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Thea Dorn
8. Mai
Ewig jung - Sehnsucht oder Alptraum?
"Thea" ist die weibliche Version von "Theós", also "Gott", und der Nachname klingt nicht einlullend harmonisch: "Dorn", wie Stachel, spitz, gefährlich. Der Name "Thea Dorn" passt einfach zu ihr ...
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Rüdiger Safranski
25. Januar
Zeit - oft zu viel, nie genug?
In seinem jüngsten Buch, einem philosophischen Essay, ist Rüdiger Safranski dem Phänomen der Zeit auf der Spur. Was macht die Zeit mit uns? Und was machen wir aus ihr?
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© dpa Video
Salafisten beten in Bonn. Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf beschäftigt sich mit der Frage, ob Gewaltbereitschaft dem Kern des Glaubens aller Weltreligionen entspringt. Sehen Sie die ganze Sendung (45 Minuten)
Mord als Gottesdienst?
Peter Voß fragt Friedrich Wilhelm Graf
Friedrich Wilhelm Graf vertritt eine, für einen evangelischen Theologen ungewöhnliche Meinung: Dem innigen Glauben wohnt im Kern etwas Gewalttätiges inne. "Gewaltbereitschaft und aggressive Enthemmung haben ihren Ursprung im Zentrum des religiösen Glaubens", sagt er. Wie kommt ein Kirchenmann zu dieser Einstellung?
Das Paradies - Sehnsuch nacht Gerechtigkeit
"Islam - der einzige Weg ins Paradies" steht auf einem Schild bei einer Demonstration von radikalen Moslems in Bonn. Wahrscheinlich möchte der junge Mann, der das Schild hält, einmal ins Paradies gelangen, da dort für ihn ein Zustand der Vollkommenheit herrscht. Es gibt dort keine Unordnung, nur Liebe, keine Sünde und keine Gewalt. In der Welt, in der der junge Mann lebt, ist das anders: Diese ist in seinen Augen von Gewalt, Verrohtheit und Verdorbenheit geprägt. Schuld daran sind die Menschen, die die gottgegebene Chance zum Frieden nicht nutzen. Die komplizierten, oft nicht zu durchschauenden Konflikte machen dem jungen Mann Angst.

Er ist sich aber sicher, dass er ins Paradies kommen wird, wenn er nicht vom Glauben abfällt. Doch die Versuchungen sind überall und er verachtet sie. Das Diesseits ist nicht seine Welt, er will es überwinden. Er will die Welt allerdings auch verändern, sie etwas besser, gerechter und paradiesähnlicher machen und andere überzeugen. Deswegen steht er mit dem Schild auf der Straße.


Religion ist nicht aus sich heraus Gut
© dpa Lupe
Friedrich Wilhelm Graf
Diese Weltsicht verbindet den Islamisten zum Beispiel mit einem extremen Christen. Für beide ist nur Gott, der Allmächtige Maßstab ihres Handelns und nicht irdische Schulgesetze oder die Gerichte. Sie können sich über diese hinwegsetzen, müssen es sogar, denn die Heilige Schrift und der Wille eines Allmächtigen sind stärker. Nicht nur radikalisierte Moslems lehnen die liberale Demokratie und universelle Menschenrechte aus diesem Grund ab, auch Teile der christlich-orthodoxe Kirchen sehen in der modernen Autonomie des Einzelnen nur egozentrische sündhafte Selbstbezüglichkeit und ein Angriff auf die Herrschaft Gottes, das sagt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf. An vielen Orten würden Christen, Hindus oder Moslems andersgläubige massakrieren, weil sie das göttliche Recht über das Irdische stellen würden.

Macht verlangt Kontrolle: Und Allmacht ?
Wie kommen diese Täter zu der Überzeugung? Ein Grund läge auch in der Logik des auf Gott bezogenen Allmachtdenkens: "Die Allmacht Gottes ist deswegen so gefährlich, weil sie sich jeder Menschlichen Kontrolle entzieht und so vielfältig missbraucht werden kann", sagt Graf. "Wenn Gott omnipotent ist, weshalb dürfen seine getreuen Diener daran nicht teilhaben dürfen?", fragt er in seinem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7.8.2014. Fundamentalisten "lieben ihren Gott in 'Ganzhingabe' so sehr, dass sie zum Tatopfer des eigen Leben bereit sind und menschliches Leben überhaupt mörderisch relativieren. Mord als Gottesdienst." Mord als weg ins Paradies, denn der Gläubige muss ihn verüben, um Gott zu gefallen und den richtigen Weg zu ende gehen. Eine Einstellung die sich nach belieben missbrauchen lässt. Der fundamentale, unreflektierende Glaube ist nach Graf für den Terrorismus verantwortlich. Dieser Erklärungsversuch ist nicht neu, das ein Theologe ihn überzeugend und differenziert darlegt schon.

Destruktive Potenziale des Religiösen
Die Kernthese Grafs hat vielleicht etwas tröstliches: Das Phänomen des islamischen Terrorismus und der Glaubensgewalt sei nicht neu. Es würden sich viele Parallelen zu der Entwicklung Europas zeigen. Hier sei die "Neutralisierung der destruktiven Potenziale des Religiösen, die Zivilisierung des christlichen Glaubens (...) ein langer konfliktreicher Prozess." Im Umgang mit politisch- religiösem Extremismus sei weniger eine Überlegenheitsattitüde angebracht sonder historische Selbstreflexion, so Graf.

Friedrich Wilhelm Graf wehrt sich andererseits auch gegen eine "Kuschelreligion". Denn diese versuche auf Kosten von historischer Genauigkeit und intellektueller Schärfe auf dem Markt der Sinnsuche ein möglichst weichgespültes Angebot anzubieten. Er widersetzt sich auch gegen die Mode eines neuen Atheismus, dem er denkerisch schwachbrüstige Polemik vorwirft. In seinem letzten, aufsehenerregenden Beitrag (siehe Link) diskutiert er das Verhältnis der Weltreligionen zur Gewalt.

Sehen Sie am Montag, 15. September 2014, 23.10 Uhr eine Sendung aus der Reihe "Peter Voß fragt …" in der der evangelische Teologe 45 Minuten lang Rede und Antwort steht.


Sendedaten
Peter Voß fragt Friedrich Wilhelm Graf : Mord als Gottesdienst?

Montag, 15. September 2014, 23.10 Uhr

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Politik und Religion
Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Graf: Religion ist mächtig: Das zeigt unter anderem der politisch-religiöse Radikalismus der Gegenwart. Auch in vielen modernen Gesellschaften sind die bleibende Vitalität der Religion und die Rückkehr religiöser Akteure zu erkennen. In seinem Vortrag spricht Professor Dr. Friedrich Wilhelm Graf über den Zusammenhang von Religion und Politik in der Gegenwart.
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