken gewöhnen, Europa anzuführen.
Herfried Münkler, Professor an der Humboldt-Universität Berlin, ist der Superstar unter den Politikwissenschaftlern: Medial omnipräsent wurde er von der Zeitung "Die Zeit " als "Ein-Mann-Think-Tank" tituliert. Der Wissenschaftler fungiert als Berater von Generälen und Politikern. Sein Wort hat Gewicht und findet seinen Niederschlag in der aktuellen Debatten. Nicht nur deshalb ist es sehr aufschlussreich, seinen Ausführungen zu folgen. Münkler hat Zugang zu den Mächtigen und er beschäftigt sich auch mit dem Thema der Macht und ihrer Ausübung: Imperium (USA) und Hegemone (China Russland und Deutschland), das sind die Kategorien in denen Münkler denkt.

Deutschen Lösungskompetenz ist unbestritten
Der Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte attestiert Deutschland schon jetzt eine Führungsrolle in Europa einzunehmen. Der Aufsieg zur Hegemonialmacht manifestiere sich vor allem an der deutschen Lösungskompetenz in Währungsfragen, der deutschen Rolle bei den Verhandlungen mit Russland in der Ukrainekriese und an der Rolle als wirtschaftlicher Motor der Europäischen Union (EU). Auch der von Münkler beobachtete Rückzug der Amerikaner aus seiner sicherheitspolitischen Verantwortung hätte Deutschlands Aufstieg zu einer Regionalmacht befördert. Deutschland sei von Außen sogar in diese Rolle hineingedrängt worden, der man sich allzulange verweigert habe.

Rückker des hässlischen Deutschen?
Diese Führungsrolle werde von den anderen europäischen Nationen auch so akzeptiert, schreibt Münkler in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Europäer würden die Führungsrolle nur deshalb akzeptieren, weil Deutschland aufgrund seiner Geschichte "beschädigt" sei.

Doch die Zustimmung zu Deutschlands neuer Rolle scheint nicht überall gleich groß zu sein: Die französische Zeitung "Le Monde" nennt Wolfgang Schäuble den "Henker der Griechen", und Roger Cohen sieht in der New York Times sogar die "deutsche Frage" wieder aufleben.


Koopreratismus und Hegemonie - Ein Gegensatz?
In der Fachwelt wird auch über die Frage gestritten, ob eine deutsche Führungsrolle in Europa überhaupt existiert. Der Stellung Englands, in sehr enger strategischer Allianz mit den USA und den in London ansässigen Finanzakteuren, kommt im "geographischen Europa" sicherlich eine wichtige Rolle zu.

Auch der Ansatz, dass es in Europa eines Hegemons bedürfe ist nicht frei von Kritik. Es sei ja Sinn und Zweck der EU die nationale Kompetenz zu Gunsten einer Supranationalen Organisation aufzugeben. Die Gleichberechtigung aller Mitglieder komme in Abstimmungsverfahren zur Geltung, in denen Einstimmigkeit verlangt wird. Hegemonie, also die wirtschaftliche (und kulturelle !!!) Überlegenheit eines Staates über einen anderen, ist im kooperativen Europa längst überholt, behaupten Friedens- und Konfliktforscher. Kooperation und Hegemonie sind keine Gegensätze, würde Münkler antworten, sie bedingen sich gegenseitig. Eine Hegemonialmacht sei im Gegensatz zu einem Imperium immer zu schwach, seine Interessen ohne Kooperation mit anderen durchzusetzen. Deswegen sei Hegemonie grundsätzlich nicht moralisch verwerflich, sondern strukturiere einen Raum und sorge für Frieden im Inneren.


Machtlose EU Außenmnisterin Mogherini
Die Außenpolitische "performance" Europas ist eher besorgniserregend, daran kann auch eine Federica Mogherini nichts ändern. Daher ist die Frage, wie die Macht intern verteilt wird eher zweitrangig. "Wer in einem schwachen Europa das Sagen hat, ist letztlich nicht entscheidend", kommentiert ein Teil der Fachkollegen die Ausführungen Münklers. Dem dürfte der Politikwissenschaftler sogar zustimmen: Eine weitere Vertiefung der europäischen Integration sei Notwendig, denn nur durch ein effektiveres Zusammenwirken der Mitgliedstaaten könne die EU außenpolitisch handlungsfähig sein. "Europa sei als regionale Ordnungsmacht gefordert, um nach innen und in den angrenzenden Räumen im Osten und Süden stabilisierend und befriedend zu wirken", so Hanns W. Maull in den Blätter für Internationale Politik. Deutschland müsse dabei seine Führungsaufgabe wahrnehmen, so Münkler.

Insofern sind Münklers Bücher sehr wichtige Denkanstöße. Die Erfolgsgeschichte der EU, die in diesen Tagen oft vergessen wird, geht sicherlich auch auf ein besonnen und verantwortungsvoll agierendes Deutschland zurück. Und der Grund für die Deutsche Strategie des "leading from behind" ist, wie Münkler es ausführt, in der jüngeren Deutschen Geschichte zu finden.

Doch Münkler betont das Deutschland auch aus Eigennutz als großer europäischer Integrationsfigur wirken müsse: "Jedem, der rechnen kann, ist klar, dass Deutschland von der EU profitiert, auch wenn es der bei weitem größte Nettozahler der Union ist." Die Währungsunion scheffelte Milliarden nach Deutschland und so ist der "Zahlmeister" in Wahrheit der größte Profiteur. So lautet auch Münklers zentrale These: "Scheitert Deutschland an den Aufgaben der europäischen Zentralmacht, dann scheitert Europa."


Literatur:
Herfried Münkler: Macht in der Mitte. Die neuen Aufgaben Deutschlands in Europa. Edition Körber- Stiftung, Hamburg 2015. 203 Seiten, 18 Euro.

Sendedaten
Montag, 21. September 2015, 23.20 Uhr

Das Video der Sendung können Sie hier nach der Ausstrahlung sehen

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Links
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