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19. Juni
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© dpa Video
Einer der profiliertesten deutschen Intellektuellen: Rüdiger Safranski. --> Sehen Sie die ganze Sendung als Video (45 Minuten)
Peter Voß fragt Rüdiger Safranski
Goethe - ein Kunstwerk?
Über keinen wurde mehr geschrieben, über keinen wurde mehr gesagt: Johann Wolfgang von Goethe, Deutschlands größtes Sprachgenie. Ist ein weiteres Buch über ihn überflüssig? Nein, denn zum einen braucht jede Zeit ihre eigene Goethe-Interpretation, und zum anderen kommt das Buch von Rüdiger Safranski.
Rüdiger Safranski ist in den letzten Jahrzehnten zu einem der Experten für die deutschen Kulturgrößen der Romantik geworden. Seine Biografien über Schiller, Hoffmann und zuletzt Goethe kommen unprätentiös daher, sind eingängig und gut zu lesen, wirken elegant und werden immer dem intellektuellen Kern ihres Gegenstandes gerecht.

Jetzt hat sich der Meisterbiograph Safranski nach Schiller, nach der Freundschaft von Schiller und Goethe, an den Olympier selbst gewagt. "Goethe - Kunstwerk des Lebens" heißt seine gelungene Bestandsaufnahme, die beweist, dass Goethe auch für unsere Zeit immer neu gelesen werden kann, ja muss. Das erstaunliche ist, dass Safranski Goethes Leben als eine Art Beispiel für das "gute und glückliche Leben" sieht. Safranski stellt uns Goethe als einen rundum glücklichen Menschen vor, weil er die Kunst zu leben beherrscht habe.


Rat vom Geheimrat: Goethes Lebensklugheit
"Man muss wissen, was man in sich hereinlässt und was nicht. Goethe wusste es, und das gehörte zu seiner Lebensklugheit", beschreibt Safranski Goethes "geistig-selisches Imunsystem". Er schildert uns das Leben des Genies - trotz seiner Krisen - als von der Leichtigkeit des Seins beflügelt. Goethe ordne sein Leben der Kunst nicht unter, sondern das "Kunstwerk des Lebens", so der Untertitel des Sachbuchs, steht im Mittelpunkt seines Schaffens: beginnend beim Wein, der schon im Elternhaus eine Rolle spielte, den Frauen, den Reisen, der Ruhe, aber auch dem lustvollen Arbeiten, das alles kann Goethe vortrefflich genießen. Es scheint, als brauch jede Generation ihre eigene Goethe-Deutung - Safranski hat die des 21. Jahrhunderts abgeliefert.

Der 1945 in Rottweil geborene Autor berichtete in einem Interview, dass in seiner Studienzeit immer die Rede davon gewesen sei, man müsse das "Denkmal Goethe" vom Sockel stoßen. 1968 war die Goete-Interpretation entsprechend: ein Bürgerlicher, der sich im Zentrum der feudalen Gesellschaft sonnt und der nichts mehr fürchtet, als die Erhebung der Massen, wie in der Französischen Revolution. Safranski, so berichtete er selbst, nickte zu diesen Ausführung, aber er habe in Wirklichkeit keinen Sockel gesehen, sondern nur einen überaus vernunftbegabten Menschen. Diese Grundhaltung spiegelt sich in seinem Buch überall wohltuend wieder.

Sehr nahe an Primärquellen stellt Safranski das Genie Goethe vor, ohne ihn zu überhöhen. Ein Universalgenie ist er wohl nach den Ausführungen des Autors nicht gewesen; er habe in "Naturforschung deletiert", schreibt er schon in der Einleitung. Safranski bedient sich nur an Werken, Briefen, Tagebüchern, Gesprächen und Aufzeichnungen von Zeitgenossen. So wird Goethe ungewohnt lebendig: Ein junger Mann aus gutem Hause, dem Studentenleben zugetan und dauerverliebt, wird Bestsellerautor, bekommt eine gute Anstellung, flüchtet nach Italien und lebt in wilder Ehe. Sein Lebens- und Spätwerk "Faust" vereinigt - alles. Was man wissen kann, hier wird es künstlerisches Ereignis. Aber weil ihm das Dichten zu leicht fiel, verlegte sich Goethe aufs mühselige Leben. Am Ende war er auch dabei erfolgreich, nämlich Staatsminister in Weimar. Welch eine Karriere! Safranski hat all das zu einem packenden Buch über einen großen Mann vereint.

Sehen Sie am Montag, 2. Dezember 2013, 22.30 Uhr eine Gespräch von Gastgeber Peter Voß mit Rüdiger Safranski. War "Goethe - ein Kunstwerk?", so die Eingangsfrage zu dem großen Stürmer und Dränger, der schon mit seinem Debüt "Die Leiden des jungen Werthers" die deutsche Sprache revolutionierte. Mit ihm hat das Herz zu sprechen begonnen...


Literaturhinweise:
Rüdiger Safranski: Goethe - Kunstwerk des Lebens Hanser, 2013; 27,90 Euro


Sendedaten
Montag, 2. Dezember 2013, 22.30 Uhr
Peter Voß fragt ...
© dpaSind wir Deutsche hoffnungslose Romantiker?
Peter Voß im Gespräch mit Rüdiger Safranski - Sendung vom 15. Oktober 2007
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