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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
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© dpa Video
Jürgen Kaube
Peter Voß fragt Jürgen Kaube
Erkenntnis der Gegenwart
"Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das waren Nächte quälender Entscheidungsprozesse. Ich mache das gerne, es ist eine ehrenvolle und eine erfüllende Sache, für dieses Feuilleton und für diese Zeitung zu arbeiten." So lautet die ehrliche und uneitle Antwort von Jürgen Kaube - seit Januar 2015 einer der vier Herausgeber der FAZ - auf die Frage der österreichischen Zeitung "Die Presse", ob er sich der Nachfolge des charismatischen Debatten-Meisters Frank Schirrmacher gewachsen fühle.
Ob die Fußstapfen zu groß seien? Darüber macht sich der Diplom-Volkswirt keine Gedanken. Er geht gelassen seinen eigenen Weg und lässt sich von den vielen kritischen Stimmen der Konkurrenzblätter nicht beirren. Dieser Eigensinn hat sich bereits bezahlt gemacht: Am 12. Juli 2015 erhielt Kaube in der Frankfurter Paulskirche den mit 20.000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis. Laudator Dan Diner würdigte Kaubes einmaliges schriftstellerisches Vermögen, "die wissenschaftliche Kultur von Geist und Sache in luzider Klarheit und begriffsnaher Zuspitzung in den öffentlichen Raum zu tragen".

In seiner Dankesrede wendet sich Kaube ab vom hektischen Journalismus der Tagesaktualität und empfiehlt die wissenschaftliche Reflexion als Anker im Strom der Zeit. In einer Phase des vermeintlich permanenten Wandels, meint Kaube, sollten Kriterien gesichert werden für einen Journalismus, der sich nicht vom Strom der Neuigkeiten treiben lässt. "Der Eindruck, dass sich ständig alles ändert und zwar mitteilenswerterweise, ist das Ergebnis einer stark selektiven Beschreibung dieser Welt."


"Alle vier bis fünf Jahre eine andere Gesellschaft"
Kaube nennt dieses Phänomen "Angstlust", eine "Präferenz für Unruhe, Wandel, Neuigkeit". Diese Konzentration auf Veränderungen, diese "zeitdiagnostische Unruhe", habe inzwischen auch die Gesellschaftswissenschaften erfasst: "Überlegen Sie nur einmal, in wie vielen Epochen und Gesellschaften Sie selbst gelebt haben müssten, wenn es nach wissenschaftlichen Zeitdiagnosen gehen würde."

In seinen 53 Lebensjahren erlebte der Diplom-Volkswirt unter anderem schon das Ende der Arbeitsgesellschaft, das Aufziehen der postindustriellen Gesellschaft, die Informations- bzw. Wissensgesellschaft und die Multioptionsgesellschaft. "Der Befund ist deutlich: fünfzig Jahre lang alle vier bis fünf Jahre eine andere Gesellschaft", fasst er zusammen und stellt abschließend fest: "Wer Neuigkeiten nicht einfach ausgesetzt sein will und wer es in Bezug auf die Gesellschaft auch nicht verlockend findet, ein Schwärmer zu sein, der braucht zur Erkenntnis der Gegenwart Begriffe (...). Begriffe im Unterschied zu Schlagworten müssen es schon sein."


Sendedaten
Montag, 20. Juli 2015, 22.50 Uhr
Info
Im Gedenken an Ludwig Börne, geboren als Juda Löw Baruch in Frankfurt am Main, ehrt die Ludwig-Börne-Stiftung seit 1993 Journalisten, die im Bereich des Essays, der Kritik und der Reportage Hervorragendes geleistet haben. Zu den Preisträgern gehören Joachim Gauck, Marcel Reich-Ranicki und der 2014 verstorbene FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher.
Kulturzeit
VideoLudwig-Börne-Preis für Jürgen Kaube
Peter Voß fragt...
VideoPeter Voß fragt Frank Schirrmacher
Wiederholung der Sendung vom Januar 2014 anlässlich des überraschenden Todes des Publizisten im Juni 2014
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