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Peter Voß fragt Hans-Werner Sinn
20. November
Staatsschulden: Zement oder brüchiger Kitt?
Wird sich im Sprachgebrauch neben dem "Schwarzen Freitag" (1929) auch der "Schwarze Juni" als Redensart einbürgern?
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Peter Voß fragt Udo Di Fabio
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© dpa/Marius Becker Video
Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Sehen Sie die ganze Sendung (45 Minuten)
Peter Voß fragt Alois Glück
Franziskus - Papst des Aufbruchs?
Bricht mit Papst Franziskus eine neue Ära in der katholischen Kirche an? Große Erwartungen richten sich an den argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der als erster Lateinamerikaner zum Papst gewählt wurde. Auch Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hofft durch den neuen Papst auf Veränderung bisheriger Strukturen. Ohnehin zeigt sich Glück im Gespräch mit Peter Voß als reformfreudiger Konservativer.
Glück baut auf die zusätzlichen Kräfte, die durch die Wahl des neuen Papstes Franziskus freigesetzt werden. Der Pontifex überraschte auf dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro mit offenen Worten zum Verständnis für Homosexuelle, mehr Einbindung von Frauen und Hoffnung für wiederverheiratete Geschiedene. "Der Papst ist dabei, die Gesprächskultur in der katholischen Kirche zu verändern", sagte Alois Glück der Nachrichtenagentur dpa. Gleichwohl gilt auch Franziskus als konservativ, und Kritiker erwarten keine Änderung der kirchlichen Lehre zu Fragen der Sexualität, sei es der Gebrauch von Verhütungsmitteln, Abtreibung oder gar einer Befürwortung der gleichgeschlechtlichen Ehe.

Gleichwohl begründet Glück im Gespräch mit Peter Voß seine optimistische Einschätzung auf Veränderungen: "Dieser Papst hat eine andere Erfahrungswelt, einen anderen Blickwinkel, und er setzt andere Kräfte in der Kirche frei. [...] Es wird wieder offener geredet über Themen, die man in der Vergangenheit eher verdrängt hat." Und weiter: "Dieser Papst sagt: 'Geh zu den Menschen, bleib nicht im Kirchenmilieu! Nimm die Menschen ernst!' Und das ist, glaube ich, eine der wichtigen Voraussetzzungen."


Glück, ein Reformer der Kirche
Der ZdK-Präsident begrüßt die Beschäftigung des Papstes mit bislang tabuisierten Themen. Glück selbst setzt vor allem auf den Dialog hinsichtlich einer pastoralen Überarbeitung der Ehescheidung. "Das ist in Deutschland ein ganz heiß diskutiertes Thema bei den Menschen, die nach einer Scheidung wieder heiraten, deswegen nicht zu den Sakramenten zugelassen sind und sich von der Kirche abwenden", sagt der frühere Spitzenpolitiker.

Alois Glück fordert Reformen: Er zielt auf ein Überdenken in der Diskussion um den Zölibat und eine wesentlich stärkere Einbindung von Frauen in die Arbeit der Pfarreien. "Die Abschaffung des Zölibats ist keine Zauberlösung, doch es würde dadurch sicher mehr Priester geben", betont der ehemalige CSU-Spitzenpolitiker. Er befürwortet überdies "ein gemeinsames Priestertum der Getauften und Gefirmten" gegenüber einer Abschottung des Klerus. Die katholische Kirche stehe an einer historischen Weggabelung. Entweder es komme zu zentralistischen Lösungen in den Gemeindestrukturen oder zu einer neuen Aufgabenverteilung zwischen Priestern und Laien.


Ein politischer Vordenker
© dpa/Andreas Gebert Lupe
Alois Glück und Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel am 29.06.2013 im Camp einer Gruppe hungerstreikender Asylbewerber in München
Als Politiker konnte Alois Glück nicht immer so intensiv seinen Überzeugungen folgen. "Manchmal habe ich sicher etwas politisch vertreten, was ich persönlich nicht für richtig hielt", "wenn ich jetzt als ZdK-Präsident spreche, bin ich freier, aber ich vergesse nicht die Erfahrungen aus der Politik" so Glück, der bis vor fünf Jahren Präsident des Bayerischen Landtags war und zuvor CSU-Fraktionsvorsitzender in Bayern.

Politisch spricht er sich für eine Veränderung der Asylpolitik in Bayern aus. Im Juni war Glück zusammen mit dem früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel als Vermittler zur Beendigung eines Hungerstreiks von 50 Asylbewerbern in München gescheitert. Die Polizei räumte daraufhin das Lager. Glück plädiert dafür, die Situation von Asylbewerberfamilien und ihren Kindern in Gemeinschaftsquartieren zu erleichtern, Verfahren abzukürzen und Flüchtlingen mehr Reisefreiheit zu gewähren.

Schon mit seinem im Jahr 2009 veröffentlichten Buch "Warum wir uns ändern müssen. Wege zu einer zukunftsfähigen Kultur." zeigt Glück sich als konservativer Reformer. Er plädiert darin für nachhaltiges Denken und Handeln und führt dies bei Peter Voß weiter aus: "Die Politik war ganz stark ausgerichtet auf Arbeitseffizienz, immer noch produktiver werden. Was wir jetzt künftig brauchen, ist Ressourceneffizienz, d. h. wir müssen lernen zu wirtschaften mit weniger und immer weniger Ressourcenverbrauch." Glück plädiert überdies für eine Rückkehr zur Substanz der Sozialen Marktwirtschaft - im Gegensatz zum heute immer mehr vorherrschenden Finanzkapitalismus, bei dem nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern die Kapitalrendite.


73 Jahre Glück
Alois Glück ist eines der CSU-Urgesteine, er war Rekord-Fraktionsvorsitzender im bayrischen Landtag von 1988 bis 2003, aber ganz in die erste Reihe hat er nach eigener Aussage nie gewollt. Als Fraktionsvorsitzender hat Glück die Legislative gegenüber einer selbstherrlichen Regierung immer verteidigt. Er galt als Grübler, Zweifler, aber auch als Vordenker der CSU, der sich neuen ökologischen und liberalen Themen öffnete.

Der ehemalige CSU-Vordenker Alois Glück will auch in den kommenden Jahren das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) führen. 2009 wurde Glück zum ZdK-Präsidenten gewählt. Seine Wiederwahl im November gilt als sicher.

Der Präsident der katholischen Laienbewegung ist ein Bauernsohn aus dem Traunsteiner Land, mit 17 Jahren musste er für den im Krieg gefallenen Vater den elterlichen Hof übernehmen. Alois Glück, 1940 geboren, wurde Journalist, dann Politiker in der CSU. Seit 1983 ist er Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und seit 2009 dessen Vorsitzender. Das ZdK ist das oberste Gremium der Laien in der katholischen Kirche.


Sendedaten
Montag, 19. August 2013, 22.25 Uhr
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