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Peter Voß fragt ...
19. Juni
Der Westen - ein Auslaufmodell?
Wir können Einwanderer nicht mehr so einfach integrieren wie noch vor 50 Jahren. Das sagt Ex-Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio. Der Grund: Der Westen verliert seine Identität.
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Denis Scheck
15. Februar
Peter Voß fragt Denis Scheck
Für Bücher, die ihm nicht gefallen, findet er deutliche Worte. Entzückt spricht er von Lektüre, die er gut findet: Scheck ist einer der wichtigsten Köpfe des Literaturbetriebes.
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© dpa Video
Peter Sloterdijk Sehen Sie die ganze Sendung als Video (43 Minuten)
Peter Voß fragt Peter Sloterdijk
Skandale, Skandälchen - spinnen wir etwa?
Wulf, Steinbrück, Brüderle, Schavan - nach dem Skandal ist vor dem Skandal. Was treibt uns an, uns andauernd aufzuregen? Lohnen die Anlässe? Der Philosoph Peter Sloterdijk weiß eine Antwort: Wir sind eine Erregungsgesellschaft.
Sloterdijk will Doktorgrad unantastbar machen
Im Zusammenhang mit dem Fall Schavan übt der Philosoph Peter Sloterdijk scharfe Kritik an der Aberkennung von Doktortiteln und sieht damit die Universität generell in einem "gefährlichen Fahrwasser". Solche Aberkennungen seien für die Universität "verheerend" und "selbstzerstörerisch", sagte Sloterdijk. Wenn jetzt Promotionsausschüsse hinter verschlossenen Türen tagten, während draußen schon die Kameraleute warten, dann haben sie schon gegen den Geist ihrer Institution so gravierend verstoßen, dass es eigentlich egal ist, ob sie positiv oder negativ entscheiden".

Echokammer für Hysterien und Vorwürfe
Lupe
Wissenschaftliche Sprache, so Sloterdijk, bestehe darin, dass man dasselbe auf verschiedene Art und Weise sagen, also paraphrasierenkönne. Mit den Suchmaschinen decke man nun Ähnlichkeiten auf,"die in der Natur der Sache liegen und nicht immer in einer plagiatorischenAbsicht begründet sind". Die Lösung könne nur darin liegen, dass bei der Promotion künftig viel strengere Maßstäbe angewandt werden müssten, der einmal verliehene Doktortitel dürfe dann aber nicht mehr aberkannt werden, sondern müsse unantastbar sein - "fast wie eine Priesterweihe". Sonst komme man "in eine nie mehr endende Treibjagd hinein".

Ein Gedanke den er in seinen 2012 erschienenen Tagebuchaufzeichnungen schon im schwerwiegenderen Fall zu Guttenberg aufgeschrieben und veröffentlicht hat: "Nach zu Guttenbergs Rücktritt tönt es aus allen Medien: Jeder ist ersetzbar (...). Ein akademischer Titel sollte ein "Character inderlibilis" sein, gegen den kein späterer Einspruch mehr erhoben werden kann. Andernfalls (würde) der inquisitorische Mob zur Kommission und die Zeitungsredaktion zum Prüfungsamt." Deutschland sei, so Sloterdijk, eine "Echokammer für Hysterien und Vorwürfe" und für "sinnlose Aufregung".


Marktwirtschaft: "Semi-Sozialismus" mit Eigentum?
Doch Sloterdijk analysiert auch die Funktion dieser aufgeregten Öffentlichkeit: Nachrichten, über die wir reden, schweißen uns zusammen, die Medien liefern und wir ereifern uns, auch über Sportereignisse. Sloterdijk ist nicht nur begeisterter Radfahrer, wie kaum ein anderer Philosoph hat er über den modernen Sport nachgedacht, über die Auswüchse des Dopings, aber auch über die Hoffnung, dass die Schönheit der Athletik Oberhand gewinnt über die nüchternen Bilanzen des nackten Erfolgs.

Doch neben der Analyse der Aufmerksamkeitsindustrie und ihrer Mechanismen beweist Sloterdijk, dass er auch auf ihrer Klaviatur spielen kann. Gezielte Skandalisierung erzeugt Aufmerksamkeit, sei es sein Plädoyer für einen gentechnisch aufgerüsteten "Menschenpark", oder wenn er die "Soziale Marktwirtschaft" als einen "Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage“ beschreibt.


Peter Sloterdijk, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, ist ein Philosoph ohne Scheuklappen, ein engagierter Denker, der sich in gesellschaftliche Debatten einmischt, ja mehr noch, sie oft genug provoziert. Zuletzt hat sein Vorschlag einer Steuer auf freiwilliger Basis für Furore gesorgt.

Die Sendung mit dem Titel "Skandale und Skandälchen - spinnen wir etwa?" wird am Montag, 18. Februar 2013 um 22.25 Uhr auf 3sat ausgestrahlt.

So schöne Sätze wie : "Das eigene Gehirn ist wie das Zentralkomitee einer Partei, die zu lange an der Macht war." finden sich in:

Peter Sloterdijk, Zeilen und Tage, Notizen 2008 bis 2011, SuhrkampVerlag München, 24,95 Euro, ISBN 978-3-518-42342-4

Das Werk über die Zeitspanne 8. Mai 2008 bis 8. Mai 2011 ist stolze 640 Seiten stark.


Sendedaten
Montag, 18. Februar 2013 um 22.25 Uhr
Kulturzeit: Oper
Schönheit und Zerbrechlichkeit
Eine große Oper über Schönheit und ihre Zerbrechlichkeit haben sie geschrieben: Jörg Widmann und Peter Sloterdijk
Kulturzeit:
© dpa "Existenzielle Orientierung ähnelt Schatzsuche" - Ein Kulturzeit-Gespräch mit dem Philosophen Peter Sloterdijk
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