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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© dpa Video
Für ein Ende der Redeverbote: Arnulf Baring. Sehen Sie die ganze Sendung als Video (43 Min.)
Peter Voß fragt Arnulf Baring
Lieber unbequem als angepasst?
Dem Zeithistoriker und Publizisten Arnulf Baring kann man nicht vorwerfen, er würde ein Blatt vor den Mund nehmen. Unlängst veröffentlichte er in der Bildzeitung "7 Wahrheiten über uns Deutsche, die keiner hören will". Nun hat Baring, der sich selbst für schüchtern hält, seine Autobiografie geschrieben mit dem Titel: "Der Unbequeme".
Arnulf Baring, einer der profiliertesten deutschen Historiker, ist von Haus aus eigentlich Jurist. Sein Vater war Senatspräsident beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin. Die Rechtswissenschaft habe ihm nur Anfangs Freude gemacht, als "lösungsorientierte Denksportaufgabe", doch als Beruf oder gar als Berufung habe er das nie gesehen. Seine Interessen, das waren immer Menschen und Debatten. Nach der Abkehr vom Juristischen wendete er sich dem Historischen und Politischen zu und zeichnete nicht nur Geschichte auf, sondern schrieb auch Zeitgeschichte im besten Sinn.

Vom Genossen zum konservativen Vordenker
© dpa Lupe
Arnulf Baring
Eine Episode, auf die der konservativ-liberale Autor oft angesprochen wird, ist seine Mitgliedschaft in der SPD. Von 1952 bis 1983 war er Genosse und machte zusammen mit Günter Grass den Wahlkampf für Willi Brandt: "Ich war gerne Sozialdemokrat in den 60ern", sagt er heute. Dann wurde Baring, weil er Hans-Dietrich Genscher im Bundestagswahlkampf unterstützt hatte, aus der SPD ausgeschlossen. Seine Meinung klar artikulieren zu können war ihm stets wichtiger, als die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Anscheinend dramatisch war sein Kontakt zur 68er-Bewegung: Als aufstrebender Akademiker, gerade aus den USA zurück, traf er auf Jugendliche, die (wie er empfand) scheinheilig alles ablehnten, wofür die Generation der Eltern stand. Der "Hass auf uns junge Professoren, unvorstellbar. (...) Mein Freund Hermann Rudolph (Herausgeber des Tagesspiegels) meint, das habe meinesgleichen deformiert." Barings Abneigung gegen 1968 ist in seiner Autobiografie an vielen Stellen zu bemerken. Insgesamt sind seine "autobiografischen Notizen" kein altersmildes Werk. Zu lustvoll breitet der Autor seine politischen Überzeugungen und seine Weltsicht aus, so zum Beispiel zur europäischen Integration: Schon 1997 proklamiert er in seinem Buch "Scheitert Deutschland?": "Die Währungsunion wird daher am Ende auf ein gigantisches Erpressungsmanöver hinauslaufen. Man wird uns sagen: Wenn ihr wollt, dass die Währungsunion funktioniert und uns Europa nicht um die Ohren fliegt, dann müssen wir künftig Transferzahlungen leisten."


"Ich bin einfach ein Patriot"
Die weiteren Themen, um die er nicht nur in seinen Büchern, sondern auch in der Bildzeitung kreist, sind das Bekenntnis zur deutschen Nation, die Relativierung der Zeit von 1933 bis 1944 als schrecklichen Unfall der deutschen Geschichte und die Sorge vor der Überforderung des Sozialstaats. Zuletzt tat sich Baring mit der Kritik der Merkel-CDU hervor: Sowohl die Abschaffung der Wehrpflicht, als auch die Energiewende mit dem Atomausstieg hält er für einen großen Fehler: "Die CDU hat alle klassischen Positionen geräumt! Die Wehrpflicht – abgeschafft. Atompolitik – komplette Wende binnen eines Jahres, und das aus Opportunismus," schrieb er schon 2011 in der Bildzeitung.

Man kann sich Arnulf Baring schwer als deutschen Juristen vorstellen, der seine Argumente abwägend in Gutachten vorstellt. Er wäre sicherlich nicht glücklich geworden, wenn ihm das Rederecht nur zeitweise vom Richter verliehen worden wäre. So ist seinem Naturell der Beruf des Publizisten und des Professors für Politikwissenschaft sicherlich näher: "Während meiner Zeit als Hochschullehrer fürchtete ich mich immer davor, man könnte mich nach meinen wissenschaftstheoretischen Prämissen fragen. Um ehrlich zu sein: Es gab und gibt sie nicht. Meine Urteile entstehen aus der Anschauung. Nur Konkretes ist mir wichtig, lebendige Erfahrung, beatmet von dem, was man das pralle Leben nennt," schreibt er in seinem neusten Werk.


Literatur:
Arnulf Baring: Der Unbequeme - Autobiografische Notizen. Gebundene Ausgabe: 400 Seiten. Europa Verlag 2013, ISBN-13: 978-3944305127

Sendedaten
Montag, 17. März 2014, 23.10 Uhr
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