Übersicht
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
Navigationselement
Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
Navigationselement
© dpa Video
August 1994 in München: Marcel Reif (li.) und Günther Jauch, das ehemalige Fußball-Kommentatoren-Gespann bei RTL.
Sehen Sie die ganze Sendung (44:12 Min.)

"Leben für den Fußball?"
Peter Voß fragt Marcel Reif
"Noch nie hat dem Spiel ein Tor so gut getan, wie diesem", phrasierte Marcel Reif 1998 bei der Übertragung des Champions-League-Spiels Dortmund gegen Madrid. Das Tor war vor dem Anpfiff von Fans umgeworfen worden und 75 Minuten lang kommentierten Günther Jauch und Reif das Nichts.
"Dafür werden wir böse bezahlen müssen"
Reif bekannte später in einem Interview: "Ich hatte damals den Horror, ich habe gedacht, wir reden hier kompletten Unsinn, dafür werden wir böse bezahlen müssen. Aber die Zuschauerquote stieg, während Günther und ich herumquasselten. Die Quote sank erst, als das Spiel begann. Wunderbar." Günter Jauch entgegnete: "Nix, es war die Hölle!"

Live-Kommentatoren gingen unter die Heimwerker
© dpa Lupe
Marcel Reif, Sportkommentator
Immerhin bekamen die Beiden für die Begleitung der Reparaturarbeiten den Bayerischen Fernsehpreis. An das Spiel selbst kann sich heute so gut wie keiner erinnern (Real gewann 2:0 gegen Dortmund), an die Improvisationen der Kommentatoren schon: Günther Jauch kletterte auf einen Stuhl und führte vor wie groß das Tor sein musste.

Reif wollte Auslandskorrespondent werden
Das Kommentatorengespann trug über die Jahre dazu bei, dass die Übertragung der Championsleague für den Fernsehsender RTL erfolgreich war. Reif fungierte als Kommentator, und Jauch führte durch die - auf drei Stunden aufgeblähte - RTL-Sendung. Bekannt wurde Reif für seinen lakonischen Spielkommentar, der mit wenigen Worten und rhetorischen Vergnügungen glänzte. Manchmal rief diese Art auch den Zorn eingeschworener Fans hervor und trug ihm ab und zu den Ruf des überheblichen Intellektuellen ein. Sein solides Handwerkszeug lernte Marcel Reif beim ZDF. Ursprünglich aus der Politik-Redaktion kommend, wechselte er 1993 in das Sport-Ressort über. Fußball habe schon immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt, zum Beruf habe er es aber nie machen wollen, sagt er rückblickend.

Berthold Beitz rettete Marcel Reifs Vater
Der deutsch-schweizerische Journalist und Sportmoderator Marcel Reif wurde 1949 als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter im schlesischen Waldenburg geboren. Der jüdische Vater hatte Familienmitglieder im Holocaust verloren und entkam selbst nur knapp der Deportation. Er wurde vermutlich von Berthold Beitz, dem späteren Generalbevollmächtigten von Alfred Krupp, aus einem Güterwaggon geholt, der ihn ins Vernichtungslager bringen sollte. Doch über die Shoa habe sein Vater nie gesprochen, berichtet Reif. Vielleicht wollte er nicht, dass die Familie in jedem Deutschen einen potenziellen Täter und Mörder sehen würde, mutmaßt der Journalist in der Süddeutschen Zeitung.

Intellektuelles Aushängeschild
Mit fünf Jahren nahm ihn der Vater zum ersten Mal mit in ein Fußballstadion. Seitdem ist Marcel Reif leidenschaftlicher Fußballfan. Anfang der 50er-Jahre floh die Familie vor dem aufflammenden Antisemitismus in Polen nach Israel. Mit acht Jahren zog sie von Israel nach Kaiserslautern, wo Reif auch mit dem Fußballspielen begann.

Reif studierte Publizistik, Amerikanistik und Politik in Mainz und begann 1972 ohne Abschluss seine journalistische Karriere im Politikressort des ZDF. 1986 debütierte er als Kommentator beim Europapokal-Finale und kommentierte 1994 das Fußballl-WM-Finale zwischen Italien und Brasilien in den USA. 1994 sorgte er mit seinem Wechsel zum Kölner Privatsender RTL für Schlagzeilen. Marcel Reif erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. war er bester Fernseh-Kommentator 1996, Fußballreporter des Jahres 1997, und für seine WM-Reportagen erhielt er 2003 den Grimme-Preis. Er galt als "intellektuelles Aushängeschild unter den Reportern" und als "Meister in der Beschreibung und der Analyse von Fußballspielen". 2004 erschien seine Autobiografie mit dem Titel "Aus spitzem Winkel".


Literatur:
Marcel Reif: Aus spitzem Winkel. Fußballreporter aus Leidenschaft (mit Christoph Biermann). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-462-03373-5

Sendedaten
Montag, 18. August 2014, 22.55 Uhr
Berg und Geist
Marcel Reif
Er reflektiert seine Beziehung zum Berg als Metapher für die Spielformen des Lebens.
Kulturzeit
© dpaShitstorm gegen Marcel Reif
Kulturzeit (2006)
Fuball ist unser Leben - und Fernsehen auch
Eine Ausstellung beschreibt die enge Beziehung zwischen Ball und TV
Links