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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio...
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© dpa Video
Wolfgang Huber - Bischof im "Unruhestand"
Sehen Sie die ganze Sendung als Video (44 Minuten)

Peter Voß fragt Wolfgang Huber
"Moral - eine Glaubensfrage?“
Wolfgang Huber ist einer der profiliertesten Theologen Deutschlands. Von 1994 bis 2009 war er Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche hat viele Denkprozesse in seiner Kirche angestoßen, die heute noch nachwirken.
Ehe stärken oder die Vielfalt der Lebensformen?
"Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los" heißt es im Zauberlehrling. So ähnlich muss sich der ehemalige Bischof Wolfgang Huber im Juni dieses Jahres vorgekommen sein, als er das Ergebnis der von ihm initiierten Studie "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" las. Auf 150 Seiten war da Umstrittenes zu lesen: Die traditionelle kirchliche Ehevorstellung sei überholt und müsse auch auf gleichgeschlechtliche Paarbeziehungen ausgeweitet werden. Ohne eine konkrete Textstelle zu nennen, behauptet die Studie diese "anderen Paare" seien ja auch schon in der Bibel zu finden.

Gut vier Jahre hatte eine eigens eingerichtete Kommission über den Leitfaden gebrütet und das Ergebnis "stellt fast alles auf den Kopf, was Huber sich vorgestellt hatte", so Marie Wagner in der FAZ vom September: Gestärkt würde nicht die Ehe, sondern "Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Geschiedene, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, ob mit Kindern oder ohne, und die 'Vielfalt der Lebensformen' im Allgemeinen."


Stellenwert der Ehe in der evangelischen Kirche
© dpa Lupe
Wolfgang Huber 2006
Die Verfasser verweisen darauf, dass es nicht ihr Auftrag gewesen sei, eine Orientierungshilfe für die "christliche Ehe" zu erarbeiten. Gesellschaftlich würden auch andere Lebensformen den religiösen Grundsätzen nicht entgegenstehen. Was nütze eine Ehe, wenn sie nur als Institution existiere, aber frei von Treue, Verlässlichkeit, Liebe und Verantwortung sei? Dagegen könne eine Partnerschaft diese Werte auch erfüllen und es gelte diese nicht aus der Evangelischen Kirche auszuschließen.

Der Streit in der Evangelischen Kirche zu diesem Thema schwelt weiter, doch Wolfgang Huber ist inzwischen nicht mehr im Amt. Im November 2009 legte er sein Bischofsamt der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und den Ratsvorsitz der EKD nieder und begab sich in den Ruhestand - oder sagen wir besser in die "Unruhestand". Zu der Studie hat er sich bisher noch nicht geäußert.


Banken, Klonen und Fußball
In strittige theologische Fragen und gesellschaftliche Probleme mischt er sich aber weiterhin lebhaft ein. Jüngst erschien sein Buch "Ethik. Die Grundfragen unseres Lebens von der Geburt bis zum Tod." Seine Ausführungen über Ehe und Familie in diesem sind eher als Ratgeber und Orientierungshilfe geeignet, als die erwähnte Studie. Doch wie der Titel schon verrät, ist das Werk Thematisch sehr umfassend konzipiert und auch Fragen der Wirtschaftpolitik, Medizin, Klimawandel und Terrorismus haben zum Beispiel darin Platz. Ebenso äußert sich Huber in Zeitschriften und Zeitungen zu aktuellen Themen: sei es die Ethik der Banken, medizinisches Klonen oder Fußball.

"In seiner Person verbinde sich die Glaubwürdigkeit des Pastors, die Akribie des Professors sowie der Instinkt und die Entschlossenheit des Politikers", schrieb Verena Müller zu Hubers 70. Geburtstag. So ist es nicht verwunderlich, dass er auch auf der Kandidatenliste für das Bundespräsidentenamt stand.

Sehen Sie am Montag, 21. Oktober 2013, 22.45 Uhr eine Folge der Sendung Peter Voß fragt mit Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber.


Literatur:
Wolfgang Huber 2013: Ethtik. Die Grundfragen unseres Lebens von der Geburt bis zum Tod. München, ISBN 978-3-406-65560-9.

Wolfgang Huber 2012: Von der Freiheit. Perspektiven für eine solidarische Welt. Herausgegeben von Helga Kuhlmann und Tobias Reitmeier, München.


Sendedaten
Montag, 21. Oktober 2013, 22.45 Uhr
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"Hat die Volkskirche eine Zukunft?"
Peter Voß fragt Bischof Wolfgang Huber (2008)
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