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Peter Voß fragt ...
10. April
Mohammed - Ende eines Tabus?
Hamed Abdel-Samad polarisiert die Öffentlichkeit mit seinen islamkritischen Thesen. In seinem jüngsten Buch rechnet er schonungslos mit dem Propheten Mohammed ab und fordert auf, ihn als Mensch in seinem historischen Kontext zu betrachten.
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Jörg Baberowski
14. Dezember
Gewalt - und kein Ende?
Warum tun Menschen einander Gewalt an? Laut Jörg Baberowski ist diese Frage ganz einfach zu beantworten: Weil sie es können. Der Mensch sei zur Empathie genauso fähig, wie zur Gewalt.
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© WDR/dpa Video
So dominierte in den 1980er Jahren die Berichterstattung aus Moskau: Ruge auf dem Roten Platz. Sehen Sie die ganze Sendung als Video (44 Minuten)
Peter Voß fragt Gerd Ruge
Einmal Reporter, immer Reporter?
Ohne ihn werde der Rote Platz in Moskau leer aussehen, schrieb eine Tageszeitung, als sich der langjährige Korrespondent Gerd Ruge 1993 in Pension begeben wollte. Ein schöneres Kompliment kann ein Fernsehjournalist nicht bekommen.
Journalistische Instanz der analogen Welt
© WDR/dpa Lupe
Gerd Ruge als Korrespondent in Washington
Er ist wohl einer der profiliertesten Korrespondenten der ARD: Gerd Ruge, inzwischen 85 Jahre alt, aber immer noch "unterwegs" und für seine Reisereportagen bekannt. Sein Markenzeichen: Er berichtete von den Fronten des Kalten Krieges, aus Moskau, Peking und den USA, er berichtet von den "einfachen" Menschen. Ruge erklärte als Korrespondent den Deutschen die Welt, als sie noch analog war. Ein Reporter brauche zwei gesunde Beine und eine große Neugier auf alles und jeden, das war und ist sein Motto. Aber es bedarf auch eines glücklichen Zufalls, das macht die Lektüre seiner Autobiografie "Politische Erinnerungen" deutlich, die vor einigen Monaten erschienen ist.

Die Verkettung von mehreren Zufällen brachte Ruge zum ersten Mal in den Ostblock nach Jugoslawien. Als angehender Journalist lernte er in London eine Frau kennen, die sich als Tochter des amerikanischen Botschafters herausstellt. Auf ihrer Party diskutierte er rege über den Kommunismus mit einem Jugoslawienexperten mit Beziehungen nach Belgrad. Einige Zeit später flatterte ein Visum für Jugoslawien auf seinen Tisch. Vom Intendanten des damaligen WDR bekam er 5000 DM und schon trugen ihn seine Beine in Richtung Osten.


Der KGB war überall, auch in den Bäumen
© WDR/dpa Lupe
"Gerd Ruge unterwegs" hieß bezeichnenderweise eine Sendung von 1993. Hier steckte das Team drei Tage lang in der auftauenden Tundra fest.
Seine Neugier half nur manchmal, die rigide Informationspolitik der stalinistischen UdSSR zu durchbrechen. Im Moskau der 1950er Jahre war man als Korrespondent total abgeschottet von der Normalbevölkerung, erzählt Ruge. Der KGB überwachte ausländische Korrespondenten auf Schritt und Tritt. Einmal, als er Boris Pasternak, den Autor von "Dr. Schiwago" besuchen wollte, versuchte Ruge seine Beschatter abzuschütteln. Nach der Fahrt mit Taxi, U-Bahn, Zug und zuletzt einem Fußmarsch über offenes einsehbares Gelände war sich Ruge sicher, seine Verfolger hinter sich gelassen zu haben. Zwanzig Jahre später traf er durch Zufall einen ehemaligen KGB-Agenten: Er schenkte ihm ein Foto, auf dem er und Pasternak Spazierengehen, aufgenommen aus dem Wipfel eines Baumes. Der Agent sagte: "Ihnen wird es gefallen, wir brauchen es nicht mehr." Pasternak wusste im übrigen, dass Telefone abgehört und Briefe gelesen wurden. In einer Art Selbstbetrug, so Ruge, habe er aber geglaubt, dass Postkarten vor dem KGB sicher seien, die würden sie nicht ernst nehmen. Also kommunizierten Ruge und Pasternak über Postkarten.

Dort Unterwegs, wo etwas passiert
Ruge war Reporter in den USA, als Martin Luther King und Robert Kennedy ermordet wurden. Er war in Vietnam, als der Krieg ausbrach, er war in China, als die Bevölkerung und Studenten einen Aufstand auf dem "Platz des himmlischen Friedens" versuchten, er war in Moskau, als mit Gorbatschow die Wende kam und als das Militär versuchte, gegen Putin zu putschen. Ruge war Reporter, wenn nicht sogar der Reporter. Nur einmal, 1984 versuchte er sich in der Hierarchie der ARD und wurde Fernsehchefredakteur. Karriere in einem Büro war anscheinend nichts für ihn - nach zwei Jahren zog es ihn wieder hinaus in die Welt, dort, wo etwas passiert. Sehen Sie am Montag, 16. September 2013, 22.25 Uhr eine Folge der Sendung "Peter Voß fragt ..." mit Gerd Ruge.

Literatur:
Gerd Ruge "Unterwegs: Politische Erinnerungen"
Hanser Berlin 2013
ISBN-13: 978-3446243699

Sendedaten
Montag, 16. September 2013, 22.25 Uhr
SWR
© Hanser BerlinSWR-Kulturgespräch: "Der Welterklärer" -Gerd Ruge erinnert sich in seinem neuen Buch "Unterwegs" an die prägenden Stationen seines Journalistenlebens
Porträt
Am Puls der Zeit
Gerd Ruge gilt als Pionier der Auslandsreportage. Fast jeder kennt ihn aus dem Fernsehen, hat irgendeine Reportage von ihm gesehen - aus Russland, China, den USA, Korea, Jugoslawien. Seine vernuschelte Aussprache bei Schalten in den "Tagesthemen" wurde zu einer Art Markenzeichen. Jetzt hat er mit "Unterwegs: Politische Erinnerungen" seine Memoiren geschrieben.
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