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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© Horst Galuschka/dpa Video
Die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Adriana Altaras Sehen Sie die ganze Sendung als Video (45 Min.)
Peter Voß fragt Adriana Altaras
"Heimat - gibt's das?"
Theatergründerin, Schauspielerin, Regisseurin, Buchautorin - Adriana Altaras ist ein quirliges Multitalent. Geboren als einziges Kind jüdischer Eltern in Kroatien, wächst sie in Italien und Deutschland auf. Peter Voß fragt Adriana Altaras: "Heimat - gibt's das?"
In ihrem 2011 erschienenen autobiografischen Erstlingsroman "Titos Brille" schildert Adriana Altaras ihre turbulente jüdisch-internationale Familiengeschichte. Mit vielseitigem Witz und warmherzigen Humor beschreibt sie das ganz und gar nicht leichte Leben ihrer Verwandtschaft im Nachkriegseuropa. Doch auch ihr eigenes Leben verlief alles andere als gewöhnlich: Adriana Altaras wurde 1960 in Kroatien geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Italien und der Schweiz. Mit sieben Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihr Vater, ein Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten im ehemaligen Jugoslawien, gründete im Jahr 1978 die jüdische Gemeinde in Gießen. Nach seinem Tod führte seine Frau den Vorsitz weiter.

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2004 - ihr Vater war bereits drei Jahre zuvor gestorben - zwingt die Auflösung der elterlichen Wohnung sie zur intensiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Erstaunt bis fassungslos kämpft sie sich in der Wohnung, in der 40 Jahre nicht ausgemistet wurde, durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und alte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht - ihr Vater hatte beispielsweise mehrere Geliebte - sie gewinnt auch einen neuen Blick auf ihr eigenes Leben und ihre Herkunft. Sie frischt Kontakte auf und knüpft neue zu über die halbe Welt verstreuten Verwandten. Stets präsentes Thema ist die eigene Identität, das Jüdischsein. Sie reflektiert über ihr eigentlich ganz normales chaotisches Leben in Berlin mit zwei Söhnen und einem nichtjüdischen Ehemann, der viel Verständnis aufbringt für ihre Neurosen.


Schlagfertiges Multitalent mit Mut zur Kritik
© Erwin Elsner/dpa Lupe
Adriana Altaras
In ihren literarischen Ausführungen erweist sie sich als selbstironisch und schlagfertig. Doch nicht nur dort, auch im öffentlichen Leben: Adriana Altaras mischt sich ein und nimmt kein Blatt vor den Mund - egal ob es um die Darstellung von Migranten im Fernsehen geht, um Beschneidung oder die jüdische Kultur in Deutschland. Die Frage nach der Heimat wurde ihr schon häufiger gestellt. In einem Interview im Tagesspiegel erwiderte sie darauf: "Drehen wir den Spieß doch mal um: Haben Sie eine Heimat?" [...] "Sehen Sie: Da stockt Ihnen auch kurz der Atem."

Adriana Altaras arbeitet gerade an einem zweiten Roman und erweist sich schon seit geraumer Zeit als Multitalent. Sie studierte in Berlin Schauspiel an der Hochschule der Künste und war Mitbegründerin des freien Theaters zum Westlichen Stadthirschen. Dort war sie neben der Schauspielerei auch als Regisseurin und Autorin tätig. Daneben trat sie als Schauspielerin in zahlreichen Gastengagements auf, unter anderem am Maxim-Gorki-Theater und an der Freien Volksbühne Berlin.

Ab den 1980er Jahren arbeitete sie auch mit dem Regisseur Rudolf Thome zusammen. Sie spielte in mehreren seiner Filme mit, für ihre Rolle in dem Film "Das Mikroskop" erhielt sie 1988 den Deutschen Filmpreis. Altaras blieb jedoch weiterhin dem Theater eng verbunden und konzentrierte sich zunehmend auf die Regie. Bekannt wurde sie unter anderem für ihre Inszenierung der "Vagina-Monologe", einer Sammlung von Interviews der Autorin Eva Ensler über die sexuellen Erfahrungen von Frauen.

Neben ihrer Arbeit am Theater unterrichtete Altaras auch an Berliner Hochschule der Künste und war als Interviewerin für die Shoah Foundation tätig, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebensgeschichten von Überlebenden des Holocausts zu bewahren.Ihr schauspielerisches Talent hat sie jedoch nicht nur als Dozentin für "Szenische Arbeit" weitergegeben. Auch ihr Sohn Aaron ist ein talentierter Schauspieler. Als Zwölfjähriger erhielt er den Publikumspreis der Marler Gruppe beim Adolf-Grimme-Preis 2007 für seine Darstellung im Film "Nicht alle waren Mörder".


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Montag, 10. Februar 2014, 23.05 Uhr
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