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Peter Voß fragt ...
10. April
Mohammed - Ende eines Tabus?
Hamed Abdel-Samad polarisiert die Öffentlichkeit mit seinen islamkritischen Thesen. In seinem jüngsten Buch rechnet er schonungslos mit dem Propheten Mohammed ab und fordert auf, ihn als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten.
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Jörg Baberowski
14. Dezember
Gewalt - und kein Ende?
Warum tun Menschen einander Gewalt an? Laut Jörg Baberowski ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: Weil sie es können. Der Mensch sei zur Empathie genauso fähig, wie zur Gewalt.
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© dpa Video
Jörg Baberowski auf der Buchmesse Leipzig. Sehen Sie die ganze Sendung als Video (45 Min.)
Wohin steuert Russland?
Peter Voß fragt Jörg Baberowski
Unsere Welt sieht sich mit Dutzenden von Bürgerkriegen und permanenter Gewalt konfrontiert. Gewalt sei immer eine "attraktive Handlungsoption", sagt Jörg Baberowski, Historiker und Stalinismusforscher an der Humboldt-Universität Berlin.
Jörg Baberowski hat sich lange Zeit mit der Geschichte der UdSSR und Russlands beschäftigt. Er gilt als ausgewiesener Experte für den Stalinismus und ist über die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu seinem neuen Forschungsgebiet gekommen: der Gewalt.

Gewalt verstehen
In seinem neuen Buch, dessen Veröffentlichung für den 24. September 2015 geplant ist, versucht der Historiker das Phänomen Gewalt zu verstehen: Nicht im Sinne des Verstehens von direkten Auslösern, der Ursache, des Motivs oder des rechtfertigenden Grundes für Gewalt, sondern auf einer theoretischen Ebene.

Seit Max Weber wissen wir, Gewalt ist die Durchsetzungsform der Macht und seit Heinrich Popitz ahnen wir, dass "keine soziale Ordnung (...) auf der Prämisse der Gewaltlosigkeit" beruht, auch nicht in unserer Demokratie. "Wir vertrauen auf die heilenden Kräfte der Zivilisation, weil wir uns in einer Welt eingerichtet haben, die von der Kraft des Arguments und der Anerkennung des Rechts strukturiert wird," schreibt Baberowski in einem Aufsatz in der historischen Fachzeitschrift "Zeithistorische Forschungen". Doch das Böse, das Gewaltsame ist ein Teil der "Grundausstattung der menschlichen Gattung" und nicht wie wir hofften eine Erscheinung, die nur in den weit entfernten Bürgerkriegsgebieten vorkommt.


Verrätselte Gewalt?
Angesichts der Nazidiktatur und des Stalinismus kommt Baberowski zu der Überzeugung, dass "die Gewalt eine Möglichkeit des Ausdrucks ist, der sich jedermann jederzeit bedienen kann, und dass diese Möglichkeit unter manchen Umständen attraktiv sein kann." Da wir uns das nicht eingestehen können 'verrätseln', wier die Gewalt "indem sie die Täter entweder pathologisieren oder die Gewalt rationalisieren. Dabei helfen ihnen die Verschleierungen, mit denen Täter ihre Gewalttaten ins Recht zu setzen versuchen: Sie hätten aus Rache oder Wut getötet, sagen sie, aus Hass oder ideologischer Verblendung, aus Freundschaft oder aus Gehorsam."

Die Einsicht, dass Gewalt nicht nur eine Folge fehlender Triebhemmung, mangelnder Vernunft oder Bildung, eine Folge von Unterdrückung oder Ungleichheit ist, sondern immer eine Handlungsoption darstellt, entspricht einem sehr düsteren, ja nietzscheanischem Menschenbild.

Hans Magnus Enzensberger hatte schon vor mehr als zehn Jahren das Ende der Phase der "regulierten" Gewalt zwischen Staaten proklamiert: Solche Kriege sind eine Sache des letzten Jahrhunderts. Der sehr viel ältere Krieg "aller gegen alle" feiere sein Comeback, sei es in den Bürgerkriegsgebieten oder in der U-Bahn einer deutschen Großstadt. "Wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, es herrsche Frieden, nur weil wir immer noch unsere Brötchen holen können, ohne von Heckenschützen abgeknallt zu werden", ätzt Enzensberger.

Sehen Sie am Montag, 18. Mai 2015, 23.10 Uhr eine neue Folge der Sendung "Peter Voß fragt ..." in welcher der Preisträger der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" 2012 Rede und Antwort steht.


Sendedaten
Montag, 18. Mai 2015, 23.10 Uhr

Am Folgetag können Sie ein Video der Sendung in der 3sat-Mediathek sehen

Peter Voß fragt
Peter Voß fragt Jörg Baberowski
"Die Ukraine (war) das Kernland des alten Imperiums. Der russische Gründungsmythos beginnt in Kiew", sagt der Historiker Jörg Baberowski. Was hat die Vergangenheit mit der aktuellen Krimkrise zu tun? Wie hat der Westen beim Konflikt in der Ukraine versagt?
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